Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Internet-Suchmaschine, die ständig hinzulernt

03.08.2006
Forscher der TU Berlin entwickeln lernfähige Suchmaschine, die das globale Wissen beobachtet und gezielt Inhalte herausfiltert

Schluss mit endlosen Suchlisten und zigtausend Links: Die Forscher des DAI-Labors der TU Berlin entwickeln derzeit eine intelligente Suchmaschine, um das weltweite Wissen im Netz der Netze gezielt nach bestimmten Inhalten zu durchforsten. Die Software besteht aus virtuellen Agenten, "die ständig im Hintergrund agieren und dem Computer melden, wenn sie fündig geworden sind", sagt Sahin Albayrak, Informatikprofessor und Leiter des Labors für Verteilte Künstliche Intelligenz (DAI) der Universität. "Anders als beispielsweise bei Google müssen Sie nicht extra ein Programm starten und Suchworte eingeben. Die Wissensagenten werden einmal eingestellt, dann schwimmen sie durch den Datenstrom. Sie sind lernfähig und passen sich den Vorlieben der Nutzer an." Darüber hinaus knüpfen sie Kontakte zu Internetnutzern mit ähnlichen Interessen, so entsteht eine Community. Sahin Albayrak präzisiert: "Wir werden die Agenten so programmieren, dass sie auch einen Newsletter zusammen stellen können oder sich mit aktuellen Informationen melden, sobald der Computer des Nutzers hoch gefahren wird."

Am DAI-Labor der TU Berlin wurden solche Agenten schon vor Jahren entwickelt und seitdem für verschiedene Aufgaben "fit" gemacht. Jetzt bringen die selbstständig agierenden Softwaremodule mehr Licht in den Dschungel des Wissens, der im Internet wuchert. "Sie werden sogar in der Lage sein, die Qualität und den Nutzen einer Information zu bewerten", nennt Albayrak weitere Eigenschaften. "Auch fragen die Agenten das Internet kontinuierlich ab, um immer die aktuellsten News zu bekommen."

Die Suchmaschine arbeitet multimodal. Sie wird gezielt nach wissenschaftlichen Texten, aber auch multimedialen Inhalten aus renommierten Quellen wie der ACM Digital Library und IEEExplore suchen. Sowohl die allgemeine Suche als auch die spezifischen Suchwünsche der Benutzer sind anonymisierbar, um unter Wahrung der Privatsphäre Ähnlichkeiten zwischen Wissenschaftlern und damit potenzielle Gemeinschaften zu identifizieren. Im Laufe der Zeit entsteht so eine Community, die mit Hilfe der Agenten in Kontakt treten, Gedanken und Erfahrungen austauschen kann. Darüber hinaus erlaubt die Suchmaschine dem Benutzer, lokal gespeicherte Literatur zu indizieren und - unter Berücksichtigung der Sicherheitsaspekte - ebenfalls zu durchsuchen.

Das DAI-Labor gehört zum Lehrstuhl für "Agententechnologien in betrieblichen Anwendungen und der Telekommunikation", den Professor Sahin Albayrak innehat. Die Forschungen konzentrieren sich auf die Agententechnologie und ihren Einsatz beispielsweise in so genannten allgegenwärtigen Netzwerken, in der Anwendungssicherheit, bei intelligenten Suchmaschinen sowie personalisierten Diensten und kognitiven Architekturen.

Am Projekt sind neben dem DAI-Labor auch mehrere Lehrstühle der TU Berlin beteiligt. Dazu gehören die Wissenschaftler um den Nachrichtenspezialisten Prof. Dr. Thomas Sikora. Sein Fachgebiet befasst sich mit der digitalen Signalverarbeitung für Multimedia. Schwerpunkte sind insbesondere die Analyse, Beschreibung, Segmentierung, Klassifikation sowie die Codierung von Sprach-, Audio- und Videodaten. Derzeit forschen die Wissen-schaftler des Fachgebiets zum dreidimensionalen Fernsehen (3D-TV) und zur Standardisierung der verlustlosen MPEG-4 Audiocodierung.

Des Weiteren arbeiten Spezialisten aus dem Bereich Neuroinformatik an diesem Projekt mit. Die Arbeitsgruppe wird von Prof. Dr. Klaus Obermayer geleitet und beschäftigt sich mit lernfähigen, adaptiven Systemen, insbesondere mit neuen Verfahren der Mustererkennung, mit den mathematisch-theoretischen Grundlagen von biologischen Lern- und Adaptationsprozessen und mit der Entwicklung besonders effizienter Verfahren des maschinellen Lernens.

Eine Besonderheit an diesem Projekt ist die Tatsache, dass ein techniksoziologisches Team an der Entwicklung des technischen Systems und der Evaluation der Akzeptanz und des Nutzungsverhaltens beteiligt ist. Werner Rammert, Professor für Techniksoziologie, und Martin Meister vom Zentrum Technik und Gesellschaft bringen Methodiken und ihre Erfahrungen aus dem langjährigen DFG-Forschungsschwerpunkt Sozionik ein, in dem verschiedene Formen der Interaktion zwischen Software-Agenten und menschlichen Akteuren untersucht wurden.

Nähere Informationen erteilt Ihnen gern: Prof. Dr.-Ing. Sahin Albayrak, DAI-Labor, TU Berlin, Franklinstraße 28/29, 10587 Berlin, Telefon: 030/314-24943, Fax: 030/314-21799, E-Mail: Sahin.Albayrak@dai-labor.de, Internet: http://dai-labor.de

Ramona Ehret | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-berlin.de/
http://www.tu-berlin.de/presse/pi/2006/pi187.htm
http://dai-labor.de

Weitere Berichte zu: Agent DAI-Labor Internet-Suchmaschine Suchmaschine

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne
20.07.2018 | Universität Rostock

nachricht Maschinelles Lernen: Neue Methode ermöglicht genaue Extrapolation
13.07.2018 | Institute of Science and Technology Austria

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics