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Digitale Technik für das Kino der Zukunft

23.08.2005


Der tragbare Fieldrecorder Megacine soll Profifilmern künftig die Arbeit erleichtern: Er ist handlich, speichert verschiedene Bildformate von Digital Cinema bis Standard Video und zeichnet je nach Auflösung ein bis acht Stunden auf. Regisseur und Kameramann können die Szenen direkt am Set sichten.



Digitales Kino ist auf dem Vormarsch - dem althergebrachten Filmstreifen droht das Aus. Doch das digitale Drehen für den professionellen Bereich ist an mancher Stelle immer noch umständlich: So können sich die Filmemacher - anders als Hobbyfilmer - die aufgenommenen Bilder nicht an Ort und Stelle auf einem Kameradisplay ansehen.

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Ein Problem ist der Speicher. Bisher gab es nur zwei Varianten: Entweder werden die Daten auf einem 19-Zoll-Server gespeichert oder die Daten werden auf einem Gerät mit Flash-Speicher abgelegt. Die handlichere Flash-Lösung erlaubt nur eine Aufzeichnungsdauer von ungefähr zehn Minuten. Was beiden Lösungen jedoch fehlt, ist die direkte Vorschaumöglichkeit des gedrehten Materials noch vor Ort am Set.

Das könnte sich jedoch zukünftig ändern: In der Fraunhofer-Allianz Digital Cinema haben Forscher vom Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS in Erlangen einen Field Recorder entwickelt, der ein handliches Format mit der Speichermöglichkeit verschiedener Bildformate wie Digital Cinema, High-Definition und Standard Video vereint. Gleichzeitig fungiert er als Wiedergabegerät für eine erste Vorschau und Kontrolle vor Ort. "Obwohl Megacine nicht größer ist als ein etwas dickerer Aktenkoffer und etwa 5 Kilo schwer, hat es eine Speicherkapazität von einem Terabyte", schwärmt Siegfried Foessel, Projektleiter Digital Cinema am IIS. "Das entspricht etwa ein bis acht Stunden Aufnahmezeit bei unkomprimierten Bilddaten." Zudem zeichnet es erstmalig mit einer Auflösung für Digital Cinema von 2048 x 1080 Pixeln auf - bisherige Recorder bringen es auf maximal 1920 x 1080 Pixel. Weitere Bildformate wie HDTV (High-Definition) und SDTV (Standard Definition) können ebenso abgelegt werden. Die Abspeicherung von Einzelbildern erlaubt eine bildgenaue Nachbearbeitung - ein wichtiges Feature für Postproduktion und Schnitt. "Das integrierte Display mit 640 x 480 Pixeln erlaubt eine Voransicht der aufgezeichneten Szenen direkt am Drehort", erläutert Foessel, "und zeigt zusätzlich Informationen an, wie etwa den Namen des ausgewählten Files, die verbleibende Aufnahmezeit und die Anzahl der aufgenommenen Bilder." Die lästige und zeitintensive Schlepperei des Speichers zum Computer während der Aufnahmen soll damit bald der Vergangenheit angehören, hofft der Forscher.

Der Prototyp von Megacine ist auf der Messe International Broadcast Convention IBC (9. bis 13. September in Amsterdam) zu sehen. In den kommenden Monaten soll sich zu diesem ersten recht kostengünstigen Prototypen auf Basis von Festplatten auch eine Megacine-Variante mit robustem Flash-Speicher gesellen. "Anfang kommenden Jahres müsste Megacine auf dem Markt erhältlich sein", hofft Foessel.

Megacine ist nur eines der Projekte, die die Fraunhofer-Allianz Digital Cinema auf der IBC in Hallle, Stand 221 vorstellt. Auf dem 100 Quadratmeter großen Gemeinschaftsstand der Allianz, an dem sich das Fraunhofer IIS, Heinrich-Hertz-Institut HHI und Fraunhofer FIRST beteiligen, können sich Besucher unter anderem über das EU-Projekt WORLDSCREEN informieren. Gemeinsam mit Unternehmen wie Kodak, T-Systems und Warner Bros. entwickeln die Fraunhofer-Forscher skalierbare Datenformate für das Digitale Kino. Auf dieser Basis erarbeiten sie Schnittstellen und Systeme, die einen reibungslosen digitalen Arbeitsablauf für die verschiedenen Bereiche in der digitalen Produktion ermöglichen. "Ein sinnvoller und durchgängiger Workflow für das Digitale Kino und die hierzu notwendigen Systeme fehlen bisher noch an allen Ecken und Enden", sagt Foessel.

Dr. Johannes Ehrlenspiel | idw
Weitere Informationen:
http://www.dcinema.fraunhofer.de

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