Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Energieeffiziente IT: Neuer Schaltprozess in spintronischen Bauelementen beobachtet

19.04.2017

Ein Forscherteam aus Berlin, Stuttgart und Mainz hat in einem ferromagnetischen Material einen neuartigen magnetischen Schaltprozess beobachtet, der sehr schnell abläuft und kaum Energieaufwand erfordert. Voraussetzung ist, dass das Material aus ringförmigen Nanostrukturen besteht. Solche Strukturen könnten ein Weg zu energiesparenden neuen Datenspeichern sein. Die Ergebnisse sind als "Highlight" in Physical Review Applied veröffentlicht.

Magnetische Datenspeicher basieren stets auf Bauelementen mit zwei stabilen magnetischen Zuständen, zwischen denen sich hin- und herschalten lässt. Gute Kandidaten für solche Bauelemente sind ringförmige Strukturen aus einem permanentmagnetischen Material mit winzigen Durchmessern von tausendstel Millimetern. Diese Nanoringe können im oder gegen den Uhrzeigersinn magnetisiert sein. Allerdings gelingt das Umschalten zwischen den beiden Zuständen bisher nur, wenn ein komplexes zirkular magnetisches Feld anliegt.


Diese Aufnahme zeigt die Bewegung der Domänenwände.

M. Mawass/HZB

Nanoringe lassen sich leicht umschalten

Wie es leichter gehen könnte, hat nun ein Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus verschiedenen Forschungseinrichtungen in Deutschland gezeigt: Wird das Loch im Ring nicht mittig, sondern leicht asymmetrisch angeordnet, so dass der Ring an einer Seite dünner ist als an der anderen, dann wird das Umschalten ganz einfach! Ein magnetisches Feld, das nur wenige Milliardstel Sekunden lang stabil sein muss, genügt, um die Magnetisierung vom Uhrzeigersinn in den Gegenuhrzeigersinn zu drehen.

Ein kurzzeitiges Magnetfeld reicht aus

An der Maxymus-Beamline von BESSY II konnte das Team mit Hilfe von zeitaufgelöster Röntgen-Mikroskopie beobachten, wie sich die Magnetisierung entwickelt, nachdem der kurze Magnetfeldpuls angelegt wurde: So bilden sich durch den magnetischen Puls zunächst zwei Domänenwände im Ring aus. Sobald das äußere magnetische Feld abgeschaltet wird, bewegen sich die Domänenwände sehr schnell aufeinander zu und vernichten sich. Dadurch dreht sich die Magnetisierung vom Uhrzeigersinn in die Gegenrichtung um.

Schneller Prozess für Spintronik

“Unsere Messungen zeigen, dass sich die Domänenwände im Durchschnitt 60 Meter pro Sekunde bewegen. Dies ist sehr schnell für spintronische Anwendungen”, sagt Dr. Mohamad-Assaad Mawass, Erstautor der Publikation in Physical Review Applied. Mawass hat an diesen Experimenten bereits im Rahmen seiner Doktorarbeit an der Johannes Gutenberg Universität Mainz (Gruppe von Prof. Kläui) gemeinsam mit der Gruppe um Gisela Schütz vom Max Planck Institut für Intelligente Systeme, Stuttgart, gearbeitet. Nun konnte er diese Forschung als Postdoc an der X-PEEM-Beamline am HZB fortsetzen. “Wir sind davon überzeugt, dass wir einen robusten, zuverlässigen Umschaltprozess gefunden haben, der sich für Anwendungen in der Spintronik, zum Beispiel für die energieeffiziente Datenspeicherung eignet”, sagt Mawass.

Die Ergebnisse sind nun in Physical Review Applied veröffentlicht, die Arbeit wurde von den Herausgebern besonders hervorgehoben (Editors' Suggestion).

Zur Publikation in Physical Review Applied (2017): "Switching by domain wall automotion in asymmetric ferromagnetic rings”, Mohamad-Assaad Mawass, Kornel Richter, Andre Bisig, Robert M. Reeve, Benjamin Krüger, Markus Weigand, Andrea Krone, Hermann Stoll, Florian Kronast, Gisela Schütz, and Mathias Kläui

DOI: 10.1103/PhysRevApplied.7.044009

Dr. Antonia Rötger | Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie GmbH
Weitere Informationen:
http://www.helmholtz-berlin.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne
20.07.2018 | Universität Rostock

nachricht Maschinelles Lernen: Neue Methode ermöglicht genaue Extrapolation
13.07.2018 | Institute of Science and Technology Austria

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics