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Uni Essen beteiligt an prestigeträchtigem Technologieprojekt mit enormer Relevanz für Europa

07.03.2001


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Im Fernsehen läuft das Endspiel der Fußballweltmeisterschaft 2006 mit deutscher Beteiligung, und man muss dringende Dinge in der Küche erledigen. Diese unangenehme Situation wird bald Vergangenheit sein, denn
zur Zeit arbeitet Professor Dr.-Ing. Han Vinck vom Institut für Experimentelle Mathematik an der Universität Essen gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut und den Unternehmen Sony, Grundig, T-Nova und Thomson an dem Projekt "Bravissimo". Es wird umwälzende Neuerungen in der Medienwelt ermöglichen und erhält über die Laufzeit von drei Jahren vom Bundesministerium für Bildung und Forschung eine Förderung von 6,75 Mio. EURO. Ziel ist die Realisierung eines audiovisuellen Dienstangebotes, das mit Hilfe der Nutzung hochgratiger multimedialer Netzwerke an verschiedenen Orten verfügbar sein wird.

Unserem Fußballfan kann zukünftig also geholfen werden: Über eine Ortserkennung des Betrachters wandert das Fernsehbild mit, das Spiel läuft jeweils auf dem Monitor in Bad oder Küche. Auf Wunsch kann man sich auch interaktiv vom Bildschirm aus eine individuelle Wiederholung in Zeitlupe ansehen. Das "Bild an der Wand" kann gleichzeitig Fernseher aber auch elektronische Dia-Leinwand oder Live-Monitor aus dem Baby-Schlafzimmer sein ("Video-on-demand"). Das Ziel der Forschungen lässt sich durch weitere visionäre Beispiele verdeutlichen: Es soll möglich werden, aktuelle Video- oder Audioinformationen von einem entfernten Server aus an öffentliche Plätze oder auch an Einzelpersonen, z. B. während einer Zugfahrt an den Reisenden, zu übertragen ("Personal Video Service"). Eine "Event-Cam", eine Kamera vor Ort des Geschehens, mit ihrer individuellen Berichterstattung oder Einspeisung von einem entfernten Punkt in das Netzwerk könnte das Angebot ergänzen.

Die von vielen Konsumenten gewünschte Kombinierungsmöglichkeit ihrer eigenen Audio- und Videokassetten, Dias und Fotos mit den Rundfunk-, Entertainment- und Internetwelten rückt durch die Forschungen von "Bravissimo" in greifbare Nähe. Bisher scheiterte die Verwirklichung an technischen Hindernissen, denn auf der einen Seite existieren die Streaming-Technologien für das Internet mit ihren "ruckelig" bewegten Bildern, weit entfernt von Fernseh-Qualität. Auf der anderen Seite gibt es für Audio- und Videoinformationen zahlreiche analoge oder digitale Verteilmedien in Form von terristischem, kabel- und satelliten-gestütztem Fernsehen mit Decoder-Set-Top-Boxen. Zu Hause beispielsweise erfolgt die Vernetzung von Videorecorder und TV über analoge Verbindungen, die Videokameras dagegen nehmen digital auf. Für das gesamte zu entwickelnde Multimedianetzwerk ist keine weitere Verkabelung nötig, da die Kommunikation über das Stromnetz erfolgen wird, kombiniert mit der drahtlosen Verständigung.

Teilaspekte dieser Vernetzung wurden bereits in anderen Projekten behandelt. Viele grundlegende Fragen jedoch, die einen kompletten Dienst vom Anbieter bis zum Kunden ermöglichen und zudem Lösungen für die Einbindung leicht bedienbarer und sich selbstständig konfigurierender Geräte in ein heterogenes Netzwerk anbieten, sind noch offen. "Ad-hoc-networking"-Mechanismen sollen beispielsweise das spontane Einbringen neuer Geräte in das Netzwerk ohne komplizierte Administration möglich machen. Wichtig für den Kunden soll die Einfachheit sein, mit der sich die Geräte technisch vereinen und neue Dienste zugänglich werden. Es entsteht eine Multimediaversorgung mit gewohntem Zugang, bei der das frühere Küchenradio durch ein mobiles Multimedia-Terminal mit Zugang zu Fernsehen, Hörfunk, Videos oder Bildern ersetzt wird. Derartige Forschungen haben drastische Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie. Ihre Vormachtstellung auf dem Gebiet der niederratigen Kommunikationsdienste (GSM, UMTS) kann sie durch eine Vormachtstellung beispielsweise auf dem Gebiet der Ad-hoc-Netze für Videodaten mit hoher Qualität vervollständigen. Damit schafft sie die Grundlage für viele Arbeitsplätze in den jeweiligen Ländern. Der Standort Deutschland wird gestärkt, die deutsche Forschung und Entwicklung steht dabei mit an der Spitze Europas.

Redaktion: Maren Beuscher, Telefon (02 01) 1 83 - 45 18
Weitere Informationen: Professor Dr.-Ing. Han Vinck, Telefon (02 01) 32 064-76 50

 Monika Roegge | idw

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