Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schrumpfende Gesellschaften: Welcher Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels?

18.10.2016

Ein Forschungsprojekt des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI hat untersucht, wie in Deutschland, China, Italien, Japan und der Schweiz mit bereits spürbaren sowie zu erwartenden gesellschaftlichen Folgen des demografischen Wandels umgegangen wird. Dabei spielt nicht nur die Frage der Alterung von Gesellschaften, sondern auch ihre mögliche Schrumpfung eine wichtige Rolle. Das Ziel des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projektes ist es, aus den Erfahrungen anderer Länder zu lernen, die ebenfalls vom demografischen Wandel betroffen sind. Hieraus wurden Empfehlungen und Vorschläge für künftige BMBF-Forschungsprojekte abgeleitet.

Wie weit sind Deutschland und andere schrumpfende Gesellschaften auf den Umgang mit dem demografischen Wandel vorbereitet? Welche Maßnahmen werden bereits ergriffen? Und inwieweit kann Zuwanderung helfen, ein Schrumpfen der Bevölkerung zu vermeiden oder abzumildern? Diesen und anderen – im Verlauf des Projektes immer brisanter werdenden – Fragen ging das Fraunhofer ISI zusammen mit dem japanischen Forschungspartner RISTEX nach.

Inhaltlich wird zwischen einer alternden und einer schrumpfenden Gesellschaft (Abnahme der Bevölkerungszahl durch eine höhere Sterbe- und Abwanderungsquote als Geburtenrate plus Zuwanderung) unterschieden. Für Deutschland und einige andere Industrieländer gilt bereits beides: Die alternden Gesellschaften sind gleichzeitig auch die am stärksten schrumpfenden.

"An der Tatsache einer alternden und gleichzeitig abnehmenden Anzahl an Personen der 'einheimischen Bevölkerung' in Deutschland ändern auch die hohen Einwanderungszahlen des letzten Jahres vorerst nur wenig", so die Projektleiterin Dr. Kerstin Cuhls.

Um einer möglichen Schrumpfung der Gesellschaft weiter auf den Grund zu gehen, wurde zunächst untersucht, wie andere betroffene Länder hiermit umgehen. In Bezug auf die Zuwanderung nach Deutschland hat das Projektteam unterschiedliche vorausschauende Annahmen für Deutschland getroffen – und auf dieser Basis Empfehlungen für das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), das die Studie finanziert hat, erarbeitet.

Wie wird sich der demografische Wandel auf Gesellschaften auswirken?

Die Ergebnisse, die in der Publikation "Schrumpfende Gesellschaften im Vergleich. Maßnahmen gegen die Folgen des demografischen Wandels" festgehalten sind, gehen zuerst auf die mittels Literaturrecherche untersuchten Auswirkungen des demografischen Wandels ein:

Dieser wird etwa Formen des Zusammenlebens und Familienstrukturen, die sich in Zukunft wandeln werden, genauso betreffen wie Geschlechterfragen im Beruf oder den sich möglicherweise besonders in Pflegeberufen verstärkenden Fachkräftemangel. Weiterhin dürften neue Krankheitsbilder wie psychische Erkrankungen oder Demenzen zunehmen. Der demografische Wandel hat aber auch positive Seiten: Menschen leben länger, bleiben dabei gesünder und nehmen länger aktiv am gesellschaftlichen Leben teil als in frühen Zeiten.

Doch wie lässt sich den Auswirkungen des demografischen Wandels effektiv begegnen und was kann die Forschung hierzu beitragen? Die der Publikation zugrunde liegende Studie kommt auf Basis von Experteninterviews zu dem Schluss, dass es sowohl mehr Forschungsprojekte mit Technikbezug als auch solche mit einem stärkeren Fokus auf gesellschaftliche Aspekte bedarf, die verknüpft werden müssen.

Zum Beispiel sollten technische Hilfen für die Pflege oder Exoskelette zur physischen Unterstützung von Menschen entwickelt und im realen Einsatz erforscht werden, damit Menschen möglichst lange in ihren eigenen vier Wänden bleiben können. Darüber hinaus werden Forschungsprojekte empfohlen, die sich mit der Digitalisierung von Patientendossiers zur umfassenden Darstellung von Krankheitsverläufen oder einer veränderten Krebsforschung und -behandlung mit einer stärkeren Berücksichtigung des Alterungsaspekts auseinandersetzen.

Künftige Studien zum demografischen Wandel müssen auch soziale Strukturen von Gesellschaften stärker betrachten

Die Empfehlungen sehen zudem vor, neben einer rein technikbasierten Erforschung des Umgangs mit dem demografischen Wandel zusätzlich die sozialen Strukturen Deutschlands und der anderen betroffenen Länder in künftigen Studien stärker zu betrachten. So sollten etwa neue Versorgungs- und Pflegeinfrastrukturen wie Zeitvorsorgesysteme für nachbarschaftliche Freiwilligenarbeit untersucht werden.

Auch sollten weitere Projekte die Möglichkeiten ausloten, wie arbeitswillige ältere Personen besser in den Arbeitsmarkt integriert bleiben können. Der demografische Wandel kann sich zudem direkt auf demokratische und politische Prozesse von Gesellschaften auswirken, wenn etwa die Interessen älterer Menschen von der Politik in Zukunft überproportional stark berücksichtigt würden. Entsprechende Forschungsprojekte sollten dies beachten und zur Vorbeugung von Generationenkonflikten beitragen.

Mit Technik allein lassen sich die entstehenden Herausforderungen folglich nicht lösen, sondern es bedarf in vielen Bereichen eines Umdenkens und übergreifender Konzepte. Diese technisch-gesellschaftliche Lösungen sollten dann in "Reallaboren" unter realen Bedingungen erprobt werden und können Hinweise darauf liefern, wie längerfristig ein gutes Miteinander und Füreinander der unterschiedlichen Generationen möglich ist.

Die Studie "Schrumpfende Gesellschaften im Vergleich. Maßnahmen gegen die Folgen des demografischen Wandels" kann hier heruntergeladen werden: http://www.isi.fraunhofer.de/isi-wAssets/docs/v/de/publikationen/CU_BMBF-SCHRUMP...

Weitere Informationen:

http://www.isi.fraunhofer.de/isi-wAssets/docs/v/de/publikationen/CU_BMBF-SCHRUMP...

Anne-Catherine Jung | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Deutschland wächst – aber nicht überall
24.04.2018 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

nachricht Daseinsvorsorge in Stadt und Land sichern
08.11.2017 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics