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Was verstehen Jugendliche unter Kultur?

09.08.2012
80 Prozent der Jugendlichen sind der Meinung, dass Kultur wichtig ist für die Gesellschaft und nicht nur auf Gebildete beschränkt sein sollte.
Dies ist ein Ergebnis der quantitativen Umfrage unter jugendlichen Schülerinnen und Schülern aus Mittelschulen, Realschulen, Regelschulen, Gymnasien, Fachoberschulen und Berufsschulen in Stadt und Landkreis Coburg sowie Sonneberg.

Die Umfrage ist Teil des Modellprojektes „Kulturvermittlung in den Regionen Coburg und Sonneberg“. Beteiligt sind die Stadt und der Landkreis Coburg sowie der Landkreis Sonneberg. Die wissenschaftliche Begleitung liegt bei Prof. Dr. Veronika Hammer aus der Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit der Hochschule Coburg.

In Einzelnen brachte die Befragung eine Reihe interessanter Ergebnisse: So sind rund 80 Prozent der Befragten der Meinung, dass Kultur wichtig für die Gesellschaft und nicht nur etwas für Gebildete ist. Etwas mehr als die Hälfte findet Kultur „cool“ und hat Lust darauf. Die andere Hälfte ist eher skeptisch. Rund 70 Prozent geben an, keine Zeit für Kultur zu haben, weil sie durch Schule, Beruf und Hobbies ausgelastet sind.

Rund ein Drittel der Befragten schätzt die Vielfalt der regionalen kulturellen Angebote. Aber drei Viertel meinen, die angebotene Kultur passe nicht so ganz zu ihrem Leben. Dies gilt insbesondere auch für die bildungsfernen Jugendlichen. Die meist genannten kulturellen Aktivitäten in der Freizeit sind Musik hören, Freunde treffen, Surfen/Chatten, Fernsehen/DVD schauen und Sport machen.

Jugendliche haben hohe Erwartungen an kulturelle Angebote. Sie möchten etwas Schönes sehen, Spaß haben, unterhalten werden, etwas mit Freunden machen, eine tolle Atmosphäre erleben, etwas live erleben, sich bilden, sich persönlich weiterentwickeln, sich vom Alltag ablenken, zum Nachdenken angeregt werden und andere Menschen treffen.

Die eigene Kreativität steht dagegen nicht ganz so hoch im Kurs wie das Genießen kultureller Angebote. Aber immerhin die Hälfte der Befragten möchte auch gerne selbst kreativ sein. Wichtig sind für die Jugendlichen billige Eintrittspreise, dass man leicht hin- und zurückfahren kann, dass die Angebote etwas mit dem eigenen Leben zu tun haben und dass kulturelle Angebote während des Schulunterrichts stattfinden. Mit der Schule nutzen mehr als 80 % Kulturangebote. Wenn die Jugendlichen etwas unternehmen wollen, informieren sie sich in erster Linie über Facebook, aber auch über den direkten Kontakt mit Freunden.

Derzeit finden noch differenzierte Feinanalysen in Bezug auf bildungs-, milieu- und regionalspezifische Unterschiede statt. In der sich dann anschließenden zweiten Forschungsrunde geht es um das qualitative empirische Design. Hier will man mehr über die Kulturnutzung von bildungsfernen Jugendlichen in ihren Lebenswelten erfahren.

Katharina Scherf, Kulturvermittlerin in Stadt und Landkreis Coburg sowie im Landkreis Sonneberg möchte aufgrund der Befragungsergebnisse dafür sorgen, dass in der Kultur noch mehr Bezug zum Leben der Jugendlichen geschaffen wird. Zudem setzt sie auf neue, Regionen übergreifende Kooperationsstrukturen. Und sie will zwischen Produzenten und Rezipienten von Kultur vermitteln. Ihr Ziel ist es, die Nutzung und die Qualifizierung bestehender Angebote zu verstärken. Die Jugendlichen sollen außerdem zu eigenem kulturellen Schaffen angeregt werden.

An dem Modellprojekt sind neben Prof. Veronika Hammer und der Kulturvermittlerin Katharina Scherf auch die politischen Akteure Norbert Tessmer, 2. Bürgermeister der Stadt Coburg, sowie Hans-Peter Schmitz, Stellvertretender Sonneberger Landrat und Martina Berger, Sozial-, Kultur- und Bildungsreferentin des Landkreises Coburg, die Sozialwissenschaftlerin Sarah Wünn sowie Josefine Behr, Studentin im 6. Semester Bachelor Soziale Arbeit beteiligt.

Dr. Margareta Bögelein | idw
Weitere Informationen:
http://www.hs-coburg.de/

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