Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Genau dosiert, statt „ein“ und „aus“: Druckluft-Ventil aus einfacher Folie ist 500-mal effizienter

25.03.2015

Forscher der Universität des Saarlandes haben eine neue Art von Schaltern und Ventilen entwickelt, die nur aus hauchdünner Folie bestehen. Sie kommen ohne seltene Erden und Kupfer aus, sind günstig herzustellen, extrem leicht und verbrauchen Energie nur, wenn sie schalten. Das macht sie 500-mal energieeffizienter als Elektromagnet-Ventile. Und: Sie können nicht nur ein- und ausschalten, sondern jede gewünschte Stellung halten. Hierdurch kann etwa Druckluft allein per Ventil exakt dosiert werden, was die Ingenieure der Forschergruppe von Professor Stefan Seelecke auf der Hannover Messe vom 13. bis 17. April am saarländischen Forschungsstand (Halle 2, Stand B 46) mit ihrem Prototypen zeigen.

Von handelsüblicher Frischhaltefolie unterscheidet sie sich auf den ersten Blick nicht wesentlich. Aber die unscheinbare Silikonfolie hat es in sich: Sie ist die Basis einer neuen Generation von Schaltern, Ventilen oder sogar motorlosen Pumpen.


Ingenieur Marc Hill, wissenschaftliche Mitarbeiter von Stefan Seelecke, hat den Prototyp des Druckluft-Ventils aus Folie im Rahmen seiner Doktorarbeit mitentwickelt.

Foto: Oliver Dietze

Ingenieure aus dem Forscherteam von Professor Stefan Seelecke an der Saar-Universität und am Zentrum für Mechatronik und Automatisierungstechnik haben die hauchdünne Folie umfunktioniert zu einem wandelbaren technischen Bauteil. Sie drucken hierzu jeweils einen schwarzen Ring auf beide Seiten der Folie.

„Diese elektrisch leitfähige Schicht ermöglicht uns, eine elektrische Spannung an die Folie anzulegen“, erläutert Stefan Seelecke. Wenn die Ingenieure das elektrische Feld verändern, macht die Folie das, was sie wollen: Sie zieht sich zusammen, wölbt sich vor, zieht sich auseinander, hebt und senkt sich. Sie ist also „elektroaktiv“, deshalb auch ihre Bezeichnung als „elektroaktives Polymer“.

Die besondere Wandlungsfähigkeit nutzen die Ingenieure jetzt im Prototyp eines Druckluft-Ventils. Übliche Elektromagnet-Ventile schalten zwar sehr schnell, mit ihnen lässt sich jedoch die abgegebene Druckluftmenge nur bedingt verändern. Auch verbrauchen diese Energie, um eine bestimmte Position zu halten. „Dies ist beim elektroaktiven Polymer anders. Es verbraucht Energie nur, wenn es tatsächlich die Ventil-Position ändert. Im Vergleich zu Magnet-Ventilen bedeutet das bis zu 500-mal weniger Energieverbrauch“, erklärt Ingenieur Marc Hill. Der wissenschaftliche Mitarbeiter von Stefan Seelecke hat den Prototyp im Rahmen seiner Doktorarbeit mitentwickelt.

Besonderer Vorteil: Mit dem Folienventil ist es möglich, Druckluft exakt nach Bedarf zu dosieren. „Wir setzen die Folie selbst zugleich als Positions-Sensor ein, wodurch wir das Ventil präzise steuern können“, erläutert Professor Seelecke. Die Forscher können hierfür die einzelnen Stellungen der Folie – also wie sie sich gerade verformt – genau entsprechenden Werten der elektrischen Kapazität zuordnen.

„Anhand von Messwerten können wir anschließend also exakte Rückschlüsse auf die Form der Folie, ihre so genannte mechanische Auslenkung, ziehen. Dadurch hat das Bauteil zugleich sensorische Eigenschaften“, sagt Marc Hill. In der Regelungseinheit können auf diesem Wege Bewegungsabläufe genau berechnet und programmiert und so das Ventil präzise nach Bedarf bewegt werden – und zwar in jeder gewünschten Zwischenstellung zwischen „ein“ und „aus“.

Auf der Hannover Messe zeigen die Ingenieure ihr Verfahren am Prototyp des Druckluft-Ventils.

Kontakt:
Prof. Dr. Stefan Seelecke (Lehrstuhl für Unkonventionelle Aktorik),
Tel. 0681 302 71341; E-Mail: stefan.seelecke@mmsl.uni-saarland.de
http://www.mmsl.uni-saarland.de/
Benedikt Holz, Tel.: 0681 302-71345, E-Mail: benedikt.holz@mmsl.uni-saarland.de
Marc Hill, Tel.: 0681/302-71350; E-Mail: m.hill@mechatronikzentrum.de

Der saarländische Forschungsstand ist während der Hannover Messe erreichbar unter Tel.: 0681-302-68500

Hintergrund:
Am ZeMA in Saarbrücken arbeiten Saar-Uni, Hochschule für Technik und Wirtschaft sowie Industriepartner zusammen, um Mechatronik und Automatisierungstechnik im Saarland zu stärken sowie den Technologietransfer zu fördern. In zahlreichen Projekten wird industrienah entwickelt und neue Methoden aus der Forschung in die industrielle Praxis umgesetzt. http://www.zema.de/

Der saarländische Forschungsstand wird organisiert von der Kontaktstelle für Wissens- und Technologietransfer der Universität des Saarlandes (KWT). Sie ist zentraler Ansprechpartner für Unternehmen und initiiert unter anderem Kooperationen mit Saarbrücker Forschern. http://www.uni-saarland.de/kwt

Claudia Ehrlich | Universität des Saarlandes

Weitere Nachrichten aus der Kategorie HANNOVER MESSE:

nachricht Hohe Akzeptanz vor Markteinführung - Die Entwicklung des Großschranksystems VX25 von Rittal
24.04.2018 | Rittal GmbH & Co. KG

nachricht Rittal digitalisiert Fertigung - Produktion weltweit nach Industrie 4.0
25.04.2018 | Rittal GmbH & Co. KG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: HANNOVER MESSE >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmals gemessen: Wie lange dauert ein Quantensprung?

Mit Hilfe ausgeklügelter Experimente und Berechnungen der TU Wien ist es erstmals gelungen, die Dauer des berühmten photoelektrischen Effekts zu messen.

Es war eines der entscheidenden Experimente für die Quantenphysik: Wenn Licht auf bestimmte Materialien fällt, werden Elektronen aus der Oberfläche...

Im Focus: Scientists present new observations to understand the phase transition in quantum chromodynamics

The building blocks of matter in our universe were formed in the first 10 microseconds of its existence, according to the currently accepted scientific picture. After the Big Bang about 13.7 billion years ago, matter consisted mainly of quarks and gluons, two types of elementary particles whose interactions are governed by quantum chromodynamics (QCD), the theory of strong interaction. In the early universe, these particles moved (nearly) freely in a quark-gluon plasma.

This is a joint press release of University Muenster and Heidelberg as well as the GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt.

Then, in a phase transition, they combined and formed hadrons, among them the building blocks of atomic nuclei, protons and neutrons. In the current issue of...

Im Focus: Der Truck der Zukunft

Lastkraftwagen (Lkw) sind für den Gütertransport auch in den kommenden Jahrzehnten unverzichtbar. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität München (TUM) und ihre Partner haben ein Konzept für den Truck der Zukunft erarbeitet. Dazu zählen die europaweite Zulassung für Lang-Lkw, der Diesel-Hybrid-Antrieb und eine multifunktionale Fahrerkabine.

Laut der Prognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird der Lkw-Güterverkehr bis 2030 im Vergleich zu 2010 um 39 Prozent steigen....

Im Focus: Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

Feuert man Lichtpulse aus einer extrem starken Laseranlage auf Materialproben, reißt das elektrische Feld des Lichts die Elektronen von den Atomkernen ab. Für Sekundenbruchteile entsteht ein Plasma. Dabei koppeln die Elektronen mit dem Laserlicht und erreichen beinahe Lichtgeschwindigkeit. Beim Herausfliegen aus der Materialprobe ziehen sie die Atomrümpfe (Ionen) hinter sich her. Um diesen komplexen Beschleunigungsprozess experimentell untersuchen zu können, haben Forscher aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) eine neuartige Diagnostik für innovative laserbasierte Teilchenbeschleuniger entwickelt. Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review X“.

„Unser Ziel ist ein ultrakompakter Beschleuniger für die Ionentherapie, also die Krebsbestrahlung mit geladenen Teilchen“, so der Physiker Dr. Thomas Kluge vom...

Im Focus: Bio-Kunststoffe nach Maß

Zusammenarbeit zwischen Chemikern aus Konstanz und Pennsylvania (USA) – gefördert im Programm „Internationale Spitzenforschung“ der Baden-Württemberg-Stiftung

Chemie kann manchmal eine Frage der richtigen Größe sein. Ein Beispiel hierfür sind Bio-Kunststoffe und die pflanzlichen Fettsäuren, aus denen sie hergestellt...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Gesundheitstipps und ein virtueller Tauchgang zu Korallenriffen

20.09.2018 | Veranstaltungen

Internationale Experten der Orthopädietechnik tagen in Göttingen

19.09.2018 | Veranstaltungen

Von den Grundlagen bis zur Anwendung - Internationale Elektrochemie-Tagung in Ulm

18.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

NOEMA: Halbzeit für das im Bau befindliche Superteleskop

20.09.2018 | Physik Astronomie

Kernphysiker stellen Beobachtungen zum quantenchromodynamischen Phasenübergang vor

20.09.2018 | Physik Astronomie

Warnung vor Hybris bei CO2-Entzug

20.09.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics