Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Breitbandversorgung in Deutschland – mehr Bandbreite für alle?

01.10.2008
Das Angebot von preiswerten, breitbandigen Internetzugängen wächst ständig.
Neben der dominierenden DSL-Technik gewinnt das Breitbandkabel mit nochmals effizienterer Modulierung weiter an Bedeutung. Die Breitbandversorgung der großen deutschen Städte stellt wirtschaftlich kein Problem dar. Wie sieht es aber mit der Sicherstellung der Versorgung im ländlichen Raum aus? Fragen wie diese standen im Fokus einer Expertentagung, zu der die Informationstechnische Gesellschaft im VDE (ITG) nach Berlin eingeladen hatte.

Ungeachtet positiver Tendenzen bei der Entwicklung einer flächendeckenden Breitbandversorgung verfügen heute noch über 700.000 Haushalte in Deutschland über keinen und weitere 5 bis 6 Prozent der Haushalte über einen qualitativ unzureichenden Breitbandzugang. Auf dieses Szenario wies Dr.-Ing. Erik Oswald von der Münchner Fraunhofer-Einrichtung für Systeme der Kommunikationstechnik (ESK) hin. Besonders betroffen, so Oswald, seien ländliche Gebiete. Das liege daran, dass die in diesen Regionen für einen Netzbetreiber anfallenden Kosten scheinbar keine vertretbare wirtschaftliche Breitbandlösung zulassen.

Anhand eines konkreten Beispiels aus dem Landkreis Cham im Bayerischen Wald hat das Fraunhofer ESK einen Vorschlag erarbeitet, der sich auch auf andere Gemeinden übertragen lässt. Dieser sieht vor, dass auf der Basis einer wirtschaftlichen und praxisnahen Lösung Kunden mittels DSL angeschlossen werden, wobei der nächstgelegene Funkturm als Standort für eine WiMAX-Basisstation dienen soll. Durch diese Vorgehensweise sei es möglich, dass für die betreffenden Gemeinden Aggregationsnetze in Form von Funklösungen realisiert werden. Die Kosten für diese Lösung könnten Oswald zufolge durch einen Netzbetreiber getragen und durch die monatlichen Gebühren beziehungsweise die einmalige Bereitstellungsgebühr refinanziert werden.

Das Volk begehrt auf

„WiMAX ließe sich schnell aufbauen und man könnte weite Landstrich schnell mit ein bisschen Breitband versorgen“, untermauert Helmut Haag von der Titzer TE Consult derartige Pläne. Die Politik habe erkannt, dass dem ländlichen Raum für den Ausbau von Breitbanddiensten und -netzen Aufmerksamkeit und Förderung zuteil werden müsse. „Das Volk begehrt auf“, sagt er. Daher würden in naher Zukunft zahlreiche Pilotprojekte gestartet, denen der Regelausbau folge.

Breitbanddefizite, so Haag, gebe es auch in den Randzonen von Ballungsgebieten. Auch in diesen Regionen würden vergleichbare Modelle greifen. Der Glasfaserausbau werde ganz von selbst zu Bandbreiten von 100 MBit/s führen. Alle bisherigen Erfahrungen hätten gezeigt, dass die zur Verfügung gestellte Bandbreite genutzt werde. Der nächste Engpass im Übertragungsnetz sei also programmiert. Und wie sieht es mit optischen Netzen in Deutschland im internationalen Vergleich überhaupt aus?

Beim optischen Teilnehmeranschluss ist Deutschland noch Entwicklungsland
„Im internationalen Vergleich ist Deutschland bei der Zahl der optisch angeschlossenen Breitbandteilnehmer weit abgeschlagen“, resümiert Matthias Hedrich von der Echterdinger DIAMOND GmbH. Nahezu alle europäischen Länder im Umfeld hätten eine wesentlich höhere Anschlussdichte. Das derzeitige Szenario sei dadurch gekennzeichnet, dass optische Zugangsnetze in Deutschland derzeit von einigen Netzbetreibern in Versuchsnetzen realisiert würden. Ein Manko sei, dass die Netze und deren Struktur sich in Aufbau und Funktionalität sehr stark unterscheiden würden. Der Grund hierfür liege im Wesentlichen an den unterschiedlichen Wissensständen der einzelnen Planer. Hinzu kämen die unterschiedlichen Infrastrukturen vor Ort. Dies gelte auch für die Verwendung der entsprechenden Aktivgeräte, die das optische Signal verarbeiten, umwandeln und auf verschiedene Dienste verteilen würden.

„Für die Durchsetzung optischer Zugangsnetze ist eine klare Strukturierung und vor allem ein definierter Netzübergang zwischen der Verantwortlichkeit des Netzbetreibers und dem hausinternen Netz – also dem Übergabepunkt – zu realisieren“, fordert Hedrich. Des Weiteren sei es erforderlich, dass die Austauschbarkeit der Endgeräte sowie eine entsprechende Standardisierung gewährleistet sind.

Rolf Froböse | Rolf Froböse
Weitere Informationen:
http://www.vde.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Virtual Reality hilft bei Beurteilung der Mobilität von übermorgen
13.07.2020 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

nachricht Erster Test für neues Roboter-Umweltmonitoring-System der TU Bergakademie Freiberg
10.07.2020 | Technische Universität Bergakademie Freiberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kryoelektronenmikroskopie: Hochauflösende Bilder mit günstiger Technik

Mit einem Standard-Kryoelektronenmikroskop erzielen Biochemiker der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) erstaunlich gute Aufnahmen, die mit denen weit teurerer Geräte mithalten können. Es ist ihnen gelungen, die Struktur eines Eisenspeicherproteins fast bis auf Atomebene aufzuklären. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift "PLOS One" veröffentlicht.

Kryoelektronenmikroskopie hat in den vergangenen Jahren entscheidend an Bedeutung gewonnen, besonders um die Struktur von Proteinen aufzuklären. Die Entwickler...

Im Focus: Electron cryo-microscopy: Using inexpensive technology to produce high-resolution images

Biochemists at Martin Luther University Halle-Wittenberg (MLU) have used a standard electron cryo-microscope to achieve surprisingly good images that are on par with those taken by far more sophisticated equipment. They have succeeded in determining the structure of ferritin almost at the atomic level. Their results were published in the journal "PLOS ONE".

Electron cryo-microscopy has become increasingly important in recent years, especially in shedding light on protein structures. The developers of the new...

Im Focus: Neue Schlankheitstipps für Computerchips

Lange Zeit hat man in der Elektronik etwas Wichtiges vernachlässigt: Wenn man elektronische Bauteile immer kleiner machen will, braucht man dafür auch die passenden Isolator-Materialien.

Immer kleiner und immer kompakter – das ist die Richtung, in die sich Computerchips getrieben von der Industrie entwickeln. Daher gelten sogenannte...

Im Focus: Elektrische Spannung aus Elektronenspin – Batterie der Zukunft?

Forschern der Technischen Universität Ilmenau ist es gelungen, sich den Eigendrehimpuls von Elektronen – den sogenannten Elektronenspin, kurz: Spin – zunutze zu machen, um elektrische Spannung zu erzeugen. Noch sind die gemessenen Spannungen winzig klein, doch hoffen die Wissenschaftler, auf der Basis ihrer Arbeiten hochleistungsfähige Batterien der Zukunft möglich zu machen. Die Forschungsarbeiten des Teams um Prof. Christian Cierpka und Prof. Jörg Schumacher vom Institut für Thermo- und Fluiddynamik wurden soeben im renommierten Journal Physical Review Applied veröffentlicht.

Laptop- und Handyspeicher der neuesten Generation nutzen Erkenntnisse eines der jüngsten Forschungsgebiete der Nanoelektronik: der Spintronik. Die heutige...

Im Focus: Neue Erkenntnisse über Flüssigkeiten, die ohne Widerstand fließen

Verlustfreie Stromleitung bei Raumtemperatur? Ein Material, das diese Eigenschaft aufweist, also bei Raumtemperatur supraleitend ist, könnte die Energieversorgung revolutionieren. Wissenschaftlern vom Exzellenzcluster „CUI: Advanced Imaging of Matter“ an der Universität Hamburg ist es nun erstmals gelungen, starke Hinweise auf Suprafluidität in einer zweidimensionalen Gaswolke zu beobachten. Sie berichten im renommierten Magazin „Science“ über ihre Experimente, in denen zentrale Aspekte der Supraleitung in einem Modellsystem untersucht werden können.

Es gibt Dinge, die eigentlich nicht passieren sollten. So kann z. B. Wasser nicht durch die Glaswand von einem Glas in ein anderes fließen. Erstaunlicherweise...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Intensiv- und Notfallmedizin: „Virtueller DIVI-Kongress ist ein Novum für 6.000 Teilnehmer“

08.07.2020 | Veranstaltungen

Größte nationale Tagung für Nuklearmedizin

07.07.2020 | Veranstaltungen

Corona-Apps gegen COVID-19: Nationalakademie Leopoldina veranstaltet internationales virtuelles Podiumsgespräch

07.07.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Konzept für neue Technik zur Untersuchung superschwerer Elemente vorgestellt

13.07.2020 | Biowissenschaften Chemie

Alternativmethoden für Tierversuche: VISION – Ein mikrofluidisches Chipsystem als Alternative zu Tierversuchen

13.07.2020 | Biowissenschaften Chemie

Neue Molekülbibliothek hilft bei der systematischen Suche nach Wirkstoffen

13.07.2020 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics