Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Personen in ärmlichen Wohngegenden haben erhöhtes Sterberisiko

25.06.2012
Leben wir in einer Nachbarschaft mit einem tiefen sozioökonomischen Status, ist unser Sterberisiko erhöht: Diesen Zusammenhang haben Forschende des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin (ISPM) der Universität Bern nun mit einem neuen Index für die Schweiz nachgewiesen.

Dass sowohl unser sozioökonomischer Status als auch das regionale Umfeld Einfluss auf unsere Gesundheit haben, ist bereits bekannt. In der Schweiz gab es aber bisher keinen Index, um die nähere Nachbarschaft, in der wir leben, diesbezüglich zu beschreiben.

Eine Gruppe um den Doktoranden Radoslaw Panczak und Professor Matthias Egger vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin (ISPM) der Universität Bern hat jetzt in Zusammenarbeit mit Forschenden in Lausanne und Bristol (UK) einen solchen Index entwickelt.

Dazu bestimmten sie für jedes Gebäude in der Schweiz die unmittelbare Nachbarschaft. Diese bestand aus rund 50 der umliegenden Häuser. Basierend auf den Mieten, der Bildung, den Berufen und den Wohnverhältnissen wurde der nachbarschaftliche sozioökonomische Index von insgesamt 1.27 Millionen Häusern errechnet. Die Daten stammten aus den anonymisierten Angaben der Volkszählung 2000 und wurden mit unabhängigen Daten über Einkommen und Sterberaten von 2001 bis 2008 kombiniert.

Daraus entstand der «Swiss neighbourhood index of socioeconomic position» (Swiss-SEP), dessen Ergebnisse nun im «Journal of Epidemiology & Community Health» publiziert wurden.

Niedrigste Index-Kategorie weist höchstes Sterberisiko auf

Der Index wurde in zehn Kategorien unterteilt, mit 1 als tiefstem und 10 als höchstem Indexwert. Anhand dieser Kategorien analysierten die Forschenden die Sterblichkeit in der Schweizer Kohortenstudie (Swiss National Cohort). Dabei zeigten sich je nach Wohnort für einige Todesursachen beträchtliche Unterschiede im Sterberisiko. Insgesamt war das Risiko, von 2001 bis 2008 zu sterben, in Haushalten in der niedrigsten Index-Kategorie um 40 Prozent höher als in den Haushalten in der höchsten Kategorie.

Am stärksten erhöht war das Risiko für den Tod durch Verkehrsunfälle, Atemwegserkrankungen, Lungenkrebs sowie Herzinfarkte. Hingegen war das Suizidrisiko in den Haushalten der niedrigsten Kategorie tiefer als in jenen der höchsten Kategorie. Die Forschenden erklären dies durch die in der Schweiz nicht ausdrücklich geregelte Suizidbeihilfe, die Studien zufolge vor allem in gut gebildeten, urbanen Schichten praktiziert wird.

Geografisch konzentrierten sich die Kategorien mit dem höchsten Index-Wert in den urbanen Ballungszentren, allen voran Zürich, Genf, Basel, Bern und deren Umgebung, etwa am Genferseebogen oder auf beiden Seiten des Zürichsees. Nachbarschaften der niederen Kategorien finden sich vor allem unmittelbar nördlich der Alpen, wo keine Seen sind, nördlich des Neuenburger- und Bielersees sowie in den alpinen Tälern.

Junge Personen sowie Immigrantinnen und Immigranten lebten hauptsächlich in den Nachbarschaften mit dem niedrigsten Indexwert, während ältere Leute sowie Schweizerinnen und Schweizer die höchsten Kategorien dominieren. Der Anteil französisch- und italienischsprachiger Nachbarschaften sank bei steigenden Index-Werten, während der Anteil der deutschsprachigen stieg: In den Nachbarschaften der höchsten Kategorie wurde zu 76 Prozent deutsch gesprochen.

«Sozioökonomische Ungleichheiten sind auch in der Schweiz ein wichtiges Thema», sagt der Leiter der Studie, Matthias Egger. «Mit diesem Index steht nun ein Instrument zur Verfügung, um diese Ungleichheiten zu lokalisieren, Massnahmen zu planen und deren Wirksamkeit zu evaluieren.»

Bibliographische Angaben: Radoslaw Panczak, Bruna Galobardes, Marieke Voorposte, Adrian Spoerri, Marcel Zwahlen, Matthias Egger, for the Swiss National Cohort and the Swiss Household Panel: A Swiss neighbourhood index of socioeconomic position: development and association with mortality, Journal of Epidemiology and Community Health, 18. Juni 2012, doi:10.1136/jech-2011-200699

Nathalie Matter | Universität Bern
Weitere Informationen:
http://www.unibe.ch
http://www.kommunikation.unibe.ch/content/medien/medienmitteilungen/news/2012/sep/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Fotos aus sozialen Medien zeigen soziokulturellen Wert von Landschaften
12.10.2018 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Der ängstliche Nao - Wenn Menschen emotional auf Roboter reagieren
14.08.2018 | Universität Duisburg-Essen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Data use draining your battery? Tiny device to speed up memory while also saving power

The more objects we make "smart," from watches to entire buildings, the greater the need for these devices to store and retrieve massive amounts of data quickly without consuming too much power.

Millions of new memory cells could be part of a computer chip and provide that speed and energy savings, thanks to the discovery of a previously unobserved...

Im Focus: Quantenkryptographie ist bereit für das Netz

Wiener Quantenforscher der ÖAW realisierten in Zusammenarbeit mit dem AIT erstmals ein quantenphysikalisch verschlüsseltes Netzwerk zwischen vier aktiven Teilnehmern. Diesen wissenschaftlichen Durchbruch würdigt das Fachjournal „Nature“ nun mit einer Cover-Story.

Alice und Bob bekommen Gesellschaft: Bisher fand quantenkryptographisch verschlüsselte Kommunikation primär zwischen zwei aktiven Teilnehmern, zumeist Alice...

Im Focus: An energy-efficient way to stay warm: Sew high-tech heating patches to your clothes

Personal patches could reduce energy waste in buildings, Rutgers-led study says

What if, instead of turning up the thermostat, you could warm up with high-tech, flexible patches sewn into your clothes - while significantly reducing your...

Im Focus: Tödliche Kombination: Medikamenten-Cocktail dreht Krebszellen den Saft ab

Zusammen mit einem Blutdrucksenker hemmt ein häufig verwendetes Diabetes-Medikament gezielt das Krebswachstum – dies haben Forschende am Biozentrum der Universität Basel vor zwei Jahren entdeckt. In einer Folgestudie, die kürzlich in «Cell Reports» veröffentlicht wurde, berichten die Wissenschaftler nun, dass dieser Medikamenten-Cocktail die Energieversorgung von Krebszellen kappt und sie dadurch abtötet.

Das oft verschriebene Diabetes-Medikament Metformin senkt nicht nur den Blutzuckerspiegel, sondern hat auch eine krebshemmende Wirkung. Jedoch ist die gängige...

Im Focus: Lethal combination: Drug cocktail turns off the juice to cancer cells

A widely used diabetes medication combined with an antihypertensive drug specifically inhibits tumor growth – this was discovered by researchers from the University of Basel’s Biozentrum two years ago. In a follow-up study, recently published in “Cell Reports”, the scientists report that this drug cocktail induces cancer cell death by switching off their energy supply.

The widely used anti-diabetes drug metformin not only reduces blood sugar but also has an anti-cancer effect. However, the metformin dose commonly used in the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Tagung 2019 in Essen: LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

14.12.2018 | Veranstaltungen

Pro und Contra in der urologischen Onkologie

14.12.2018 | Veranstaltungen

Konferenz zu Usability und künstlicher Intelligenz an der Universität Mannheim

13.12.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Tagung 2019 in Essen: LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

14.12.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Rittal heizt ein in Sachen Umweltschutz - Rittal Lackieranlage sorgt für warme Verwaltungsbüros

14.12.2018 | Unternehmensmeldung

Krankheiten entstehen, wenn das Netzwerk von regulatorischen Autoantikörpern aus der Balance gerät

14.12.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics