Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Science-Fiction im Alltag: FH-Forscher entwickelt Logistik-App für Datenbrillen

04.08.2015

Es klingt wie Zukunftsmusik: ein Logistiksystem, das die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter per Datenbrille durch das Lager leitet, das die richtige Ware und den richtigen Stellplatz automatisch erkennt, das die Wege optimiert und Fehler reduzieren hilft und das so auf einen Schlag zu einer Zeitersparnis von knapp 20 Prozent führt. Dieses Szenario ist Realität. Entwickelt wurde „Picavi“, das weltweit erste Datenbrillensystem für Hochregallager im Echtbetrieb, von der Herzogenrather Firma Logcom GmbH, maßgeblich beteiligt an der strategischen Produktentwicklung ist der Forscher Prof. Dr. Alexander Voß von der FH Aachen.

Der Aachener Kosmetikhersteller Dr. Babor GmbH & Co. KG setzt das System nach erfolgreicher Planungs- und Testphase nun dauerhaft für seine Kommissionierungsarbeiten ein. In der 12.000 Quadratmeter großen Hochregallagerhalle an der Neuenhofstraße arbeiten Kommissionierer statt mit Handhelds nun mit Datenbrillen.


Picavi im Einsatz: Kurz bevor der Kommissionierer den in die Datenbrille integrierten Scanner aktiviert, richtet er den Blick auf den Barcode des zu pickenden Produkts.

Foto: Logcom GmbH

Dort werden Packmittel und Werbeartikel für die interne Konfektionierung sowie Fertigware für Endkunden vorgehalten. Auf 8760 Palettenplätzen in 32 Regalen sind 6100 Artikel gelagert, die mit vier Staplern sowohl paletten- als auch kartonweise kommissioniert werden. Die komplette Prozessführung läuft nun über das Display der Datenbrille.

Dabei wird jeder Schritt per in die Brille eingebautem Scanner bestätigt: So werden Stellplatznummer und Artikel überprüft; Fehler werden ausgeschlossen. Ist der Auftrag abgeschlossen, erscheint der nächste im Display.

„Die Akzeptanz des neuen Systems bei den Kollegen ist wegen seiner Einfachheit extrem hoch. Mit der Datenbrille haben sie die Hände während des gesamten Vorgangs frei. Das ist neben der Wegeoptimierung der entscheidende Vorteil“, erläutert Babor-Geschäftsführer Horst Robertz. Schon in der Testphase konnte eine belastbare Zeitersparnis von 18 Prozent erreicht werden. Die ersten Wochen des Echtbetriebs deuten auf noch bessere Quoten hin.

„Um eine marktreife Pick-by-Vision-Lösung zu erreichen, war einiges an Forschungs- und Entwicklungsarbeit nötig“, legt Logcom-Geschäftsführer Dirk Franke dar, „Prototypen gibt es viele, die Herausforderung liegt darin, ein stabiles und zuverlässiges Gesamtsystem zu realisieren, das für den Produktivbetrieb rund um die Uhr geeignet ist.“

Prof. Dr. Alexander Voß erläutert: „Wir haben unter anderem eine spezielle Android-App für die Brille implementiert, die mit wenig Aufwand verschiedene Prozessabläufe abbilden kann, ohne immer komplett neu programmiert zu werden. Gleichzeitig betten wir die Datenbrillen in eine modulare Systemarchitektur ein, um rechenintensive Prozessschritte wie etwa eine Optimierung oder die Anbindung an Fremdsysteme serverseitig und nicht auf den Datenbrillen durchzuführen. So nutzen wir das Beste aus beiden Welten.“ Auf der Basis dieser Kerntechnologien sei auch der Einsatz in anderen Logistikbereichen oder generell in produzierenden Unternehmen denkbar – das Stichwort „Industrie 4.0“ ist derzeit in aller Munde.

Für Prof. Voß ist wichtig, dass die Entwicklungsarbeit in diesem Projekt eng mit seiner Tätigkeit in der Lehre verknüpft ist. „In meinen Vorlesungen lege ich großen Wert auf Anwendungsorientierung“, betont er, „die Studierenden können hier an einem Praxisbeispiel sehen, worauf es bei der Produktentwicklung ankommt und welche Herausforderungen es gibt“.

Viele der hier verwendeten Technologien könnten Studierende in seinen Vorlesungen zu Android-Entwicklung, C# oder Datenbanken lernen. Der duale Studiengang Scientific Programming des Fachbereichs Medizintechnik und Technomathematik biete gerade wegen der Kombination mit der Ausbildung zum Mathematisch-Technischen Softwareentwickler (MATSE) am IT-Center der RWTH Aachen sowie am Forschungszentrum Jülich die ideale Basis für den Einstieg in den Beruf. Das hat auch FH-Student Philipp Pickartz erfahren: Er fängt nach seinem Abschluss jetzt bei der Firma Logcom als Softwareentwickler an.

Team Pressestelle | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.fh-aachen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht LTE-V2X-Direktkommunikation für mehr Verkehrssicherheit
15.11.2018 | FOKUS - Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme

nachricht Elektronische Haut zeigt Weg nach Norden - HZDR-Forscher verleihen Menschen mit Sensoren Magnetsinn
15.11.2018 | Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Eine kalte Supererde in unserer Nachbarschaft

Der sechs Lichtjahre entfernte Barnards Stern beherbergt einen Exoplaneten

Einer internationalen Gruppe von Astronomen unter Beteiligung des Max-Planck-Instituts für Astronomie in Heidelberg ist es gelungen, beim nur sechs Lichtjahre...

Im Focus: Mit Gold Krankheiten aufspüren

Röntgenfluoreszenz könnte neue Diagnosemöglichkeiten in der Medizin eröffnen

Ein Präzisions-Röntgenverfahren soll Krebs früher erkennen sowie die Entwicklung und Kontrolle von Medikamenten verbessern können. Wie ein Forschungsteam unter...

Im Focus: Ein Chip mit echten Blutgefäßen

An der TU Wien wurden Bio-Chips entwickelt, in denen man Gewebe herstellen und untersuchen kann. Die Stoffzufuhr lässt sich dabei sehr präzise dosieren.

Menschliche Zellen in der Petrischale zu vermehren, ist heute keine große Herausforderung mehr. Künstliches Gewebe herzustellen, durchzogen von feinen...

Im Focus: A Chip with Blood Vessels

Biochips have been developed at TU Wien (Vienna), on which tissue can be produced and examined. This allows supplying the tissue with different substances in a very controlled way.

Cultivating human cells in the Petri dish is not a big challenge today. Producing artificial tissue, however, permeated by fine blood vessels, is a much more...

Im Focus: Optimierung von Legierungswerkstoffen: Diffusionsvorgänge in Nanoteilchen entschlüsselt

Ein Forschungsteam der TU Graz entdeckt atomar ablaufende Prozesse, die neue Ansätze zur Verbesserung von Materialeigenschaften liefern.

Aluminiumlegierungen verfügen über einzigartige Materialeigenschaften und sind unverzichtbare Werkstoffe im Flugzeugbau sowie in der Weltraumtechnik.

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Können Roboter im Alter Spaß machen?

14.11.2018 | Veranstaltungen

Tagung informiert über künstliche Intelligenz

13.11.2018 | Veranstaltungen

Wer rechnet schneller? Algorithmen und ihre gesellschaftliche Überwachung

12.11.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Emulsionen masschneidern

15.11.2018 | Materialwissenschaften

LTE-V2X-Direktkommunikation für mehr Verkehrssicherheit

15.11.2018 | Informationstechnologie

Daten „fühlen“ mit haptischen Displays

15.11.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics