Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Macht des Nachahmens

27.06.2013
Imitation fördert schon bei Kleinkindern soziales Verhalten

Imitation ist nicht nur ein Hilfsmittel, um von anderen zu lernen. Erwachsene kopieren regelmäßig und ganz automatisch den Bewegungsablauf, die Haltung und den Gesichtsausdruck anderer Menschen. Wenn uns jemand nachahmt, verhalten wir uns hilfsbereiter und großzügiger.

Ein Wissenschaftlerteam vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig hat nun den Einfluss von Imitation auf das Sozialverhalten von Kindern untersucht. Demnach helfen schon anderthalb Jahre alte Kleinkinder lieber den Erwachsenen, von denen sie zuvor imitiert wurden. In einer weiteren Studie fanden die Forscher heraus, dass fünf- bis sechsjährige Kinder eher den Menschen vertrauen, die sie zuvor imitiert hatten. Durch Nachahmen können Erwachsene also die Entwicklung von Vorschulkindern beeinflussen.

Die Max-Planck-Wissenschaftler haben das Verhalten von Kindern unterschiedlichen Alters in zwei Studien analysiert. In einer Studie mit rund 50 anderthalb Jahre alten Kleinkindern reagierte die Studienleiterin unterschiedlich auf Bewegungen der Kinder: Im einen Fall kopierte sie jede Bewegung der Kinder, im anderen führte die Studienleiterin als Antwort auf jede Aktion des Kindes eine andere Bewegung aus.

Als sie oder ein anderer Erwachsener dann Hilfe beim Öffnen einer Schranktür oder beim Aufheben von Stöcken brauchten, waren die zuvor imitierten Kinder sehr viel eher zu spontaner Hilfe bereit als die nicht nachgeahmten Kinder. „Bereits im Kleinkindalter hat Imitation also positive soziale Auswirkungen: Es fördert eine allgemeine prosoziale Orientierung anderen Menschen gegenüber”, sagt Malinda Carpenter vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie.

In einer zweiten Studie untersuchten die Forscher, wie sich Nachahmung auf die Empfänglichkeit von Vorschulkindern gegenüber sozialer Beeinflussung auswirken würde. Dazu nahmen fünf- bis sechsjährige Kinder zunächst an einer Imitationsphase teil, in der ihnen die Wissenschaftler Tierfotos zeigten. Nachdem sich die eine Hälfte der Kinder für ein Lieblingstier entschieden hatte, wählten die Studienleiterinnen ebenfalls ein Lieblingstier: entweder ein zur Wahl des Kindes identisches oder ein anderes Tier. Außerdem sollte ein Teil der Kinder eine faktische Frage zu den abgebildeten Tieren beantworten. Wieder imitierte eine der Studienleiterinnen die Entscheidung der Kinder, während die andere ihre eigene Wahl traf.

In anschließenden Tests wählten die Studienleiterinnen jeweils unterschiedliche Objekte aus und wendeten ein unbekanntes Wort auf eines von zwei unterschiedlichen Objekten an. „Die Kinder stimmten eher den Vorlieben und Tatsachenbehauptungen der Studienleiterin zu, die sie zuvor imitiert hatte”, sagt Harriet Over vom Leipziger Max-Planck-Institut. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass Imitation einen starken sozialen Einfluss sowohl auf Kinder als auch auf Erwachsene hat. Sie beeinflusst zudem, wie stark Kinder durch die Vorlieben und Meinungen anderer Menschen beeinflusst werden.“ Vermutlich dient der menschliche Drang nachzuahmen dazu, gute Beziehungen zwischen Individuen herzustellen und dadurch den Zusammenhalt in der sozialen Gruppe zu stärken. In künftigen Forschungsarbeiten wollen die Wissenschaftler untersuchen, wie weit der Einfluss von Imitation geht und ob sie auch negative Konsequenzen haben kann.

Ansprechpartner

Dr. Malinda Carpenter
Telefon: +49 341 3550-419
E-Mail: carpenter@­eva.mpg.de
Katharina Haberl
Telefon: +49 341 3550-417
E-Mail: haberl@­eva.mpg.de
Originalpublikationen
Harriet Over, Malinda Carpenter, Russell Spears, Merideth Gattis
Children Selectively Trust Individuals Who Have Imitated Them
Social Development, 11. März 2013, DOI: 10.1111/sode.12020
Malinda Carpenter, Johanna Uebel, Michael Tomasello
Being Mimicked Increases Prosocial Behavior in 18-Month-Old Infants
Child Development, 14. März 2013, DOI: 10.1111/cdev.12083

Dr. Malinda Carpenter | Max-Planck-Institut
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de/7425135/nachahmen_kinder

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Der ängstliche Nao - Wenn Menschen emotional auf Roboter reagieren
14.08.2018 | Universität Duisburg-Essen

nachricht Mit stochastischer Spieltheorie zu mehr Kooperation
05.07.2018 | Institute of Science and Technology Austria

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Mischung macht‘s: Jülicher Forscher entwickeln schnellladefähige Festkörperbatterie

Mit Festkörperbatterien sind aktuell große Hoffnungen verbunden. Sie enthalten keine flüssigen Teile, die auslaufen oder in Brand geraten könnten. Aus diesem Grund sind sie unempfindlich gegenüber Hitze und gelten als noch deutlich sicherer, zuverlässiger und langlebiger als herkömmliche Lithium-Ionen-Batterien. Jülicher Wissenschaftler haben nun ein neues Konzept vorgestellt, das zehnmal größere Ströme beim Laden und Entladen erlaubt als in der Fachliteratur bislang beschrieben. Die Verbesserung erzielten sie durch eine „clevere“ Materialwahl. Alle Komponenten wurden aus Phosphatverbindungen gefertigt, die chemisch und mechanisch sehr gut zusammenpassen.

Die geringe Stromstärke gilt als einer der Knackpunkte bei der Entwicklung von Festkörperbatterien. Sie führt dazu, dass die Batterien relativ viel Zeit zum...

Im Focus: It’s All in the Mix: Jülich Researchers are Developing Fast-Charging Solid-State Batteries

There are currently great hopes for solid-state batteries. They contain no liquid parts that could leak or catch fire. For this reason, they do not require cooling and are considered to be much safer, more reliable, and longer lasting than traditional lithium-ion batteries. Jülich scientists have now introduced a new concept that allows currents up to ten times greater during charging and discharging than previously described in the literature. The improvement was achieved by a “clever” choice of materials with a focus on consistently good compatibility. All components were made from phosphate compounds, which are well matched both chemically and mechanically.

The low current is considered one of the biggest hurdles in the development of solid-state batteries. It is the reason why the batteries take a relatively long...

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Dialog an Deck, Science Slam und Pong-Battle

21.08.2018 | Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Zukünftige Informationstechnologien: Wärmetransport auf der Nanoskala unter die Lupe genommen

21.08.2018 | Physik Astronomie

Bedeutung des „Ozeanwetters“ für Ökosysteme

21.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

Auf dem Weg zur personalisierten Medizin

21.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics