Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Digitale Assistenzsysteme in der Produktion

19.09.2019

Kurzstudie des Fraunhofer IAO untersucht heutige und zukünftige Einsatzpotenziale verschiedener Technologien

Industrie 4.0-Technologien können produzierenden Unternehmen dabei helfen, den aktuellen Herausforderungen zu begegnen. Vor allem digitale Assistenzsysteme gewinnen zunehmend an Bedeutung für die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine.


Qualifizierung 4.0: »Wissensnuggets« für komplexe Arbeitsabläufe

Foto: Ludmilla Parsyak © Fraunhofer IAO

Doch welche Technologien bieten das größte Potenzial? Das »Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Stuttgart« unter Leitung des Fraunhofer IAO hat zusammen mit der memex GmbH befragt und eine Kurzstudie verfasst.

Die Einführung von digitalen Assistenzsystemen in produzierenden Unternehmen ist mit weitreichenden Auswirkungen und Veränderungen auf Arbeitsabläufe und -prozesse verbunden. Aus diesem Grund und auch in Bezug auf die entstehenden Kosten muss der Nutzen und das ideale Einsatzgebiet der Technologie im Vorfeld klar definiert werden: Welche Technologie ist die richtige für welchen Zweck?

Um die Potenziale der unterschiedlichen digitalen Assistenzsysteme bewerten zu können, mangelt es vielen Unternehmen an Erfahrungen aus der praktischen Anwendung.

»Das ist eine Problematik, die den hoch technisierten Mittelstand in Süddeutschland stark beschäftigt. Zwar entstehen derzeit vielerlei Anwendungen und Systeme, die unter anderem in den Bereichen Qualifikation, Qualität und Produktivität unterstützen. Doch der tatsächliche Nutzen wird nur in einzelnen Fällen über den eigenen Betrieb hinaus kommuniziert« erklärt Jessica Klapper, Hauptverfasserin der Kurzstudie vom Fraunhofer IAO.

Vor dem Hintergrund dieser Herausforderungen hat das »Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Stuttgart«, unter der Leitung des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO, zusammen mit der memex GmbH eine Umfrage durchgeführt.

Ziel der Studie war es, die heutigen und zukünftigen Potenziale für Anwender und Anbieter von digitalen Assistenzsystemen zu ermitteln. Dafür hat das Forschungsteam insgesamt 144 Mitarbeitende aus produzierenden Unternehmen zu verschiedenen Technologien, deren Anwendungsbereich und Verwendungszweck befragt.

Großes Potenzial in VR- und AR-Technologien vermutet

Zu den wesentlichen Erkenntnissen der Umfrageergebnisse gehört, dass digitale Assistenzsysteme vor allem in den Bereichen der Fertigung und Montage verstärkt zum Einsatz kommen werden. Hintergrund dafür ist der zunehmende Bedarf an stationären Arbeitsplätzen, an aktuellen Informationen am Arbeitsplatz und der Wunsch nach Reduzierung von Laufwegen und Wartezeiten.

Dabei vermuten die Befragten den größten Einsatzzuwachs bei Technologien aus den Bereichen Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR). Die rasante Entwicklung dieser Anwendungen, gerade im Consumer Bereich, wecken auch besonderes Interesse in der Industrie, denn für Arbeiten, bei denen die Hände überwiegend frei sein müssen, erscheint der Einsatz besonders attraktiv.

Ein Großteil der Befragten gab an, dass bereits heute diese Visualisierungstechnologien in Betrieben beim Einlernen und Trainieren von Mitarbeitenden zum Einsatz kommen. Jedoch werden etablierte Anwendungen wie Bildschirme oder Tablet nach wie vor am häufigsten verwendet.

Hohe Hemmschwelle für den Einsatz von digitalen Assistenzsystemen

Außerdem wurde anhand der Umfrageergebnisse deutlich, dass die Hemmschwelle zur Anschaffung und zum Einsatz von digitalen Assistenzsystemen für viele Unternehmen, insbesondere für mittelständische, sehr hoch ist. Neben dem großen Kostenfaktor spielen auch fehlende technische Voraussetzungen und Unklarheiten über den Nutzen der Technologien eine entscheidende Rolle.

»Viele mittelständische Unternehmen haben zu wenig Ressourcen, um sich einerseits einen Überblick über die verschiedenen Technologien verschaffen zu können und diese dann andererseits in Bezug auf den eigenen Bedarf auswerten zu können. Genau hier setzt unsere Studie an,« so Robert Rothenberger, memex GmbH.

Die Ergebnisse der Kurzstudie bieten eine Entscheidungsgrundlage, um verschiedene Assistenztechnologien anhand ihres Verwendungszwecks und Einsatzbereichs zu beurteilen und mittelständische Unternehmen bei ihrem Weg in die Digitalisierung zu unterstützen.

Der Kooperationspartner memex GmbH will die gewonnenen Erkenntnisse für die eigene Produktentwicklung bzw. der kundenfokussierten Erweiterung des Portfolios nutzen. Große Chancen sieht auch memex im Einsatz von Augmented Reality (AR) zur Visualisierung von Inhalten. Auch das Fraunhofer IAO setzt die Ergebnisse gezielt ein, um passende Leistungsangebote für mittelständische Unternehmen zu entwickeln. Angedacht sind beispielweise Konzepte zur systematischen Auswahl und anschließenden Einführung von digitalen Assistenzsystemen vor allen in den Bereichen der Fertigung und Montage zur Ausführungsunterstützung oder Qualitätskontrolle.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Jessica Klapper
Vernetzte Produktionssysteme
IAT der Universität Stuttgart
(Kooperationsinstitut des Fraunhofer IAO)
IAT der Universität Stuttgart
Nobelstraße 12
70569 Stuttgart
Telefon +49 711 970-2287
jessica.klapper@iao.fraunhofer.de

Originalpublikation:

Klapper, Jessica u.a.: Potenziale digitaler Assistenzsysteme.
Aktueller und zukünftiger Einsatz digitaler Assistenzsysteme in produzierenden Unternehmen, Stuttgart 2019.

Weitere Informationen:

https://www.iao.fraunhofer.de/lang-de/presse-und-medien/aktuelles/2192-digitale-...
http://publica.fraunhofer.de/documents/N-555079.html
https://www.engineering-produktion.iao.fraunhofer.de/

Juliane Segedi | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Berichte zu: Arbeitswirtschaft Assistenzsysteme Augmented Reality IAO

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Dank Hochfrequenz wird Kommunikation ins All möglich
17.10.2019 | Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM

nachricht Besser reagieren auf extreme Wetterereignisse: Forscher entwickeln europäische Frühwarnplattform
17.10.2019 | Universität Paderborn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die schnellste Ameise der Welt - Wüstenflitzer haben kurze Beine, aber eine perfekte Koordination

Silberameisen gelten als schnellste Ameisen der Welt - obwohl ihre Beine verhältnismäßig kurz sind. Daher haben Forschende der Universität Ulm den besonderen Laufstil dieses "Wüstenflitzers" auf einer Ameisen-Rennstrecke ergründet. Veröffentlicht wurde diese Entdeckung jüngst im „Journal of Experimental Biology“.

Sie geht auf Nahrungssuche, wenn andere Siesta halten: Die saharische Silberameise macht vor allem in der Mittagshitze der Sahara und in den Wüsten der...

Im Focus: Fraunhofer FHR zeigt kontaktlose, zerstörungsfreie Qualitätskontrolle von Kunststoffprodukten auf der K 2019

Auf der K 2019, der Weltleitmesse für die Kunststoff- und Kautschukindustrie vom 16.-23. Oktober in Düsseldorf, demonstriert das Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik FHR das breite Anwendungsspektrum des von ihm entwickelten Millimeterwellen-Scanners SAMMI® im Kunststoffbereich. Im Rahmen des Messeauftritts führen die Wissenschaftler die vielseitigen Möglichkeiten der Millimeterwellentechnologie zur kontaktlosen, zerstörungsfreien Prüfung von Kunststoffprodukten vor.

Millimeterwellen sind in der Lage, nicht leitende, sogenannte dielektrische Materialien zu durchdringen. Damit eigen sie sich in besonderem Maße zum Einsatz in...

Im Focus: Solving the mystery of quantum light in thin layers

A very special kind of light is emitted by tungsten diselenide layers. The reason for this has been unclear. Now an explanation has been found at TU Wien (Vienna)

It is an exotic phenomenon that nobody was able to explain for years: when energy is supplied to a thin layer of the material tungsten diselenide, it begins to...

Im Focus: Rätsel gelöst: Das Quantenleuchten dünner Schichten

Eine ganz spezielle Art von Licht wird von Wolfram-Diselenid-Schichten ausgesandt. Warum das so ist, war bisher unklar. An der TU Wien wurde nun eine Erklärung gefunden.

Es ist ein merkwürdiges Phänomen, das jahrelang niemand erklären konnte: Wenn man einer dünnen Schicht des Materials Wolfram-Diselenid Energie zuführt, dann...

Im Focus: Wie sich Reibung bei topologischen Isolatoren kontrollieren lässt

Topologische Isolatoren sind neuartige Materialien, die elektrischen Strom an der Oberfläche leiten, sich im Innern aber wie Isolatoren verhalten. Wie sie auf Reibung reagieren, haben Physiker der Universität Basel und der Technischen Universität Istanbul nun erstmals untersucht. Ihr Experiment zeigt, dass die durch Reibung erzeugt Wärme deutlich geringer ausfällt als in herkömmlichen Materialien. Dafür verantwortlich ist ein neuartiger Quantenmechanismus, berichten die Forscher in der Fachzeitschrift «Nature Materials».

Dank ihren einzigartigen elektrischen Eigenschaften versprechen topologische Isolatoren zahlreiche Neuerungen in der Elektronik- und Computerindustrie, aber...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Wenn der Mensch auf Künstliche Intelligenz trifft

17.10.2019 | Veranstaltungen

Verletzungen des Sprunggelenks immer ärztlich abklären lassen

16.10.2019 | Veranstaltungen

Digitalisierung trifft Energiewende

15.10.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Dehnbare Elektronik: Neues Verfahren vereinfacht Herstellung funktionaler Prototypen

17.10.2019 | Materialwissenschaften

Lumineszierende Gläser als Basis neuer Leuchtstoffe zur Optimierung von LED

17.10.2019 | Physik Astronomie

Dank Hochfrequenz wird Kommunikation ins All möglich

17.10.2019 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics