Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mobilität und gesellschaftlicher Zusammenhalt im mehrsprachigen Europa

18.09.2015

Im Rahmen des von der Europäischen Kommission mit rund fünf Millionen Euro geförderten Projekts MIME wird an der Universität Augsburg der Arbeitsbereich "Society" koordiniert und die Frage der Identitätsbildung unter den Bedingungen sprachlicher Vielfalt erforscht.

Wie kann einerseits die Mobilität der EU-Bürgerinnen und Bürger auf ihrem mehrsprachigen Kontinent gefördert und andererseits zugleich der soziale Zusammenhalt in den einzelnen europäischen Gesellschaften gestärkt werden?


Knüpft mit dem neuen europäischen Forschungsnetzwerk MIME an das 2014 erfolgreich abgeschlossene ESF-Projekt RECODE an: der Augsburger Politikwissenschaftler Prof. Dr. Peter A. Kraus

Foto: privat

Dieser Frage widmet sich das Projekt "Mobilität und Inklusion im mehrsprachigen Europa" (MIME) mit dem Auftrag, Maßnahmen und Strategien zu entwickeln, die eine Vereinbarkeit der beiden Ziele "Mobilität" und "Inklusion" ermöglichen und befördern sollen. MIME wird von der Europäischen Kommission im Rahmen des 7. Forschungsrahmenprogramms mit knapp fünf Millionen Euro finanziert.

Neben der Augsburger Professur für Vergleichende Politikwissenschaft (Prof. Dr. Peter A. Kraus) sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zwanzig weiterer Universitäten aus 16 europäischen Ländern am MIME-Konsortium beteiligt. Die Ergebnisse der einzelnen Fall- und konzeptionellen Studien sollen 2019 vorliegen und veröffentlicht werden.

Mehr Mobilität der Bürgerinnen und Bürger innerhalb der EU und mehr Inklusion - sozialer Zusammenhalt also - innerhalb der einzelnen Gesellschaften der EU-Länder: beides sind wichtige Ziele der Europäischen Gemeinschaft, beide Ziele parallel zueinander und gleichzeitig erreichen zu wollen, stellt aber nicht nur die politischen Entscheidungsträgerinnen und -träger in den EU-Institutionen vor erhebliche Herausforderungen, sondern auch die Menschen in den europäischen Gesellschaften selbst.

Mobilität und innergesellschaftlicher Zusammenhalt: ein unlösbarer Widerspruch?

Höhere Mobilität und stärkere Inklusion schließen sich zwar nicht grundsätzlich gegenseitig aus, sie sind jedoch auch nicht ohne Weiteres miteinander vereinbar. Denn während mehr Mobiltät u. a. mit europaweit geltenden Standards erreicht werden kann, sind die Bedingungen des sozialen Zusammenhalts einer Gesellschaft von sehr unterschiedlichen und abgrenzenden sprachlichen und kulturellen Kontexten geprägt, die des Ausgleichs bedürfen.

Veränderbarkeit der Ausgleichsmechanismen

Die am MIME-Konsortium beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler teilen programmatisch die gemeinsame Überzeugung, dass die bislang in der EU existierenden Verfahren eines solchen Ausgleichs nicht als unveränderlich gegeben hingenommen werden müssen; vielmehr seien sie sowohl in symbolischer als auch in materieller bzw. finanzieller Hinsicht modifizierbar, und zwar durch sorgsam konzipierte Praktiken öffentlicher Politik und durch die intelligente Nutzung zivilgesellschaftlicher Binnendynamiken.

Ausgeprägte Interdisziplinarität und dezidierte Beratungsorientierung

Regelmäßige Koordinationstreffen werden dazu dienen, die unterschiedlichen Perspektiven der insgesamt zehn Disziplinen, die im MIME-Konsortium vertreten sind, zusammenzubringen. Neben der beratungsorientierten Ausrichtung war diese ausgeprägte Interdisziplinarität ein ausschlaggebender Faktor, weshalb sich das MIME-Projekt bei der Bewerbung um die Fördermittel der Europäischen Kommission gegen zwanzig Konkurrenten durchsetzen konnte.

"Unser interdisziplinärer Ansatz macht es möglich, die Bedingungen für eine hohe Mobilität und eine gelingende Inklusion der Menschen im mehrsprachigen Europa umfassend zu bestimmen", erläutert Kraus.

Die dezidierte Beratungsorientierung der beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wiederum stelle für die politische Umsetzung der MIME-Forschungsergebnisse substantielle Vorschläge und Empfehlungen in Aussicht. Letztere sollen ein breites Themen- und Fragenspektrum abdecken, das von einem tieferen Verständnis der Funktionsweise von Institutionen in mehrsprachigen Kontexten über Nachbarschaftsbeziehungen in multikulturellen Städten bis hin zu Aspekten des Spracherwerbs und der Analyse von Kommunikationskanälen im sozialen und schulischen Umfeld reicht.

Kraus: "Dass wir für alle relevanten Aspekte und Probleme, die unser Forschungsauftrag umfasst, nicht nur Politikoptionen vorschlagen, sondern auch die soziale Relevanz unserer Vorschläge sicherstellen, gehört zum Kern des MIME-Konzepts."

Von Augsburg aus koordiniert: der MIME-Arbeitsbereich "Society"

Kraus ist "Interdisciplinarity Manager" des Gesamtprojekts und Leiter des MIME-Arbeitsbereichs "Society". Er kooperiert in diesem Arbeitsbereich mit Amsterdamer und Brüsseler Kolleginnen und Kollegen aus den Disziplinen Soziologie, Politikwissenschaft und Geographie, um zu analysieren, wie die Sprachenvielfalt in einer Gesellschaft von den Menschen in ihrem Alltag wahrgenommen wird und inwiefern diese Vielfalt für die Konstruktion individueller und kollektiver Identitäten eine Rolle spielt. Kraus: "Es geht uns darum herauszufinden, welche Rolle die Mehrsprachigkeit in europäischen Großstädten für die Identitätsbildung ihrer Bewohnerinnen und Bewohner spielt bzw. spielen kann."

Augsburger Teilprojekt: Identitätsbildung unter den Bedingungen sprachlicher Vielfalt

In seinem eigenen Augsburger MIME-Teilprojekt untersucht Kraus zusammen mit seinen Mitarbeiterinnen Melanie Frank und Malika Bashirova speziell, wie neue und beständige Formen von Identitäten unter den Bedingungen sprachlicher Vielfalt gebildet werden und wie sie sich im gesellschaftlichen und politischen Umgang mit der Mehrsprachigkeit widerspiegeln. Illustriert wird die theoretische Arbeit anhand der Beispiele Rigas und Barcelonas, zweier Städte, in denen das gesellschaftliche Leben von einer komplexen kulturellen und sprachlichen Vielfalt geprägt ist.

Von RECODE zu MIME

Kraus kann hier an seine bisherigen umfangreichen Forschungen zum Phänomen der komplexen Vielfalt in europäischen Gesellschaften anknüpfen: Unter seiner Federführung hatte sich ein Forschungsteam im Rahmen des von der European Science Foundation (ESF) geförderten und 2014 abgeschlossenen Projekts RECODE (Responding to Complex Diversity in Europe and Canada) intensiv mit den Bedingungen und den politischen Herausforderungen sozio-kultureller Vielfalt auseinandergesetzt.

Vernetzte sozialwissenschaftliche Forschung zur Sprachenvielfalt

Im Kontext seiner abgeschlossenen und laufenden Forschungen hat Kraus zusammen mit seinen beiden MIME-Mitarbeiterinnen und mit seinem ehemaligen RECODE-Mitarbeiter Ivan Greguric inzwischen einen Arbeitskreis "Sprache und Politik" ins Leben gerufen. Regelmäßige Treffen, sowie thematisch einschlägige Workshops und Gastvorträge auswärtiger Fachleute sollen die Universität Augsburg zu einem Kristallisationspunkt für eine vernetzte sozialwissenschaftliche Forschung zur Sprachenvielfalt und ihren sozialen und politischen Manifestationen in den heutigen Gesellschaften machen.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Peter A. Kraus
Vergleichende Politikwissenschaft/Institut für Kanada-Studien
Universität Augsburg
D-86135 Augsburg
Telefon +49(0)821-598-5263
peter.kraus@phil.uni-augsburg.de

Weitere Informationen:

http://www.mime-project.org

Klaus P. Prem | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Fotos aus sozialen Medien zeigen soziokulturellen Wert von Landschaften
12.10.2018 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Der ängstliche Nao - Wenn Menschen emotional auf Roboter reagieren
14.08.2018 | Universität Duisburg-Essen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ein Chip mit echten Blutgefäßen

An der TU Wien wurden Bio-Chips entwickelt, in denen man Gewebe herstellen und untersuchen kann. Die Stoffzufuhr lässt sich dabei sehr präzise dosieren.

Menschliche Zellen in der Petrischale zu vermehren, ist heute keine große Herausforderung mehr. Künstliches Gewebe herzustellen, durchzogen von feinen...

Im Focus: A Chip with Blood Vessels

Biochips have been developed at TU Wien (Vienna), on which tissue can be produced and examined. This allows supplying the tissue with different substances in a very controlled way.

Cultivating human cells in the Petri dish is not a big challenge today. Producing artificial tissue, however, permeated by fine blood vessels, is a much more...

Im Focus: Optimierung von Legierungswerkstoffen: Diffusionsvorgänge in Nanoteilchen entschlüsselt

Ein Forschungsteam der TU Graz entdeckt atomar ablaufende Prozesse, die neue Ansätze zur Verbesserung von Materialeigenschaften liefern.

Aluminiumlegierungen verfügen über einzigartige Materialeigenschaften und sind unverzichtbare Werkstoffe im Flugzeugbau sowie in der Weltraumtechnik.

Im Focus: Graphen auf dem Weg zur Supraleitung

Doppelschichten aus Graphen haben eine Eigenschaft, die ihnen erlauben könnte, Strom völlig widerstandslos zu leiten. Dies zeigt nun eine Arbeit an BESSY II. Ein Team hat dafür die Bandstruktur dieser Proben mit extrem hoher Präzision ausgemessen und an einer überraschenden Stelle einen flachen Bereich entdeckt. Möglich wurde dies durch die extrem hohe Auflösung des ARPES-Instruments an BESSY II.

Aus reinem Kohlenstoff bestehen so unterschiedliche Materialien wie Diamant, Graphit oder Graphen. In Graphen bilden die Kohlenstoffatome ein zweidimensionales...

Im Focus: Datensicherheit: Aufbruch in die Quantentechnologie

Den Datenverkehr noch schneller und abhörsicher machen: Darauf zielt ein neues Verbundprojekt ab, an dem Physiker der Uni Würzburg beteiligt sind. Das Bundesforschungsministerium fördert das Projekt mit 14,8 Millionen Euro.

Je stärker die Digitalisierung voranschreitet, umso mehr gewinnen Datensicherheit und sichere Kommunikation an Bedeutung. Für diese Ziele ist die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Tagung informiert über künstliche Intelligenz

13.11.2018 | Veranstaltungen

Wer rechnet schneller? Algorithmen und ihre gesellschaftliche Überwachung

12.11.2018 | Veranstaltungen

Profilierte Ausblicke auf die Mobilität von morgen

12.11.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

MagicMoney: Offline bezahlen – mit deinem Smartphone

13.11.2018 | Wirtschaft Finanzen

5G sichert Zukunft von Industrie 4.0 – DFKI mit der SmartFactoryKL auf der SPS IPC Drives

13.11.2018 | Messenachrichten

Tagung informiert über künstliche Intelligenz

13.11.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics