Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Software soll Satellitenbilder automatisch klassifizieren

18.01.2005


Eine neue Software kann künftig unehrlichen Landwirten genauer auf die Finger schauen: Wissenschaftler der Universität Bonn basteln momentan zusammen mit Forschern der Universität Jena und Industriepartnern aus Jena und Ilmenau an einem Programm, das Satellitenbilder automatisch auswerten kann. So ließe sich beispielsweise erkennen, wenn auf angeblich stillgelegten Flächen doch Weizen oder Mais wächst. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert durch das DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt) das Projekt "Enviland" in den nächsten drei Jahren mit 1,6 Millionen Euro.



Im Flur des Bonner Zentrums für Fernerkundung der Landoberfläche (ZFL) hängt ein Satellitenbild, aufgenommen aus lichten Höhen: 500 Kilometer über Bonn schwebte die Kamera an Bord des Quickbird-Satelliten; dennoch ist auf dem Foto jede kleine Gasse zu erkennen. Ab April 2006 soll der Satellit TerraSAR Radaraufnahmen aus dem Orbit knipsen, auf denen sogar noch Objekte von einem Meter Größe auszumachen sind.



Mit der Auflösung der Kameras wachsen die Probleme: Die ständig zunehmende Informationsflut will ja schließlich auch ausgewertet werden - und zwar möglichst schnell und präzise. "Wir wollen ein Programm entwickeln, das hoch aufgelöste Satellitendaten auf Knopfdruck mit großer Sicherheit klassifiziert", erklärt die Bonner Doktorandin Vanessa Heinzel vom ZFL. "Das Problem liegt vor allem in der Bandbreite der Rohdaten - wir verwenden optische Satellitenbilder und Radaraufnahmen, die zudem unterschiedlich detailliert sind." So liefert Quickbird mit 2,4 Meter Auflösung schon sehr scharfe optische Bilder. Die Projektpartner nutzen aber auch die Radaraufnahmen des europäischen Umweltsatelliten ENVISAT - und die sind mit 30 Metern Auflösung weit detailärmer. Dafür kann die Radarkamera auch bei schlechtem Wetter und Bewölkung Daten liefern. Zudem liefert sie Informationen, die im optischen Bild fehlen.

Das Programm soll die verschiedenen Aufnahmen gewissermaßen "übereinanderlegen" und damit dann "Stadt, Land, Fluss" spielen. "In einem ersten Schritt wollen wir die Grenzen von Wasserflächen, Wäldern, Städten oder Feldern automatisch und mit großer Sicherheit erkennen", so Heinzels Kollege Björn Waske. "Letztlich möchten wir diese Analyse aber so weit verfeinern, dass der Rechner auch zwischen verschiedenen Fruchtarten wie Mais, Gerste oder Roggen unterscheiden kann."

Allein durch die Auswertung von Momentaufnahmen ließe sich dieses Ziel nicht erreichen. Daher wollen die ZFL-Wissenschaftler unter der Leitung von Professor Dr. Gunter Menz und Dr. Matthias Braun auch untersuchen, wie sich die Satellitenbilder im Laufe der Vegetationsperiode verändern. Wie gut eine Pflanze Radarwellen reflektiert, variiert nämlich mit der Jahreszeit. Der zeitliche Verlauf dieser Änderung ist charakteristisch für die entsprechende Fruchtart. Im optischen Spektrum ist das letztlich nicht anders: Der Ahorn steht im Herbst im leuchtenden Rot, die Eiche kleidet sich derweil im dezenten braun. Im Sommer wären die beiden Baumarten anhand ihrer Farbe dagegen noch kaum zu unterscheiden gewesen.

Mit der fertigen Software könnte man unter anderem Agrarflächen leichter und kostengünstiger überwachen. Doch auch ökologische Probleme wie Waldschäden oder die fortschreitende Flächenversiegelung ließen sich damit besser quantifizieren - und auf dieser Basis rechtzeitig politische Konsequenzen ziehen.

Kontakt:
Vanessa Heinzel und Björn Waske
Zentrum für Fernerkundung der Landoberfläche
Tel.: 0228/73-4023
E-Mail: vheinzel@uni-bonn.de / bwaske@uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de/
http://www.zfl.uni-bonn.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne
20.07.2018 | Universität Rostock

nachricht Maschinelles Lernen: Neue Methode ermöglicht genaue Extrapolation
13.07.2018 | Institute of Science and Technology Austria

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics