Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zukunftsfähigkeit braucht die richtigen Hebel

07.05.2019

Wie werden die Städte Deutschlands im Jahr 2050
aussehen? Welche Klein- und Mittelstädte schaffen es, sich gegen die Sogwirkung der Metropolen und den demografischen Wandel zu stemmen?

Eine Studie der Fraunhofer-Gesellschaft im Rahmen der „Morgenstadt-Initiative“ schafft objektive, neutrale Vergleichbarkeit und zeigt strategische Handlungsfelder auf – mit überraschendem Ergebnis: Auch ländlichere Gegenden, kleine und mittelgroße Städte haben eine hohes Zukunftsfähigkeit, wie es das Beispiel der Alten Hansestadt Lemgo in Ostwestfalen-Lippe zeigt.


Radar für Zukunftsfähigkeit: Der Morgenstadt City-Index [M:CI] von Fraunhofer fasst den IST-Zustand der Zukunftsfähigkeit einer Stadt zusammen

Fraunhofer IOSB-INA

Was sind die Hebel, eine Stadt in einer sich gesellschaftlich und technologisch rapide ändernden Welt attraktiv zu halten? Was bedeutet Attraktivität für die aktuellen Bewohner, hinzuziehende oder ansässige Unternehmen? Wie sieht der Nährboden für wirtschaftliches und kulturelles Wachstum sowie Lebensqualität aus?

Die Morgenstadt-Initiative der Fraunhofer-Gesellschaft hat hierzu über 30 Städte in einer Studie untersucht und die Ergebnisse in vier Hauptkategorien auf den Punkt gebracht.

Beispielhaft für kleinere und mittelgroße Städte hat sich die Alte Hansestadt Lemgo diesem Vergleich gestellt und taucht nun neben München, Berlin und Stuttgart auf – mit einem respektablen Ergebnis: Im Gesamtranking schaffte es die Alte Hansestadt in die Top Ten.

Die Forscher der Morgenstadt-Initiative am Fraunhofer Institut IAO (Institut für Arbeit und Organisation) arbeiten seit einigen Jahren intensiv an der Beschreibung der Zukunftsfähigkeit urbaner Räume.

Mit der Erfahrung aus der detaillierten Untersuchung zahlreicher deutscher und internationaler Metropolen haben sie ein Instrumentarium entwickelt, mit dem man anhand von 28 öffentlich zugänglichen Indikatoren ein ganzheitliches Bild der Zukunftsfähigkeit einer Stadt zeichnen kann – als erste Grundlage für vertiefte Analysen vor Ort.

Die Indikatoren decken die vier „Säulen“ ab, auf die sich die Stadt von morgen stützen muss. Die Indikatoren reichen von den städtischen Grün- und Wasserflächen über die Existenz von Plänen zur Klimaanpassung und dem CO2-Ausstoß bis zum Anteil hochqualifizierter Jobs am städtischen Arbeitsmarkt. Sämtliche Daten der Indikatoren sind öffentlich zugänglich und wurden innerhalb des City-Index verschieden gewichtet.

Lebensqualität, Resilienz, Umweltgerechtigkeit und Innovationsfähigkeit.

Die „Lebenswerte Stadt“ bietet ihren Bürgern Arbeitsplätze, einen Ausgleich zwischen Arm und Reich, Sicherheit, einen attraktiven öffentlichen Raum, der zu Begegnungen einlädt, und eine gute Umweltqualität.

Es geht hier also um die sogenannten »weichen Standortfaktoren« sowie soziale Aspekte. Sie sind auch deshalb wichtig, weil Unternehmen sich gezielt in attraktiven, lebenswerten Städten ansiedeln, weil sie nur hier darauf hoffen können, hochqualifizierte Arbeitnehmer zu finden und zu halten.

„Resiliente Stadt“: Diese Kategorie trifft Aussagen über die Stressresistenz einer Stadt, also die Fähigkeit, Bedrohungen, Wirtschaftsflauten und Krisen zu kompensieren. Für die Zukunftsfähigkeit ist diese Kategorie insofern von Bedeutung, als dass der Erhalt einer attraktiven wirtschaftlichen und soziokulturellen Infrastruktur gesichert sein muss. Hier spielen unter anderem die Schuldendienstquote, der Anteil der drei größten Arbeitgeber an der Gesamtbeschäftigung und Notfallpläne für verschiedenartige Naturkatastrophen eine Rolle.

„Umweltgerechte Stadt“: Selbstverständlich liefern für die Zukunftsfähigkeit auch Umfang von und Umgang mit Ressourcen wichtige Kennzahlen. Umweltgerechtigkeit wirkt sich nicht nur auf das (zukünftige) Stadtklima und die Nachhaltigkeit von Lebensraum aus, sondern auch auf die Attraktivität für Unternehmen und Bewohner. In dieser Kategorie werden beispeilsweise der Ausstoß von Treibhausgasen in Tonnen pro Kopf, das Müllaufkommen in Kilo pro Kopf und Jahr oder auch der Wasserverbrauch in Litern pro Kopf und Tag erfasst.

Innovative Stadt: Die vierte Kategorie fasst diejenigen Indikatoren zusammen, die sich auf (potenzielle) Erfindungen und Erfinder beziehen, denn im Rahmen von zukunftsfähiger urbaner Kommunikation und neuen Geschäftsmodellen haben Innovationen eine entscheidende Bedeutung.

Diese Kategorie prüft unter anderem, wie zielgerichtet Kommunen mit den Themen Digitalisierungsstrategie, Datenmanagement, und Förderung von Innovationstreibern umgehen. So werden beispielsweise die Differenz von Firmengründungen und Geschäftsaufgaben, der Anteil hochqualifizierter Stellen am Arbeitsmarkt, das Vorhandensein einer Smart-City- oder Innovationsstrategie oder auch der Anteil der Studenten in Prozent an der Gesamtbevölkerung einbezogen.

Ein Fazit: Technologie ist kein Allheilmittel.

Eine Botschaft für die Befürworter einer rein technisch getriebenen Entwicklungsstrategie für die Stadt steht bereits fest: Digitalisierung ist nicht grundsätzlich immer der Schlüssel zur Zukunft und vor allem kein Selbstzweck. Auf der anderen Seite zeigt der Morgenstadt-Index aber auch, dass Zukunftsfähigkeit und Innovationen miteinander verschränkt sind.

Alanus von Radecki, Projektleiter der Morgenstadt-Initiative beim Fraunhofer IAO, freut sich, dass nicht nur die großen deutschen Städte mit einer vorhandenen digitalen Agenda teilgenommen haben: „Zukunftsfähigkeit ist nicht das Privileg der Metropolen, das haben kleinere Teilnehmerstädte wie die Alte Hansestadt Lemgo gezeigt.

Der Morgenstadt City -Index liefert Stadtplanern und Kommunen, die ihre digitale Agenda aufsetzen oder ihre Stadt strategisch weiterentwickeln wollen, äußerst hilfreiche Anknüpfungspunkte.“ Städten, die an der Studie teilgenommen haben, rät er: „Nach dem ersten Zustandsbericht anhand des Morgenstadt City-Index ist eine vertiefte, individuelle Analyse der Stadt mit ihren einzigartigen Faktoren und sozialen, ökonomischen, politischen, technologischen und räumlichen/städtebaulichen Besonderheiten notwendig.“

Nützlich für eine nachhaltige Stadtentwicklung

Eine weitere Botschaft der Studie: Das absolute Ranking ist für viele teilnehmende Kommunen eher zweitrangig. Stattdessen kann das Abbild des IST-Zustands Unterstützung für Stadtväter und -planer, Stadtentwickler und Unternehmen sein. Die Auswahl und Bündelung der ausgewählten Indikatoren bietet die Möglichkeit, sich ein Bild der aktuellen Situation zu machen und Hinweise auf die Verbesserungspotentiale geben. Innerhalb des Strategieprozesses einer Stadt liefert die Studie eine Antwort auf die Frage „Wo stehen wir?“.

Das Fraunhofer IOSB-INA ist selbst Mitglied der Morgenstadt-Initiative und hat die Teilnahme der Alten Hansestadt Lemgo am Morgenstadt City-Index begleitet. Initiator des IoT-Reallabors „Lemgo Digital“ und Leiter des Fraunhofer IOSB-INA, Prof. Dr.-Ing. Jürgen Jasperneite, ist vom Nutzen überzeugt:

„Auf der Grundlage des Morgenstadt City-Index werden die individuellen Stärken und Schwächen einer Kommune sichtbar und vergleichbar. Von diesem Punkt aus kann jede Kommune ihre eigene Stadtentwicklung unter Berücksichtigung digitaler Handlungsoptionen betreiben.“

Dipl.-Medienwiss. Mischa Gutknecht-Stöhr | Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB
Weitere Informationen:
http://www.iosb.fraunhofer.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Ähnlicher als gedacht: Männer und Frauen gleichen ihr Gesundheitsverhalten nach Einschnitt an
04.05.2020 | Max-Planck-Institut für demografische Forschung

nachricht Das Geschlechter-Kliff: Warum Frauen in einer Partnerschaft selten mehr verdienen als die Männer
23.04.2020 | Max-Planck-Institut für demografische Forschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovative Sensornetze aus Satelliten

In Würzburg werden vier Kleinst-Satelliten auf ihren Start vorbereitet. Sie sollen sich in einer Formation bewegen und weltweit erstmals ihre dreidimensionale Anordnung im Orbit selbstständig kontrollieren.

Wenn ein Gegenstand wie der Planet Erde komplett ohne tote Winkel erfasst werden soll, muss man ihn aus verschiedenen Richtungen ansehen und die...

Im Focus: New double-contrast technique picks up small tumors on MRI

Early detection of tumors is extremely important in treating cancer. A new technique developed by researchers at the University of California, Davis offers a significant advance in using magnetic resonance imaging to pick out even very small tumors from normal tissue. The work is published May 25 in the journal Nature Nanotechnology.

researchers at the University of California, Davis offers a significant advance in using magnetic resonance imaging to pick out even very small tumors from...

Im Focus: I-call – Wenn Mikroimplantate miteinander kommunizieren / Innovationstreiber Digitalisierung - »Smart Health«

Die Mikroelektronik als Schlüsseltechnologie ermöglicht zahlreiche Innovationen im Bereich der intelligenten Medizintechnik. Das vom Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT koordinierte BMBF-Verbundprojekt »I-call« realisiert erstmals ein Elektroniksystem zur ultraschallbasierten, sicheren und störresistenten Datenübertragung zwischen Implantaten im menschlichen Körper.

Wenn mikroelektronische Systeme für medizintechnische Anwendungen eingesetzt werden, müssen sie hohe Anforderungen hinsichtlich Biokompatibilität,...

Im Focus: I-call - When microimplants communicate with each other / Innovation driver digitization - "Smart Health“

Microelectronics as a key technology enables numerous innovations in the field of intelligent medical technology. The Fraunhofer Institute for Biomedical Engineering IBMT coordinates the BMBF cooperative project "I-call" realizing the first electronic system for ultrasound-based, safe and interference-resistant data transmission between implants in the human body.

When microelectronic systems are used for medical applications, they have to meet high requirements in terms of biocompatibility, reliability, energy...

Im Focus: Wenn aus theoretischer Chemie Praxis wird

Thomas Heine, Professor für Theoretische Chemie an der TU Dresden, hat 2019 zusammen mit seinem Team topologische 2D-Polymere vorhergesagt. Nur ein Jahr später konnten diese Materialien von einem italienischen Forscherteam synthetisiert und deren topologische Eigenschaften experimentell nachgewiesen werden. Für die renommierte Fachzeitschrift Nature Materials war das Anlass, Thomas Heine zu einem News and Views Artikel einzuladen, der in dieser Woche veröffentlicht wurde. Unter dem Titel "Making 2D Topological Polymers a reality" beschreibt Prof. Heine, wie aus seiner Theorie Praxis wurde.

Ultradünne Materialien sind als Bausteine für nanoelektronische Bauelemente der nächsten Generation äußerst interessant, da es viel einfacher ist, Schaltungen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Gebäudewärme mit "grünem" Wasserstoff oder "grünem" Strom?

26.05.2020 | Veranstaltungen

Dresden Nexus Conference 2020 - Gleicher Termin, virtuelles Format, Anmeldung geöffnet

19.05.2020 | Veranstaltungen

Urban Transport Conference 2020 in digitaler Form

18.05.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Klare Sicht – Projekt zur sichereren Laserbehandlung von Floatern gestartet

26.05.2020 | Medizin Gesundheit

Blutgefässe einfacher und präziser sichtbar machen

26.05.2020 | Biowissenschaften Chemie

Max-Planck-Forscher entwickeln "ultimativen Zellsortierer"

26.05.2020 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics