Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lernen im Zentrum

30.11.2015

Für Menschen, und generell für Tiere, ist es selbstverständlich; Maschinen müssen es dagegen erst lernen: das Lernen. Um ihnen dabei zu helfen, gründen die Max-Planck-Gesellschaft und die ETH Zürich das Max Planck ETH Center for Learning Systems. Am 30. November 2015 fällt in Tübingen der Startschuss.

Die Wissenschaftler des Centers möchten verstehen, was die Prinzipien des Lernens sind, und zwar sowohl in der Theorie als auch in realen Maschinen. So möchten sie unter anderem Roboter dazu bringen, in einer unbekannten komplexen Umgebung autonom zu handeln.


Der humanoide Roboter "Apollo" soll lernen, gezielt Dinge zu erkennen und zu greifen.

MPI für Intelligente Systeme / Wolfram Scheible


Apollo soll lernen zu begreifen.

MPI für Intelligente Systeme / Wolfram Scheible

„Das Center ist ein wesentlicher Baustein für den Ausbau des Forschungsfeldes lernender und intelligenter Systeme in Baden-Württemberg.

Durch ihre Kooperation schaffen die MPG und die ETH wissenschaftliche sowie personelle Synergien und stellen sicher, dass die europäische Forschung in diesem Feld weltweit wettbewerbsfähig bleibt“, sagt Max-Planck-Präsident Martin Stratmann mit Blick auf die Eröffnungsfeier am 30. November in Tübingen. Erwartet werden auch die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer, die schweizerische Botschafterin Christine Schraner Burgener und ETH-Präsident Lino Guzzella.

Helfende Roboter

Roboter als Katastrophenhelfer könnten menschliche Rettungskräfte vor gefährlichen Einsätzen bewahren. Und als Pflegeassistenten könnten sie helfen, die Probleme einer alternden Gesellschaft mit immer mehr hilfsbedürftigen Menschen in den Griff zu bekommen.

Doch bis sie in der Lage sind, solche Dienste zu verrichten, wird es noch einige Zeit dauern. Denn heute scheitern zumindest zweibeinige Roboter oft schon, wenn sie selbstständig über einen unebenen Boden gehen sollen – ihre Motorik passt sich schlicht nicht schnell genug an unbekanntes Terrain an.

Würden die Maschinen ähnlich gut lernen wie Insekten, vom Menschen ganz zu schweigen, wäre zumindest ein steiniger Weg kein Problem mehr für sie. Sie mit dieser Lernfähigkeit auszustatten, ist Ziel des Max Planck ETH Centers für Lernende Systeme.

„Uns geht es aber nicht nur darum, Anwendungsprobleme zu lösen, wie etwa einem zweibeinigen Roboter das Gehen auf unebenem Untergrund beizubringen“, sagt Bernhard Schölkopf, Direktor am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme in Tübingen und neben Thomas Hofmann von der ETH Zürich einer der zwei Co-Direktoren des Centers. „Wir wollen erst einmal verstehen, was die Intelligenz von Lebewesen ausmacht, mit der diese Wahrnehmung, Lernen und Handlung organisieren und in einer komplexen Umgebung erfolgreich agieren können.“

Künstliche Systeme sollen ähnlich lernen wie Lebewesen

Die Einsichten aus diesen grundlegenden Untersuchungen wollen die Forscher dann nutzen, um die Methoden des maschinellen Lernens weiterzuentwickeln. Solche Verfahren werden heute schon angewendet, um statistische Regelmäßigkeiten in großen Datensätzen aufzuspüren. Aber sie sind jeweils auf konkrete Aufgaben beschränkt.

Eine Methode etwa, die auf Bildern zuverlässig Gesichter erkennt, hilft einem Roboter nicht, den sicheren Gang in jedem Gelände zu trainieren. „Die Lernfähigkeit vor allem des Menschen ist dagegen weitgehend unabhängig von der konkreten Aufgabe“, erklärt Schölkopf. „Wenn wir besser verstehen, wie Gelerntes zwischen verschiedenen Aufgaben übertragen werden kann, so können wir möglicherweise auch künstliche Systeme entwickeln, die ähnlich lernen wie Lebewesen.“

Die generellen Prinzipien des Lernens sollen dann nicht nur Robotern Intelligenz einhauchen, sondern zum Beispiel auch der Software, die große Datenmengen analysiert. So sollen Computer nicht mehr nur statistische Zusammenhänge in großen Datensätzen ermitteln, sondern auch kausale. So sollen sie etwa in Daten des genetischen Codes und von Proteininteraktion selbständig die Wirkung von Genveränderungen abschätzen; das sind kausale Zusammenhänge, über die auch Mediziner heute noch nichts wissen.

Eröffnungsveranstaltung mit der Forschungsministerin

Das Max Planck ETH Center, in dem Wissenschaftler der Standorte Tübingen, Stuttgart und Zürich zusammenarbeiten, baut auf einer Kooperation auf, die es auf dem Gebiet des maschinellen Lernens zwischen dem Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme und der ETH Zürich bereits gibt. Zu den Zielen gehört neben der wissenschaftlichen Zusammenarbeit die gemeinsame Nutzung von Forschungsinfrastruktur und die Ausbildung von Doktorandinnen und Doktoranden. Ebenso werden über das Center gemeinsame Sommerschulen und Workshops organisiert. Das Center wird mit insgesamt fünf Millionen Euro in den ersten fünf Jahren gefördert, die hälftig durch die Max-Planck-Gesellschaft und die ETH Zürich getragen werden.

Zu der Eröffnungsveranstaltung am 30. November 2015 werden unter anderem die Ministerin Baden-Württembergs für Wissenschaft, Forschung und Kunst Theresia Bauer, die schweizerische Botschafterin Christine Schraner Burgener, Martin Stratmann und Lino Guzzella erwartet. Journalisten sind herzlich eingeladen. Um Anmeldung wird gebeten unter anmeldung@is.mpg.de.

Programm 30.11.2015, Tübingen, Max-Planck-Haus, Spemannstr. 36:

11:00 – 14:00 Uhr Eröffnungsfeier & Empfang (geladene Gäste)

14:00 - 15:00 Uhr Keynote Lecture: “On the Computational Complexity of Deep Learning”
Prof. Shai Shalev-Shwartz, The Hebrew University

15:00 - 16:00 Uhr Laborführungen / Demos MPI für Intelligente Systeme
Abteilungen Autonome Motorik (Schaal), Empirische Inferenz (Schölkopf),
Physikalische Intelligenz (Sitti) und Perzeptive Systeme (Black)

16:00 - 17:00 Uhr Keynote lecture: “Perceiving Neural Networks”
Prof. Matthias Bethge, CIN / Universität Tübingen & MPI für biologische Kybernetik

Kontakt: Claudia Däfler (claudia.daefler@tuebingen.mpg.de, 0178-7313394)

Weitere Informationen:

http://www.is.tuebingen.mpg.de
http://www.learning-systems.org
http://www.is.mpg.de/de
http://www.mpg.de/de

Claudia Däfler | Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme

Weitere Berichte zu: ETH Intelligenz Lebewesen Lernen MPI Maschinen Max-Planck-Institut Motorik Planck Roboter

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Wie benutzerfreundlich ist Virtual Reality?
21.05.2019 | Georg-August-Universität Göttingen

nachricht KI-Forschung in Deutschland: Landkarte der Plattform Lernende Systeme gibt Überblick
21.05.2019 | Lernende Systeme - Die Plattform für Künstliche Intelligenz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Direkte Abbildung von Riesenmolekülen

Physiker am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (MPQ) konnten riesige zweiatomige Moleküle erzeugen und mit einem hochaufgelösten Mikroskop direkt abbilden.

Die optische Auflösung einzelner Konstituenten herkömmlicher Moleküle ist aufgrund der kleinen Bindungslänge im Sub-Nanometerbereich bisher nicht möglich....

Im Focus: New studies increase confidence in NASA's measure of Earth's temperature

A new assessment of NASA's record of global temperatures revealed that the agency's estimate of Earth's long-term temperature rise in recent decades is accurate to within less than a tenth of a degree Fahrenheit, providing confidence that past and future research is correctly capturing rising surface temperatures.

The most complete assessment ever of statistical uncertainty within the GISS Surface Temperature Analysis (GISTEMP) data product shows that the annual values...

Im Focus: Geometrie eines Elektrons erstmals bestimmt

Physiker der Universität Basel können erstmals zeigen, wie ein einzelnes Elektron in einem künstlichen Atom aussieht. Mithilfe einer neu entwickelten Methode sind sie in der Lage, die Aufenthaltswahrscheinlichkeit eines Elektrons im Raum darzustellen. Dadurch lässt sich die Kontrolle von Elektronenspins verbessern, die als kleinste Informationseinheit eines zukünftigen Quantencomputers dienen könnten. Die Experimente wurden in «Physical Review Letters» und die Theorie dazu in «Physical Review B» veröffentlicht.

Der Spin eines Elektrons ist ein vielversprechender Kandidat, um als kleinste Informationseinheit (Qubit) eines Quantencomputers genutzt zu werden. Diesen Spin...

Im Focus: The geometry of an electron determined for the first time

Physicists at the University of Basel are able to show for the first time how a single electron looks in an artificial atom. A newly developed method enables them to show the probability of an electron being present in a space. This allows improved control of electron spins, which could serve as the smallest information unit in a future quantum computer. The experiments were published in Physical Review Letters and the related theory in Physical Review B.

The spin of an electron is a promising candidate for use as the smallest information unit (qubit) of a quantum computer. Controlling and switching this spin or...

Im Focus: Optische Superlinsen aus Gold

Oldenburger Forscher entwickeln neues optisches Mikroskop mit extrem hoher Auflösung

Eine kegelförmige Spitze aus Gold bildet das Kernstück eines neuen, extrem leistungsfähigen optischen Mikroskops, das Oldenburger Wissenschaftler in der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Effizientes Wertstoff-Recycling aus Elektronikgeräten

24.05.2019 | Veranstaltungen

Früherkennung 2.0: Mit Präzisionsmedizin Screeningverfahren weiterentwickeln

23.05.2019 | Veranstaltungen

Kindermediziner tagen in Leipzig

22.05.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Schweißen ohne Wärme

24.05.2019 | Maschinenbau

Bakterien in fermentierten Lebensmitteln interagieren mit unserem Immunsystem

24.05.2019 | Biowissenschaften Chemie

Wie Einzelzellen und Zellverbünde beim Navigieren zusammenwirken

24.05.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics