Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Quantensprung für die Schiffsarchäologie

04.02.2010
Erstmals in Deutschland: Dreidimensionales Messsystem für Dokumentation von Schiffsfunden - Erprobungsphase an Koggehölzern

Für Kollegen in Dänemark, Schweden, Norwegen, England und Irland ist es nicht neu. Erstmals führte in Deutschland jetzt aber das Nationalmuseum Deutsches Schiffahrtsmuseum die digitale dreidimensionale Vermessung von Schiffsfunden für die Schiffsarchäologie ein.

Michael Sietz (30), Diplom-Restaurator am DSM: "Das ist ein Quantensprung für unsere Arbeit. Wir sind jetzt schneller und bekommen gegenüber dem Handaufmaß einen enormen Zuwachs an Genauigkeit." Möglich macht dies das digitale FARO-Messsystem mit Laserfunktion. Das Museum hat es mit einer Spende seines Fördervereins zur Jahreswende angeschafft, um den immer größer werdenden Anforderungen im Bereich der Nassholzkonservierung und Schiffsarchäologie gerecht werden zu können.

Spektakulär sieht das Gerät nicht aus: Ein einfaches, robustes Stativ mit zwei Tentakelarmen und Mess-"Pistole". Aber FARO ist ein deutlicher Fortschritt für die Forschungsarbeit des Deutschen Schiffahrtsmuseums. In der Automobilindustrie gehört die 3D-Vermessung z. B. von gefrästen Motorblöcken - zum Arbeitsalltag, um die Fertigungsgenauigkeit zu überprüfen. In der Archäologie ist diese Messmethode hingegen noch relativ neu und bedeutet für das DSM auch, dass man anderen Institutionen, die über diese moderne Technik nicht verfügen, Hilfestellung bei der Dokumentation, die auch für die Datensammlung des DSM als eigene Forschung wichtig ist, geben kann.

Das aber stand bei der Anschaffung nicht im Vordergrund. Bisher musste jedes archäologische Fundstück - von der Hansekogge, dem Flussschiff vom Rhein aus der Zeit um 1000 n. Chr. oder den 2009 entdeckten beiden Weser-Lastkähnen aus dem 17. Jahrhundert - mühsam 1 : 1 im Handaufmaß dokumentiert und zur weiteren Bearbeitung digitalisiert werden. "Ein immenser Arbeitsaufwand, der nur von qualifiziertem Fachpersonal bewerkstelligt werden kann", betont Michael Sietz.

Jetzt führt er die Hartmetallspitze des beweglichen Messarmes seines FARO-Systems in einem Raster über das Objekt. Die Ergebnisse der Messpunkte werden direkt in eine CAD-Software übertragen. So entsteht ein digitales 3D-Modell, das beliebig weiter verarbeitet werden kann.

Es geht in der Schiffsarchäologie und Nassholzkonservierung aber nicht allein um die Erfassung von einfachen Formen. Das neue Messsystem kann auch Gebrauchsspuren, Herstellungsmerkmale von Funden oder Schäden im Holz genau erfassen und mit der Software kartieren. "Wir sind jetzt bis zu 20 % schneller als im Handaufmaß, aber erreichen auch eine Messgenauigkeit von 0,12 mm. Dieser enorme Zuwachs an Präzision ist im Handaufmaß nicht machbar, aber für unsere Arbeit enorm wichtig", freut sich Sietz. An einer Planke aus der Hansekogge von 1380 "übt" er gegenwärtig den Einsatz im Museum, wo noch eine Fülle von Funden auf die Be- und Verarbeitung warten.

Aber nicht nur im Museum kann das FARO-System genutzt werden, sondern auch vor Ort an Fundstellen. Das stabile Stativ samt Messarm kann an jedem Fundort aufgebaut werden und auch große Fundstücke in einem Arbeitsschritt bearbeiten.

Eine der ersten Aufträge im Museum wird die 3D-Erfassung der Mittelalterflotte sein, zu der es bisher "keine ausreichende Dokumentation gibt". Aber auch der sog. "kleine Oberländer" - ein Schiffsfund aus der Nähe von Krefeld, der um das Jahr 1000 angesiedelt wird, soll nun im digitalen 3D-Verfahren dokumentiert werden. Denn hier ist bereits eine enge wissenschaftliche Zusammenarbeit mit dem RACM in Lelystad (Niederlande) vereinbart.

Marc Liedtke | idw
Weitere Informationen:
http://www.dsm.museum

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Textilherstellung für Weltraumantennen startet in die Industrialisierungsphase
28.05.2020 | Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC

nachricht 3D-Gebärdensprach-Avatar als Sprachassistent zur automatisierten Gebärdenübersetzung
28.05.2020 | Universität Augsburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neuartiges Covid-19-Schnelltestverfahren auf Basis innovativer DNA-Polymerasen entwickelt

Eine Forschungskooperation der Universität Konstanz unter Federführung von Professor Dr. Christof Hauck (Fachbereich Biologie) mit Beteiligung des Klinikum Konstanz, eines Konstanzer Diagnostiklabors und des Konstanzer Unternehmens myPOLS Biotec, einer Ausgründung aus der Arbeitsgruppe für Organische Chemie / Zelluläre Chemie der Universität Konstanz, hat ein neuartiges Covid-19-Schnelltestverfahren entwickelt. Dieser Test ermöglicht es, Ergebnisse in der Hälfte der Zeit zu ermitteln – im Vergleich zur klassischen Polymerase-Ketten-Reaktion (PCR).

Die frühe Identifikation von Patienten, die mit dem neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2) infiziert sind, ist zentrale Voraussetzung bei der globalen Bewältigung...

Im Focus: Textilherstellung für Weltraumantennen startet in die Industrialisierungsphase

Im Rahmen des EU-Projekts LEA (Large European Antenna) hat das Fraunhofer-Anwendungszentrum für Textile Faserkeramiken TFK in Münchberg gemeinsam mit den Unternehmen HPS GmbH und Iprotex GmbH & Co. KG ein reflektierendes Metallnetz für Weltraumantennen entwickelt, das ab August 2020 in die Produktion gehen wird.

Beim Stichwort Raumfahrt werden zunächst Assoziationen zu Forschungen auf Mond und Mars sowie zur Beobachtung ferner Galaxien geweckt. Für unseren Alltag sind...

Im Focus: Biotechnologie: Enzym setzt durch Licht neuartige Reaktion in Gang

In lebenden Zellen treiben Enzyme biochemische Stoffwechselprozesse an. Auch in der Biotechnologie sind sie als Katalysatoren gefragt, um zum Beispiel chemische Produkte wie Arzneimittel herzustellen. Forscher haben nun ein Enzym identifiziert, das durch die Beleuchtung mit blauem Licht katalytisch aktiv wird und eine Reaktion in Gang setzt, die in der Enzymatik bisher unbekannt war. Die Studie ist in „Nature Communications“ erschienen.

Enzyme – in jeder lebenden Zelle sind sie die zentralen Antreiber für biochemische Stoffwechselprozesse und machen dort Reaktionen möglich. Genau diese...

Im Focus: Biotechnology: Triggered by light, a novel way to switch on an enzyme

In living cells, enzymes drive biochemical metabolic processes enabling reactions to take place efficiently. It is this very ability which allows them to be used as catalysts in biotechnology, for example to create chemical products such as pharmaceutics. Researchers now identified an enzyme that, when illuminated with blue light, becomes catalytically active and initiates a reaction that was previously unknown in enzymatics. The study was published in "Nature Communications".

Enzymes: they are the central drivers for biochemical metabolic processes in every living cell, enabling reactions to take place efficiently. It is this very...

Im Focus: Innovative Sensornetze aus Satelliten

In Würzburg werden vier Kleinst-Satelliten auf ihren Start vorbereitet. Sie sollen sich in einer Formation bewegen und weltweit erstmals ihre dreidimensionale Anordnung im Orbit selbstständig kontrollieren.

Wenn ein Gegenstand wie der Planet Erde komplett ohne tote Winkel erfasst werden soll, muss man ihn aus verschiedenen Richtungen ansehen und die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Gebäudewärme mit "grünem" Wasserstoff oder "grünem" Strom?

26.05.2020 | Veranstaltungen

Dresden Nexus Conference 2020 - Gleicher Termin, virtuelles Format, Anmeldung geöffnet

19.05.2020 | Veranstaltungen

Urban Transport Conference 2020 in digitaler Form

18.05.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Wie sich Nervenzellen zum Abruf einer Erinnerung gezielt reaktivieren lassen

29.05.2020 | Biowissenschaften Chemie

Wald im Wandel

29.05.2020 | Agrar- Forstwissenschaften

Schwarzer Stickstoff: Bayreuther Forscher entdecken neues Hochdruck-Material und lösen ein Rätsel des Periodensystems

29.05.2020 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics