Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nachhaltigkeit lernen am PC

11.10.2002


Virtueller Blick auf den Berliner Alexanderplatz.
© Fraunhofer FIRST


Die Frage, ob und wie Menschen durch ihr Handeln die Umwelt verändern, beschäftigt Bürger, Politiker und Wissenschaftler nicht erst seit der Hochwasserkatastrophe im August. Man-Model-Measurement - M3 - zeigt im Zeitraffer, welche Folgen Leben und Wirtschaften von Menschen haben. Vom 17. bis 19. Oktober können Interessierte bei den Münchner Wissenschaftstagen das neue System selbst ausprobieren.


»Los, da will ich auch mitmachen!«, Jung und Alt drängelten sich während der ersten Berliner Langen Nacht der Wissenschaften um die fünf PCs. Auf den Monitoren bestaunten sie den virtuellen Alexanderplatz in Berlin. Hier darf jeder mitmachen: auf dem Platz herumlaufen, Ball spielen oder Pflanzen säen und ernten. Im Laufe der Simulation sehen die Teilnehmer im Zeitraffer, welche Folgen ihr Handeln in den nächsten Jahren für die Umwelt hat.

Was auf den ersten Blick wie ein nettes und interessantes Computerspiel aussieht, ist das Ergebnis jahrelanger Forschung. Man-Model-Measurement verbindet erstmals wissenschaftliche Simulationsprogramme mit den Möglichkeiten der virtuellen Realität. Damit unterscheidet es sich von herkömmlichen Simulationen: »Der Mensch wird selbst Teil der virtuellen M3-Welt. Sein Handeln hat einen direkten Einfluss auf die Umwelt. Die Auswirkungen werden nicht abstrakt dargestellt. Ist zum Beispiel der Boden mit Schadstoffen belastet, wachsen weniger Pflanzen«, erläutert Projektleiter Dr. Helge Rosé vom Fraunhofer-Institut für Rechnerarchitektur und Softwaretechnik FIRST in Berlin das System. Jeder Interessent kann direkt über das Internet an der M3-Welt teilnehmen.


Damit die virtuelle Umgebung der realen Welt möglichst ähnlich wird, haben die Wissenschaftler eine Vielzahl verschiedener Modelle miteinander verknüpft. Eine Landwirtschafts- und Forstsimulation sorgt für das virtuelle Wachstum der Pflanzen. Das Wetter und die Ausbreitung von Schadstoffen simuliert ein Wetter- und Luftbelastungsmodell - um nur einige Modelle zu nennen. Dazu kommen reale wissenschaftlich erhobene Messwerte aus verschiedenen Datenbanken. Sie bestimmen, wie sich die Verhältnisse in der künstlichen Welt entwickeln. Je nachdem, ob es wärmer oder kälter wird, verändert sich die Vegetation. Das Getreide vertrocknet, die Menschen hungern. Oder die Zahl der Autos bestimmt darüber, ob die Anwohner krank werden, weil mehr Schadstoffe in der Luft sind.

Die Technik basiert auf einer Komponentenarchitektur. Dabei wird das System aus verschiedenen Software-Bausteinen zusammengesetzt. Herzstück des M3-Systems ist das Multi User Virtual Environment MUVE. Hier laufen alle Aktionen der Akteure, die Modelle und die Messdaten zusammen. Auch die M3-Zeit wird über das MUVE gesteuert. Weitere Bausteine sind eine Messdatenbank und ein Simulationsframework. Die Kommunikation und Steuerung der Modelle wird mit XML-Technologie realisiert.

Mit M3 bieten die FIRST-Wissenschaftler erstmals ein Programm an, das sich an Laien, Wissenschaftler und Politiker gleichermaßen richtet. Für die Laien ist es eine Art Lernspiel. Wissenschaftler können neueste Forschungsdaten eingeben, die einzelnen Modelle beeinflussen sowie die Simulationsdaten auswerten. Politiker unterstützt M3 bei wichtigen Planungen. Sie können zum Beispiel vorab im Computer testen, wie sich Benzinpreiserhöhungen auswirken. Steigen dann plötzlich alle auf die Bahn um, reichen die Kapazitäten des öffentlichen Verkehrs oft nicht mehr aus. »M3 macht die unmittelbaren, aber auch die längerfristigen Folgen erlebbar und hilft so, Planungsfehler zu vermeiden«, meint Rosé.

Bei den Münchner Wissenschaftstagen ist M3 vom 17. bis 19. Oktober in der TU München, Arcisstraße 21, täglich zwischen 9 und 18 Uhr zu sehen.

Ansprechpartner:
Dr. Helge Rosé
Telefon 0 30/63 92-18 35
Fax 0 30/63 92-18 05

Fraunhofer-Institut für Rechnerarchitektur und Softwaretechnik FIRST
Kekuléstr. 7

12489 Berlin

Johannes Ehrlenspiel | Fraunhofer Gesellschaft

Weitere Berichte zu: MUVE Schadstoff Wissenschaftstag Zeitraffer

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker
17.08.2018 | Institute of Science and Technology Austria

nachricht Schatzkammer Datenbank: Digitalisierte Schwingfestigkeitskennwerte sparen Entwicklungszeit
16.08.2018 | Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bionik im Leichtbau

17.08.2018 | Verfahrenstechnologie

Klimafolgenforschung in Hannover: Kleine Pflanzen gegen große Wellen

17.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

HAWK-Ingenieurinnen und -Ingenieure entwickeln die leichteste 9to-LKW-Achse ihrer Art

17.08.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics