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Mit persönlichem Geleit über die BUGA

22.04.2005



Augen auf, Ohren auf, loslaufen und die Attraktionen der diesjährigen Bundesgartenschau in München genießen. Der BUGA-butler, ein elektronischer Dienst, informiert die Besucher in deutsch und englisch über sämtliche Highlights. An der Konzeption und Realisierung beteiligt ist das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML, Projektzentrum Prien. Gemeinsam mit der proTime GmbH für Informationslogistik wurde der Informationsdienst entwickelt. Am 28. April zum Start der BUGA ist Premiere.


Etwa 4 Millionen Besucher erwartet die BUGA in München. Jung und Alt sollen angesprochen werden, Perspektivenwechsel heißt das Motto. Neue Perspektiven für den Besuch einer Großveranstaltung unter freiem Himmel bietet der BUGAbutler: Erstmals wird Satellitennavigation für den Veranstaltungs- und Touristikbereich eingesetzt. "Der Besucher kann das kleine, leichte Gerät einfach umhängen", erklärt Wolfgang Inninger vom Projektzentrum Prien. "Dann ist es kinderleicht zu bedienen. Über die sechs großen Felder auf dem Display oder die drei Tasten am unteren Teil des Geräts". Zur Auswahl stehen eine automatische Führung über die BUGA, gezielte Touren oder ein manueller Abruf der Informationen.

Wer staunend über das Gelände laufen möchte, ohne eine Attraktion oder Veranstaltung zu verpassen, der wählt den Automatikmodus. Per GPS erkennt das System den Standort des Besuchers. Nähert er sich einem interessanten Punkt zum Beispiel dem Zellengarten oder der Blumenhalle, beginnt der BUGAbutler zu erzählen, erklärt die Highlights und deren Hintergründe. Der persönliche Helfer hat auch Kalender und Uhr im Blick: Sollte auf dem Gelände in Kürze eine Veranstaltung beginnen, informiert er den Besucher. So erhält der Besucher die richtige Information, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort. Das ist angewandte Informationslogistik. "Wir haben drei unterschiedliche Informationstiefen realisiert", so Inninger. "Ebene 1 und 2 laufen automatisch ab. Will der Besucher noch weitergehende Informationen, kann er sie über eine Taste abrufen. Zusätzlich zur Sprache werden alle Informationen auch bildlich über das Display dargestellt, eben eine multimediale Führung."

Erklärtes Ziel bei der Entwicklung dieses Besucher Leit- und Informationssystems BLIS war eine ausfallsichere, bedienerfreundliche Technik. Auch Personen ohne große PC oder PDA Erfahrung sollten das Gerät nutzen können. Dabei half die Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund: Die kombinierte Sprach- und Tastenführung macht das Bedienen einfach und ist auch von sehbehinderten Besuchern nutzbar. Ein weiterer Anspruch war die Robustheit. Das System muss über fünf Monate durchgängig laufen und den Ansprüchen von Jugendlichen und Senioren gerecht werden. Damit die Kosten-Nutzen-Relation stimmte, wurden nur so viele Funktionen eingebunden, wie für einen Besucher tatsächlich nützlich und dabei wirtschaftlich umsetzbar sind.

Basis für das Gerät ist ein PDA, der Yakumo Delta GPS 300. Innen- und Außenleben wurden jedoch deutlich verändert. Zwei zusätzliche Akkus zum Beispiel sorgen unter der schwarzen Schutzhülle für eine Laufzeit von 8 bis 10 Stunden - bei aktivem GPS, Audiowiedergabe und Hintergrundbeleuchtung. Der integrierte Lautsprecher ermöglicht es, die Infos auch zu zweit anzuhören. Wer alleine schlendert, stöpselt einfach den Kopfhörer an. Im Innern steckt ein angepasstes Betriebssystem, das Fehlbedienung verhindert. Eine zu hinterlegende Sicherheit, etwa die Einbuchung von der Kredit- oder Bankkarte, gewährleistet, dass der Verleih zuverlässig funktioniert.

"Die einzelnen Techniken, die wir einsetzen, sind bekannt und erprobt", sagt Wolfgang Inninger vom IML, zustädnig für Logistik und Projektleitung. "Unsere Innovation liegt darin, sie zu einer neuen Anwendung zu verknüpfen. Das gelang Dank des interdisziplinären Teams mit proTime und IPD in kurzer Zeit." Die proTime GmbH für Informationslogistik hat mehr als zehn Jahre Erfahrung bei der Entwicklung von Navigationssystemen. Das half, um die Hard- und Software zügig anzupassen. Beispielsweise wurden die Inhalte eingebunden und das Betriebssystem Windows Mobile für den Einsatz auf der BUGA modifiziert. "Die Internationale Projektentwicklung IPD hat im Grunde das Projekt angestoßen", so Inninger. "Sie haben die Partner zusammengebracht und auch die BUGA 05 und DERTOUR mit ins Boot geholt, die uns nun bei der Markteinführung unterstützen und Inhalte lieferten". Aus der Kooperation entstand die gemeinsame Betreiberfrima BLIS Informationsdienste GmbH, die mit dem BUGA-butler als erstem Produkt für satellitengestützte Besucher Leit- und Informationssysteme startet.

Wer sich nicht einfach über die blühenden Wiesen der BUGA treiben lassen will, kann sich durch Themenwege führen lassen oder persönliche Routen wählen. Unter der Rubrik Spiele stößt der Besucher auf GeoCaching - einer modernen Form der Schnitzeljagd per Satellitennavigation. Als Zusatzangebot kann er sich im Zellengarten ein Hörspiel anhören: "Terraforming: Willkommen im Garten Erde - Willkommen auf dem Mars", das von Radio Feierwerk erstellt wurde. Alle Audio-Inhalte sind im MP3-Dateiformat auf den Geräten gespeichert. Gesprochen wurden die Inhalte in Deutsch von der Münchner Schauspielerin Gabriele Misch. Für internationale Besucher gibt es eine englische Version, der die Jazzsängerin Joy C. Green ihre Stimme leiht.

Die Entwicklung des BUGAbutlers wurde gefördert vom Bayerischen Wirtschaftsministerium, mit der Maßgabe Anwendungen für das geplante europäische Satellitennetz Galileo zu entwickeln. Der BUGA-butler ist der erste seiner Art. Die BLIS Informationsdienste GmbH plant schon weitere Satelliten gestütze Besucher Leit- und Informationsdienste: E-Ranger für Nationalparks, automatische Stadtführer oder ortsbezogene Informationen beim Wandern und Radfahren.

Marion Horn | idw
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de

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