Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forscher tricksen Fälscher aus - Fälschungssichere Signatur für Kreditkarten

30.06.2000


Alt und neu: Im Vordergrund der neue

Magnetstreifen aus Jülich - ein fälschungssicheres Multi-Bit-System.

Es kann mit herkömmlicher Magnetlesetechnik entziffert und auf

Echtheit geprüft werden. Foto: Forschungszentrum

Jülich


Physiker des Forschungszentrums Jülich haben ein neues Echtheitsmerkmal erfunden, das EC- und Kreditkarten in Zukunft vor Fälschung schützen kann. Das System, das sich auch für Geldscheine eignet,
basiert auf der ausgeklügelten Kombination hauchdünner Metallschichten. In diese Schichten wird im Zuge der Herstellung ein digitaler Code eingebracht, der danach nicht mehr geändert werden kann. Er lässt sich mit herkömmlicher Magnetlesetechnik entziffern und auf Echtheit prüfen. Damit ist das Jülicher Multi-Bit-System eine absolute Neuheit auf dem Markt der digitalen Echtheitsmerkmale.

Jedes Jahr verlieren Kreditinstitute viel Geld an Fälscher von Kreditkarten  wie viel genau, ist nicht bekannt. Inoffizielle Schätzungen belaufen sich auf mehrere Milliarden Dollar. Das ist möglich, weil Kreditkarten durch Hologramme, Fotos und Kartennummer nur unzureichend gesichert sind. Für Sicherheitsprobleme dieser Art gibt es bisher kein Patentrezept. "Dabei ist der Handlungsbedarf groß", sagt Professor Wolfgang Eberhardt, Direktor am Jülicher Institut für Festkörperforschung. Er und sein Assistent Jan Morenzin haben nun eine Entdeckung gemacht, die Fälschern in Zukunft das Handwerk legen kann.

"Die Information auf herkömmlichen Magnetstreifen kann relativ leicht verändert werden", sagt Jan Morenzin. Mit diesen Worten zieht er die "abgelaufene" EC-Karte eines Kollegen durch ein handelsübliches Lesegerät für Magnetkarten. Auf seinem Computer-Bildschirm erscheinen drei braune Balken mit Zahlencodes. Sie enthalten Bankleitzahl, Kontonummer und andere Kontoinformationen. Ohne große Schwierigkeiten lassen sich diese Daten abgreifen und manipulieren. Manche Kreditkarten-Betrüger kopieren die illegal erworbenen Daten einer Karte einfach auf andere Karten und verschaffen sich so Zugriff auf fremde Konten.
Bei dem fälschungssicheren Magnetstreifen aus Jülich wird die zu speichernde Information schon während des Herstellungsprozesses eingebracht. Und das geht so: Der neue Streifen besteht aus vielen dünnen Schichten eines ganz bestimmten Metalls. In einer der mittleren Schichten werden dann räumlich unterscheidbare Bereiche mit unterschiedlicher Magnetisierungsrichtung erzeugt. Je nachdem, ob der magnetisierte Bereich "auf" oder "ab" orientiert ist, enthält er die digitale Information "1" oder "0". Weil auf dem neuen Magnetstreifen Platz für sehr viele Einsen und Nullen (Bits) ist, sprechen Experten von einem Multi-Bit-System.

"Ein Multi-Bit-System eröffnet qualitativ völlig neue Sicherheitsperspektiven", erläutert Morenzin die Erfindung, die bereits zum Patent angemeldet ist. Bisher wird bei vielen Echtheitsmerkmalen nur mit einem oder wenigen Ein-Bit-Systemen gearbeitet, wie zum Beispiel dem Hologramm oder dem Foto auf Kreditkarten. Die Hologramme heutiger Kreditkarten enthalten keine Information über den Karteninhaber. Die Geldautomaten prüfen lediglich: Hologramm vorhanden oder nicht? Und das Foto, das die Karte an eine Person binden soll, kann von Fälschern ersetzt werden. "Sicherer und einfacher wäre es, viele verschiedene Sicherheitsmerkmale, auch personengebundene, auf einem einzigen fälschungssicheren Streifen zu speichern, und genau das leistet das neue System", sagt Morenzin.

Sollte etwa jemand versuchen, den Magnetstreifen von einer Kreditkarte abzulösen, beschädigt er zwangsläufig die hauchdünnen Metallschichten und damit das magnetische Muster. Außerdem ist der Jülicher Magnetstreifen  im Gegensatz zu den jetzigen Geldkarten  unempfindlich gegen äußere magnetische Felder: Morenzin holt einen kleinen Magneten aus seiner Schreibtisch-Schublade und führt ihn über den Magnetstreifen der EC-Karte seines Kollegen und über die "Demo-Karte" mit dem neuen Streifen. Ein Check mit dem Ablesegerät zeigt: die Daten auf der EC-Karte sind gelöscht, die auf der Demo-Karte sind nach wie vor lesbar. "Die neue Technik funktioniert, das steht fest", urteilt Professor Eberhardt. "Jetzt sind wir dabei, einen billigen Herstellungsprozess für die Magnetstreifen zu entwickeln." Denn mit dem Preis steht und fällt die Einführung auf dem Markt. Einen Preisvorteil hat die Methode bereits: Der High-Tech-Streifen aus Jülich kann mit herkömmlichen Geräten ausgelesen und auf Echtheit geprüft werden.
-tgt-

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Peter Schaefer |

Weitere Berichte zu: EC-Karte Fälscher Kreditkarte Magnetstreifen Multi-Bit-System Schicht

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht IT-Sicherheit beim autonomen Fahren
22.06.2018 | Fachhochschule St. Pölten

nachricht Schneller und sicherer Fliegen
21.06.2018 | Fachhochschule St. Pölten

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics