Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Digitaler Kochassistent hilft beim perfekten Dinner

29.08.2007
Auch ein unerfahrener Koch kann ohne größere Probleme komplexe Menüs zubereiten - zumindest wenn ihm dabei ein digitaler Assistent zur Seite steht. Das hat Dr. Daniel Pozzi von der Sektion Haushaltstechnik der Universität Bonn in einer umfangreichen Studie gezeigt.

Rund 40 Testköche sollten sich an Gerichten wie Cannelloni oder Lasagne oder gar an einem Vier-Gänge-Menü versuchen. Einige von ihnen durften dabei auf digitale Hilfe zurückgreifen: In Zusammenarbeit mit der Firma Elektrolux hat Pozzi nämlich eine Software entwickelt, die selbst unerfahrenen Testköchen ermöglicht, parallel aus verschiedenen Einzelgerichten ein Menü zuzubereiten.

So läuft man kaum mehr Gefahr, dass man den Gästen erst mit langer Verspätung den Nachtisch serviert - oder den zweiten Gang vor dem ersten.

Gut 40 Testköche haben in den letzten Monaten in der institutseigenen Testküche gezeigt, was sie können. Sie sollten Cannelloni und Lasagne zubereiten; einige von ihnen durften sich später noch an einem Vier-Gänge-Menü versuchen. "Ich habe lediglich die Speisen vorgegeben, die die Versuchspersonen kochen sollten; planen und zubereiten mussten sie das Ganze selbstständig", erläutert Dr. Daniel Pozzi. Eine Teilgruppe musste mit einem handelsüblichen Kochbuch als Hilfestellung Vorlieb nehmen. Andere durften auf die Expertise des "digitalen Assistenten" zurückgreifen - das ist im Prinzip ein kleiner Computer, der sich über einen berührungssensitiven Flachbildschirm bedienen lässt.

Dabei hat Daniel Pozzi seinen Testköchen genau auf die Finger geschaut: Wie oft gucken die Teilnehmer ins Kochbuch? Wie kommen sie mit dem digitalen Assistenten zurecht? Hacken sie die Petersilie, während sie das Wasser für den Reis erhitzen? Oder warten sie neben dem Topf, bis das Wasser kocht? Um Fragen wie diese zu beantworten, hat er die Versuchsküche mit Überwachungselektronik vollgestopft - natürlich mit Wissen der Teilnehmer. "Ich wollte herausfinden, wo genau beim Kochen Probleme auftreten", sagt er. "Denn so kann man am besten sehen, wo das klassische Kochbuch seine Schwächen hat."

Didaktische Schwächen

Ein Ergebnis: Fehler bei der Zubereitung sind häufig Folge einer schlechten Didaktik. Wenn in der Zubereitungsliste von 200 Gramm Zucker die Rede ist und erst im Rezept klar wird, dass 150 Gramm in den Teig gehören und 50 Gramm in die Glasur, vertut sich der Laie schon mal schnell. "Wir haben einen Standard entwickelt, wie man Rezepte in einzelne Schritte unterteilen kann, so dass sie einfach nachzuvollziehen sind", erläutert Pozzi. Bilder erleichtern zudem das Verständnis - am besten zu jedem einzelnen Schritt. Im Kochassistenten könnte man an schwierigen Stellen sogar kurze Filme einstellen.

Vor allem wenn es um die Zubereitung komplexer Menüs ging, konnte der digitale Helfer seine Stärken ausspielen. Die Schwierigkeit dabei liegt gerade für unerfahrene Köche in der Planung: Wann fange ich mit welchem Gang an, wie nutze ich Koch- und Kühlzeiten am besten? Und vor allem: Wie sorge ich dafür, dass alles zur passenden Zeit fertig wird?

Optimierung hat Grenzen

Ziel ist es, Wartezeiten möglichst gut zu nutzen. "Wir haben aber lernen müssen, dass eine zu schnelle Abfolge von Aufgaben den Koch oft überfordert", sagt der Bonner Forscher.

"Mit dem Assistenten können selbst Möchtegernköche umfangreiche Menüs zubereiten", meint Professor Dr. Rainer Stamminger, der die Arbeit betreut hat. Allerdings gibt es auch mit digitaler Hilfe große individuelle Unterschiede in der Kochgeschwindigkeit. Während die Angaben in konventionellen Kochbüchern daher allenfalls als Orientierung dienen können, lässt sich der "Koch-Assi" im Prinzip auf verschiedene Niveaus einstellen: Bei Anfängern kann die Zeitschätzung beispielsweise entsprechend nach oben korrigiert werden. "Für erfahrene Köche wiederum lassen sich die Anweisungen auf das notwendige Maß reduzieren", erläutert Stamminger weiter.

Der neu entwickelte Rezept-Standard erlaubt es zudem im Prinzip, den Assistenten regelmäßig aus dem Internet mit neuen Gerichten zu versorgen. Professor Stamminger: "Damit kommt auch wieder etwas mehr Ordnung in die Küche, wenn endlich die Loseblattsammlungen mit Rezepten verschwinden."

Kontakt:
Professor Dr. Rainer Stamminger
Institut für Landtechnik der Universität Bonn, Sektion Haushaltstechnik
Telefon: 0228/73-5955
E-Mail: stamminger@uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de

Weitere Berichte zu: Assistent Kochassistent Kochbuch Menü Rezept

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht One step ahead: Adaptive Radarsysteme für smarte Fahrerassistenz
20.09.2018 | Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik FHR

nachricht Virtual Reality ohne Kopfschmerz oder Simulationsübelkeit
19.09.2018 | Fraunhofer-Institut für Organische Elektronik, Elektronenstrahl- und Plasmatechnik FEP

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Magnetismus entsteht: Elektronen stärker verbunden als gedacht

Wieso sind manche Metalle magnetisch? Diese einfache Frage ist wissenschaftlich gar nicht so leicht fundiert zu beantworten. Das zeigt eine aktuelle Arbeit von Wissenschaftlern des Forschungszentrums Jülich und der Universität Halle. Den Forschern ist es zum ersten Mal gelungen, in einem magnetischen Material, in diesem Fall Kobalt, die Wechselwirkung zwischen einzelnen Elektronen sichtbar zu machen, die letztlich zur Ausbildung der magnetischen Eigenschaften führt. Damit sind erstmals genaue Einblicke in den elektronischen Ursprung des Magnetismus möglich, die vorher nur auf theoretischem Weg zugänglich waren.

Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher ein spezielles Elektronenmikroskop, das das Forschungszentrum Jülich am Elettra-Speicherring im italienischen Triest...

Im Focus: Erstmals gemessen: Wie lange dauert ein Quantensprung?

Mit Hilfe ausgeklügelter Experimente und Berechnungen der TU Wien ist es erstmals gelungen, die Dauer des berühmten photoelektrischen Effekts zu messen.

Es war eines der entscheidenden Experimente für die Quantenphysik: Wenn Licht auf bestimmte Materialien fällt, werden Elektronen aus der Oberfläche...

Im Focus: Scientists present new observations to understand the phase transition in quantum chromodynamics

The building blocks of matter in our universe were formed in the first 10 microseconds of its existence, according to the currently accepted scientific picture. After the Big Bang about 13.7 billion years ago, matter consisted mainly of quarks and gluons, two types of elementary particles whose interactions are governed by quantum chromodynamics (QCD), the theory of strong interaction. In the early universe, these particles moved (nearly) freely in a quark-gluon plasma.

This is a joint press release of University Muenster and Heidelberg as well as the GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt.

Then, in a phase transition, they combined and formed hadrons, among them the building blocks of atomic nuclei, protons and neutrons. In the current issue of...

Im Focus: Der Truck der Zukunft

Lastkraftwagen (Lkw) sind für den Gütertransport auch in den kommenden Jahrzehnten unverzichtbar. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität München (TUM) und ihre Partner haben ein Konzept für den Truck der Zukunft erarbeitet. Dazu zählen die europaweite Zulassung für Lang-Lkw, der Diesel-Hybrid-Antrieb und eine multifunktionale Fahrerkabine.

Laut der Prognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird der Lkw-Güterverkehr bis 2030 im Vergleich zu 2010 um 39 Prozent steigen....

Im Focus: Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

Feuert man Lichtpulse aus einer extrem starken Laseranlage auf Materialproben, reißt das elektrische Feld des Lichts die Elektronen von den Atomkernen ab. Für Sekundenbruchteile entsteht ein Plasma. Dabei koppeln die Elektronen mit dem Laserlicht und erreichen beinahe Lichtgeschwindigkeit. Beim Herausfliegen aus der Materialprobe ziehen sie die Atomrümpfe (Ionen) hinter sich her. Um diesen komplexen Beschleunigungsprozess experimentell untersuchen zu können, haben Forscher aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) eine neuartige Diagnostik für innovative laserbasierte Teilchenbeschleuniger entwickelt. Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review X“.

„Unser Ziel ist ein ultrakompakter Beschleuniger für die Ionentherapie, also die Krebsbestrahlung mit geladenen Teilchen“, so der Physiker Dr. Thomas Kluge vom...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungen

Forum Additive Fertigung: So gelingt der Einstieg in den 3D-Druck

21.09.2018 | Veranstaltungen

12. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

20.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Ein neues Mittel gegen Zöliakie

24.09.2018 | Biowissenschaften Chemie

Entscheidung über Attraktivität fällt in Millisekunden

24.09.2018 | Studien Analysen

Künstliche Intelligenz im Fokus – Schulungsangebot zum maschinellen Lernen für Industrie und Forschung startet

24.09.2018 | Seminare Workshops

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics