Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Schlüsseltechnologie soll Programme besser machen

07.03.2006


Das Betriebssystem Windows XP besteht aus rund 30 Millionen Zeilen Programmcode. Eine derart komplexe Software stellt einen ungeheuren Aufwand an Entwicklung und Wartung. Um ihn zu reduzieren, versuchen Entwickler, Programme in möglichst kleine Module zu unterteilen, die dann jedes für sich entworfen und getestet werden. Nicht immer ist das jedoch möglich. Abhilfe verspricht eine Technologie, die inzwischen nicht nur von der Firma IBM als "überlebenswichtig" eingestuft wird: Die "aspektorientierte Softwareentwicklung", abgekürzt AOSD. Auf einer internationalen Konferenz im Hauptgebäude der Universität Bonn dreht sich vom 20. bis 24. März alles um dieses zukunftsweisende Thema. Die Organisatoren erwarten dazu rund 250 Teilnehmer aus 25 Ländern.



In der Software-Branche wird AOSD momentan hoch gehandelt: Das renommierte Massachusetts Institute of Technology (MIT) zählt Aspektorientierung gar zu den zehn wichtigsten Zukunftstechnologien. Sie verspricht nämlich die Lösung auf ein Problem, das gerade durch die explodierende Komplexität der Software zunehmend an Bedeutung gewinnt. Das Beispiel "Protokollierung" kann das verdeutlichen: Wenn ein Computer eine Banktransaktion vornimmt, ist es üblich, dass er sie Schritt für Schritt protokolliert und am Ende noch festhält, ob alles geklappt hat. Dazu ruft der Programmierer an bestimmten Schlüsselstellen Protokollierungs-Routinen auf. In jeder Banksoftware stehen verstreut über den Programmcode an vielen tausend Stellen derartige Protokoll-Befehle. "Damit entstehen zwei Probleme", sagt der Bonner Informatiker Daniel Speicher, der die AOSD.06-Konferenz mit organisiert: "Einerseits erschweren die eingestreuten Protokoll-Befehle das Verständnis des eigentlichen Programmtextes. Andererseits erfordert ihre Implementierung und Wartung umfangreiche Änderungen im Programm. Entsprechend hoch ist neben den Kosten das Risiko für Fehler."



AOSD kann diese Nachteile umschiffen. Im vorgenannten Beispiel würde der Entwickler in seine Banksoftware gar keine Protokoll-Befehle einbauen. Erst bei der Übersetzung des fertigen Programms in Computercode würden dann an den Schlüsselstellen automatisch die nötigen Protokollroutinen "hineingewebt", ohne dass dadurch der ursprüngliche Programmtext "verhunzt" würde. Zugleich ist das Konzept so viel flexibler: So möchten Entwickler in der Testphase einer neuen Software oft zusätzliche Protokollschritte einführen, um damit besser überprüfen zu können, ob sich ihre Software auch korrekt verhält. Mit AOSD könnten sie in diesem Fall einfach festlegen, an welchen Stellen der zusätzliche Protokollcode für die Dauer der Tests eingewebt werden soll. Einige Anwendungen werden heute bereits mit derartigen Techniken implementiert.

Die AOSD.06-Konferenz wird vom Institut für Informatik III (Professor Dr. A. B. Cremers) an der Universität Bonn ausgerichtet. Die Leitung des Organisationskomitees liegt bei Dr. Günter Kniesel, der auch für die Arbeitsgruppe Softwaretechnologie des Instituts zuständig ist. Auf der Tagung diskutieren mehr als 250 internationale Experten nicht nur über die Chancen des neuen Trends, sondern auch über noch ungeklärte Fragen, die sich durch den Einsatz von AOSD-Strategien ergeben. Das Hauptprogramm startet am 22. März mit einer Keynote von Carliss Baldwin, Professorin der berühmten Harvard Business School, zur Auswirkung von IT-Architektur und -Design in der Kostenstruktur von Unternehmen.

Kontakt:
Dr. Günter Kniesel
Institut für Informatik III der Universität Bonn
Telefon: 0228/73-4511
E-Mail: gk@iai.uni-bonn.de

oder Tobias Rho
Telefon: 0228/73-4506
E-Mail: rho@iai.uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de/

Weitere Berichte zu: AOSD Banksoftware Entwickler Protokoll-Befehl

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Alltagsgegenstände als Datenspeicher
10.12.2019 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Industrie im Wandel
09.12.2019 | OPTIMUM datamanagement solutions GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Graphen-Nanostrukturen magnetisch werden

Graphen, eine zweidimensionale Struktur aus Kohlenstoff, ist ein Material mit hervorragenden mechanischen, elektronischen und optischen Eigenschaften. Doch für magnetische Anwendungen schien es bislang nicht nutzbar. Forschern der Empa ist es gemeinsam mit internationalen Partnern nun gelungen, ein in den 1970er Jahren vorhergesagtes Molekül zu synthetisieren, welches beweist, dass Graphen-Nanostrukturen in ganz bestimmten Formen magnetische Eigenschaften aufweisen, die künftige spintronische Anwendungen erlauben könnten. Die Ergebnisse sind eben im renommierten Fachmagazin Nature Nanotechnology erschienen.

Graphen-Nanostrukturen (auch Nanographene genannt) können, je nach Form und Ausrichtung der Ränder, ganz unterschiedliche Eigenschaften besitzen - zum Beispiel...

Im Focus: How to induce magnetism in graphene

Graphene, a two-dimensional structure made of carbon, is a material with excellent mechanical, electronic and optical properties. However, it did not seem suitable for magnetic applications. Together with international partners, Empa researchers have now succeeded in synthesizing a unique nanographene predicted in the 1970s, which conclusively demonstrates that carbon in very specific forms has magnetic properties that could permit future spintronic applications. The results have just been published in the renowned journal Nature Nanotechnology.

Depending on the shape and orientation of their edges, graphene nanostructures (also known as nanographenes) can have very different properties – for example,...

Im Focus: Geminiden - Die Wünsch-dir-was-Sternschnuppen vor Weihnachten

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde (VdS) und des Hauses der Astronomie in Heidelberg - Die Geminiden, die Mitte Dezember zu sehen sind, sind der "zuverlässigste" der großen Sternschnuppen-Ströme mit bis zu 120 Sternschnuppen pro Stunde. Leider stört in diesem Jahr der Mond zur besten Beobachtungszeit.

Sie wurden nach dem Sternbild Zwillinge benannt: Die „Geminiden“ sorgen Mitte Dezember immer für ein schönes Sternschnuppenschauspiel. In diesem Jahr sind die...

Im Focus: Electronic map reveals 'rules of the road' in superconductor

Band structure map exposes iron selenide's enigmatic electronic signature

Using a clever technique that causes unruly crystals of iron selenide to snap into alignment, Rice University physicists have drawn a detailed map that reveals...

Im Focus: Das 136 Millionen Atom-Modell: Wissenschaftler simulieren Photosynthese

Die Umwandlung von Sonnenlicht in chemische Energie ist für das Leben unerlässlich. In einer der größten Simulationen eines Biosystems weltweit haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diesen komplexen Prozess an einem Bestandteil eines Bakteriums nachgeahmt – am Computer, Atom um Atom. Die Arbeit, die jetzt in der renommierten Fachzeitschrift „Cell“ veröffentlicht wurde, ist ein wichtiger Schritt zum besseren Verständnis der Photosynthese in einigen biologischen Strukturen. An der internationalen Forschungskooperation unter Leitung der University of Illinois war auch ein Team der Jacobs University Bremen beteiligt.

Das Projekt geht zurück auf eine Initiative des inzwischen verstorbenen, deutsch-US-amerikanischen Physikprofessors Klaus Schulten von der University of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

QURATOR 2020 – weltweit erste Konferenz für Kuratierungstechnologien

04.12.2019 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Arbeit

03.12.2019 | Veranstaltungen

Intelligente Transportbehälter als Basis für neue Services der Intralogistik

03.12.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Was Vogelgrippe in menschlichen Zellen behindert

10.12.2019 | Biowissenschaften Chemie

Schäden im Leichtbau erkennen durch Ultraschallsensoren

10.12.2019 | Materialwissenschaften

Forscher untersuchen Rolle der Zellmembran bei der Entstehung chronischer Krankheiten

10.12.2019 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics