Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Satellitentelefonie ist unsicher: RUB-Forscher knacken Sicherheitsstandards

07.02.2012
Verschlüsselungsalgorithmen weisen Sicherheitslücken auf
Satellitentelefonie galt bisher als abhörsicher. Forscher des Horst Görtz Instituts für IT-Sicherheit (HGI) an der Ruhr-Universität Bochum haben die Verschlüsselungsalgorithmen des European Telecommunications Standards Institute (ETSI) geknackt und erhebliche Schwachstellen aufgedeckt. In weniger als einer Stunde und mit einfacher Ausrüstung fanden sie den Schlüssel für abgefangene Telefongespräche. Mit einer Open-Source-Software und aufbauend auf ihren bisherigen Forschungsergebnissen konnten sie die Sicherheitsmängel demonstrieren.

Telefonieren via Satellit

In einigen Gebieten der Erde ist eine Mobilfunk-Versorgung noch nicht gewährleistet. In Kriegsgebieten, Dritte-Welt-Ländern und auf hoher See werden deswegen Satellitentelefone eingesetzt. Die Verbindung des Telefons erfolgt dabei via Funk direkt zu einem Satelliten. Dieser leitet den ankommenden Anruf weiter an eine Funkstelle am Boden. Von dort aus wird das Gespräch in das öffentliche Telefonnetz eingespeist. Bislang galt dieser Weg mit den Verschlüsselungsalgorithmen A5-GMR-1 und A5-GMR-2 des ETSI als sicher.

Einfaches Equipment – schnelle Entschlüsselung

Für ihr Vorhaben setzte die interdisziplinäre Forschergruppe aus den Bereichen Embedded Security und Systemsicherheit handelsübliches Equipment ein und wählte zwei beliebige Satellitentelefone aus. Ein einfaches Software-Update wurde dann für das jeweilige Telefon von der Website des Anbieters geladen und der Verschlüsselungsmechanismus rekonstruiert. Die Verschlüsselung des GMR-1-Standards wies Ähnlichkeiten mit der des GSM-Standards für Mobiltelefone auf. „Da dieser bereits geknackt wurde, konnten wir hier die Methode abwandeln und für unseren Angriff übernehmen“, erklärt Benedikt Driessen vom Lehrstuhl für Eingebettete Sicherheit an der RUB. Um die Ergebnisse in der Praxis zu verifizieren, schnitt die Forschergruppe ihre eigenen Telefongespräche mit und entwickelte auf Basis der Analyse einen neuen Angriff. "Besonders überraschte uns, dass einfachste Schutzmaßnahmen fehlten, die unsere Arbeit deutlich hätten erschweren können", so Carsten Willems vom Lehrstuhl für Systemsicherheit.

Eingriff in die Privatsphäre

Verschlüsselungsalgorithmen werden implementiert, um die Privatsphäre des Users zu schützen. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Nutzung von Satellitentelefonen Gefahren birgt und die derzeitigen Verschlüsselungen nicht ausreichen“, unterstreicht Ralf Hund vom Lehrstuhl für Systemsicherheit an der RUB. Eine Alternative zu den geltenden Standards gibt es bislang nicht. Da sich Nutzer nicht auf die Abhörsicherheit verlassen können, müssen sie – ähnlich wie bei der Verschlüsselung von Mobiltelefonen – auf die Entwicklung neuer Technologien und Standards warten oder für vertrauliche Gespräche auf andere Kommunikationswege zurückgreifen.

Weitere Informationen

Dipl.-Ing Benedikt Driessen, Lehrstuhl Embedded Security, Horst Görtz Institut für IT-Sicherheit, Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik der RUB, Tel. 0234/32-26186, benedikt.driessen@rub.de
http://gmr.crypto.rub.de

Redaktion: Jens Wylkop

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://gmr.crypto.rub.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Lösungen für digitale Arbeitswelten
13.09.2018 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

nachricht Entwicklung einer einheitlichen Architektur zur Maschinenoptimierung durch Big Data
12.09.2018 | CENTRUM INDUSTRIAL IT (CIIT)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

Feuert man Lichtpulse aus einer extrem starken Laseranlage auf Materialproben, reißt das elektrische Feld des Lichts die Elektronen von den Atomkernen ab. Für Sekundenbruchteile entsteht ein Plasma. Dabei koppeln die Elektronen mit dem Laserlicht und erreichen beinahe Lichtgeschwindigkeit. Beim Herausfliegen aus der Materialprobe ziehen sie die Atomrümpfe (Ionen) hinter sich her. Um diesen komplexen Beschleunigungsprozess experimentell untersuchen zu können, haben Forscher aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) eine neuartige Diagnostik für innovative laserbasierte Teilchenbeschleuniger entwickelt. Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review X“.

„Unser Ziel ist ein ultrakompakter Beschleuniger für die Ionentherapie, also die Krebsbestrahlung mit geladenen Teilchen“, so der Physiker Dr. Thomas Kluge vom...

Im Focus: Bio-Kunststoffe nach Maß

Zusammenarbeit zwischen Chemikern aus Konstanz und Pennsylvania (USA) – gefördert im Programm „Internationale Spitzenforschung“ der Baden-Württemberg-Stiftung

Chemie kann manchmal eine Frage der richtigen Größe sein. Ein Beispiel hierfür sind Bio-Kunststoffe und die pflanzlichen Fettsäuren, aus denen sie hergestellt...

Im Focus: Patented nanostructure for solar cells: Rough optics, smooth surface

Thin-film solar cells made of crystalline silicon are inexpensive and achieve efficiencies of a good 14 percent. However, they could do even better if their shiny surfaces reflected less light. A team led by Prof. Christiane Becker from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) has now patented a sophisticated new solution to this problem.

"It is not enough simply to bring more light into the cell," says Christiane Becker. Such surface structures can even ultimately reduce the efficiency by...

Im Focus: Mit Nano-Lenkraketen Keime töten

Wo Antibiotika versagen, könnten künftig Nano-Lenkraketen helfen, multiresistente Erreger (MRE) zu bekämpfen: Dieser Idee gehen derzeit Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen (UDE) und der Medizinischen Hochschule Hannover nach. Zusammen mit einem führenden US-Experten tüfteln sie an millionstel Millimeter kleinen Lenkraketen, die antimikrobielles Silber zielsicher transportieren, um MRE vor Ort zur Strecke zu bringen.

In deutschen Krankenhäusern führen die MRE jährlich zu tausenden, teils lebensgefährlichen Komplikationen. Denn wer sich zum Beispiel nach einer Implantation...

Im Focus: Schaltung des Stromflusses auf atomarer Skala

Forscher aus Augsburg, Trondheim und Zürich weisen gleichrichtende Eigenschaften von Grenzflächenkontakten im ferroelektrischen Halbleiter nach.

Die Grenzflächen zwischen zwei elektrisch unterschiedlich polarisierten Bereichen im Festkörper werden als ferroelektrische Domänenwände bezeichnet. In der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von den Grundlagen bis zur Anwendung - Internationale Elektrochemie-Tagung in Ulm

18.09.2018 | Veranstaltungen

Unbemannte Flugsysteme für die Klimaforschung

18.09.2018 | Veranstaltungen

Studierende organisieren internationalen Wettbewerb für zukünftige Flugzeuge

17.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Auf der InnoTrans 2018 mit innovativen Lösungen für den Güter- und Personenverkehr

18.09.2018 | Messenachrichten

Von den Grundlagen bis zur Anwendung - Internationale Elektrochemie-Tagung in Ulm

18.09.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

18.09.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics