Lernen beim Fahren

Lastwagenfahrer können sich mit dem System LogiAssist beruflich weiterbilden – beispielsweise via Smartphone. (© Fraunhofer FIT)<br>

Der alte Witz: »Wer sitzt den ganzen Tag vor seinem Bett und schaut zum Fenster hinaus? – ein Fernfahrer« hat längst ausgedient. Das Steuern eines Lastwagens ist heute ein Beruf, der viele Qualifikationen erfordert. Moderne Trucker müssen nicht nur Landkarten lesen und elektronische Geräte bedienen können, sondern auch ihre Routen möglichst effizient der gegebenen Verkehrs- und Ladungssituation anpassen, über die Rechtsbestimmungen auf dem Laufenden sein und die Sicherheit ihrer Ladung überwachen. Hinzu kommt eine Fülle von komplexen Vorschriften der EU-Gesetzgebung.

Ein Fahrer, der auch im Ausland unterwegs ist, muss sich obendrein mit fremden Sprachen herumschlagen und die Vorschriften des Gastlands kennen. Er kommt also nicht umhin, sich ständig weiterzubilden. Dazu ist er sogar gesetzlich verpflichtet. Andererseits verbringt ein Lastwagenfahrer fast den ganzen Tag hinter dem Lenkrad, freie Zeit hat er kaum. Die Trucks bringen nur Geld, so lange sie unterwegs sind. Daher muss der Fahrer die Standzeiten kurz halten.

Forscher des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik FIT in Sankt Augustin haben zu diesem Zweck in enger Zusammenarbeit mit Partnern aus der Wirtschaft und dem Weiterbildungssektor das System LogiAssist entwickelt. »Es soll Fahrern und Unternehmern der Logistikbranche beim Lernen und Vorbereiten der beruflichen Weiterbildung helfen«, sagt Projektleiter Dr. Martin Wolpers. Das Konzept setzt darauf, dass Trucker am Feierabend, in den Pausen oder auch während des Fahrens mit einer Audio-Vorlesung lernen können oder aber über ein Assistenzsystem vor Ort gezielt unterstützt werden. Die Inhalte werden via Smartphone, Tablet-Computer oder Laptop angeboten – auf Geräten also, mit denen das Cockpit ohnehin ausgestattet ist. Sie sind auf die Lernbedürfnisse der Branche zugeschnitten und können auf den jeweiligen Kontext abgestimmt werden, je nach Vorwissen, Person, Fahrzeug, Ladung oder Fahrtroute.

Mit der Entwicklung derartiger Lernumgebungen beschäftigt sich die Forschergruppe am Fraunhofer FIT seit Jahren im EU-Projekt ROLE, kurz für Responsive Open Learning Environments (www.role-project.eu). »Wir sprechen mehrere Zielgruppen an«, er läutert Wolpers. »Dazu zählen Universitätsstudenten, Wissensarbeiter, Anbieter von Lehrmaterialien, aber auch mobile Personen ohne Schreibtisch wie die Trucker. Im Grunde alle, die auf elektronischem Wege lernen wollen.« Für sie erarbeiten die Wissenschaftler Standards und Anwendungen, die es ihnen ermöglichen, unterschiedliche Lehrmaterialien auf einer ganz individuell abgestimmten Lernplattform zu nutzen. Mit einem Baukasten aus vorgefertigten Werkzeugen kann sie jeder für sich zu sammenstellen. Wer möchte, nutzt die Software, die er aus dem Alltag kennt, also die gewohnten Browser oder Suchmaschinen. Zudem kann man auch in der Gruppe lernen und per Chatprogramm, Outlook oder Skype andere Teilnehmer des Online-Kurses kontaktieren. Die Lernumgebung ist so angelegt, dass sie sich dem Lern- und Arbeitsstil des Einzelnen anpasst: Während der eine es vorzieht, sich den Lernstoff am Bildschirm anhand von Dokumenten zu erarbeiten, lernt ein anderer überwiegend mit kurzen Teileinheiten über das Handy als Videosequenz oder Audio-Datei.

Vom 1. bis zum 5. März zeigt das Fraunhofer FIT auf der CeBit in Hannover in Halle 9, Stand B36 die praktische Anwendung derartiger individueller Lernumgebungen: Interessierte haben einerseits die Möglichkeit, LogiAssist selbst auszuprobieren. Andererseits können sie beobachten, wie chinesische Studenten mit Hilfe der Soft ware auf höchst unterschiedliche Weise Englisch lernten und dazu ihre jeweiligen Lernprogramme gestaltet haben.

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Dr.-Ing. Martin Wolpers Fraunhofer Mediendienst

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