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Informatiker der Universität Jena nehmen leistungsstarkes Bildverarbeitungssystem in Betrieb

07.04.2008
Es ist ein Montagvormittag in einem Büro des Uni-Instituts für Informatik am Jenaer Ernst-Abbe-Platz: Mit langsamen, gleichmäßigen Bewegungen robbt ein etwa 25 Zentimeter langer Roboterhund auf eine gelbe Plastikdose zu, die in einem markierten Viereck auf dem Fußboden steht.

Im Halbkreis darum stehen der Informatiker Prof. Dr. Joachim Denzler und zwei seiner Mitarbeiter und beobachten gespannt das Tier. Plötzlich bleibt der Hund stehen und legt sich auf den Boden.

"Jetzt wird es interessant", sagt Prof. Denzler und deutet auf einen Monitor. Denn nicht nur er und seine beiden Doktoranden verfolgen, was sich auf ihrem Büroboden abspielt. Auch sechs Kameras beobachten aus unterschiedlichen Positionen des Raumes die Szene. "Die Kameras zeichnen nicht einfach alles auf, was sie ,sehen'", erläutert der Jenaer Lehrstuhlinhaber für Digitale Bildverarbeitung. "Vielmehr registrieren sie speziell Objekte, die sich verändern." In der Tat: Nur wenige Sekunden, nachdem der Roboterhund sich zur Ruhe gelegt hat, verschwindet er mit einem Schlag von den Monitoren.

Die unbewegliche gelbe Dose dagegen war bisher gar nicht zu sehen. "Ich kann die Dose jedoch wegnehmen", verdeutlicht Ferid Bajramovic und greift sich diese mit einer schnellen Bewegung. Sofort markiert eine helle Fläche auf dem Bildschirm die Stelle, an der bis gerade eben die Dose gestanden hat. "Die Kameras beobachten die Szene, erkennen die Veränderungen und diese werden mir dann angezeigt", so der Informatiker Bajramovic weiter, der derzeit an Denzlers Lehrstuhl promoviert.

Mit ihrem Versuchsaufbau aus sechs bis acht Kameras, die mit ebenso vielen Hochleistungsrechnern gekoppelt sind, wollen die Informatiker der Jenaer Universität jedoch nicht in erster Linie sich bewegende Roboterhunde videoüberwachen. "Unser Ziel ist es, ein solches verteiltes Bildverarbeitungssystem aufzubauen, das in der Lage ist, große Räume - etwa Flughafenhallen oder Bahnhöfe - zu beobachten und das Gesehene automatisch zu analysieren", erläutert Prof. Denzler.

Dafür haben er und sein Team nun die besten technischen Voraussetzungen. Nach einer positiven Begutachtung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) haben Bund, Land und die Universität die rund 180.000 Euro teure Ausstattung im Rahmen des Hochschulbauförderungsgesetzes (HBFG) finanziert. Gerade sind die sechs Kameras und die dazugehörigen Rechner sowie eine mobile Plattform, die zwei Kameras frei im Raum bewegen kann, fertig aufgebaut und von den Informatikern um Prof. Denzler in Betrieb genommen worden.

Die Anwendungsmöglichkeiten für solche Multikamerasysteme sind vielfältig. Neben dem Sicherheitsbereich zur Überwachung von Flughäfen, Bahnhöfen oder Sportstadien bieten vor allem der Gesundheitssektor und die Altenpflege ein weites Anwendungsfeld. "So könnten beispielsweise ältere Menschen, die regelmäßige Betreuung brauchen, in einem kameraüberwachten Haus ein weitestgehend selbstständiges Leben führen", erläutert Denzler. Passiert etwas Unvorhergesehenes - ein Sturz etwa - würde dies vom System erkannt und könnte an einen Pflegedienst gemeldet werden.

"So etwas ist natürlich noch Zukunftsmusik", sagt Informatiker Olaf Kähler, der ebenfalls an Denzlers Lehrstuhl promoviert. Die kommenden zwei Jahre wollen er und seine Jenaer Kollegen vor allem dazu nutzen, ihr Bildverarbeitungssystem ohne bekannte Vergleichsobjekte und Markierungen so zu kalibrieren, dass die Kameras ihre Positionen zueinander kennen. "Dann wären wir schon ein ganzes Stück weiter", so Kähler.

Kontakt:
Prof. Dr. Joachim Denzler
Institut für Informatik der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Ernst-Abbe-Platz 2, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 946370
E-Mail: denzler[at]informatik.uni-jena.de

Ute Schönfelder | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

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