Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Geld in Paarbeziehungen - Finanzen sind ein konfliktträchtiges Thema zwischen Mann und Frau

01.10.2012
Wenn sich Männer und Frauen in Paarbeziehungen über Geld streiten, hängt dies meist damit zusammen, dass sie sich unbewusst mit den monetären Konflikten in ihren Herkunftsfamilien auseinandersetzen.
„Der Geldstil, den sie in ihrer Beziehung zu realisieren suchen, wird in ihrer lebensgeschichtlichen Vergangenheit vorbereitet. In dieser Zeit kommt es zu Identifikationen und Gegenidentifikationen mit den Geldbotschaften, die ihnen ihre Eltern und andere signifikante Bezugspersonen vermittelt haben“, konstatiert der Frankfurter Sozialpsychologe Prof. Dr. Dr. Rolf Haubl in seinem Beitrag in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazin Forschung Frankfurt.

Diese Geldstile sind relativ stabil und lassen sich auch dann nicht so leicht verändern, wenn sie zu häufigen Auseinandersetzungen in der Paarbeziehung führen. Über das Geld werden oft latente Beziehungskonflikte ausgetragen.

Dazu Haubl, der neben seiner Professur an der Goethe-Universität auch Direktor des Frankfurter Sigmund-Freud-Instituts ist: „Geldkonflikte beruhen dabei nicht einfach auf Missverständnissen, die leicht auszuräumen wären. Denn es handelt sich nicht um bloße Gedankenlosigkeit, die zu Konflikten führt, sondern um Identitätsprobleme, die oft nur schwer in Worte zu fassen und noch schwerer dem Partner verständlich zu machen sind.

Aufgrund dieser Kommunikationsschwierigkeiten neigen Paare nicht selten dazu, das Thema früher oder später zu tabuisieren.“ Doch Schweigen ist keine Lösung, weil das Geld dann hinter dem Rücken des Paares „spricht“: „Deshalb kann es sinnvoll sein, sich unter professioneller Anleitung mit dem eigenen Lebensstil zu befassen“, so der Sozialpsychologe.

In den Paarkonflikten geht es meist um die Verteilung des Haushaltseinkommens. Dabei zeigt sich, dass die Bedeutung des Geldes nicht geschlechtsneutral ist: Männer verbinden Geld am häufigsten mit Erfolg und Macht, Frauen dagegen mit Sicherheit und Selbstständigkeit. Dazu Haubl: „Das mag daran liegen, dass Sicherheit und Selbstständigkeit für Frauen prekäre psychosoziale Ressourcen sind, während Männer sie sehr viel eher als selbstverständlichen Besitzstand voraussetzen. Erfolg und Macht ist aber auch für Männer nicht selbstverständlich, weshalb sie diese auch benennen.“ Dass Geld für Männer und Frauen auch eine stimulierende, geradezu erotische Komponente besitzt, wird eher tabuisiert und nur von wenigen angesprochen.

„Monetär kompetent sind wir aus psychodynamischer Perspektive aber nur dann, wenn wir um unsere Wünsche und Ängste wissen. Diese verbinden sich lebensgeschichtlich mit Geld als einem Medium, das in der monetarisierten Gesellschaft, in der wir leben, hinterrücks alle unsere Beziehungen strukturiert“, so Haubl. Er hält die monetäre Kompetenz für eine der wichtigsten Kulturtechniken, die bereits in der Kindheit entwickelt werden müsse. „Wir sollten nicht nur früh lernen, was wir mit Geld machen, sondern auch was Geld mit uns macht.“

Informationen: Prof. Dr. Dr. Rolf Haubl, Professur für psychoanalytische Sozialpsychologie, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, Campus Bockenheim, Tel. (069) 798 23644, haubl@soz.uni-frankfurt.de;

„Forschung Frankfurt“ (Schwerpunktthema "Geld im Wandel") kostenlos bestellen: ott@pvw.uni-frankfurt.de ; im Internet: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/34831594/aktuelle_Ausgabe

Ulrike Jaspers | idw
Weitere Informationen:
http://www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/34831594/aktuelle_Ausgabe

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Hohe Akzeptanz für smarte Produkte
20.02.2020 | Universität Luzern

nachricht Ohne Berufsausbildung fünfmal so hohe Arbeitslosenquote
15.10.2019 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wiegende Halme auf der Handwerksmesse München

Talente-Sonderschau: Architekturstudenten der HTWK Leipzig zeigen filigrane Skulptur aus Strohhalmen – dahinter steckt eine Konstruktionsidee für organisch gekrümmte Fassaden

Swaying Straws (Wiegende Halme) heißt die Skulptur, die die zwei Architekturstudenten Fabian Eidner und Theodor Reinhardt von der Hochschule für Technik,...

Im Focus: Wissenschaftler beleuchten aktuellen Stand der Anwendung des Maschinenlernens bei Forschung an aktiven Materialien

Verfahren des Maschinenlernens haben durch die Verfügbarkeit von enormen Datenmengen in den vergangenen Jahren einen großen Zuwachs an Anwendungen in vielen Gebieten erfahren: vom Klassifizieren von Objekten, über die Analyse von Zeitreihen bis hin zur Kontrolle von Computerspielen und Fahrzeugen. In einem aktuellen Review in der Zeitschrift „Nature Machine Intelligence“ beleuchten Autoren der Universitäten Leipzig und Göteborg den aktuellen Stand der Anwendung und Anwendungsmöglichkeiten des Maschinenlernens im Bereich der Forschung an aktiven Materialien.

Als aktive Materialien bezeichnet man Systeme, die durch die Umwandlung von Energie angetrieben werden. Bestes Beispiel für aktive Materialien sind biologische...

Im Focus: Computersimulationen stellen bildlich dar, wie DNA erkannt wird, um Zellen in Stammzellen umzuwandeln

Forscher des Hubrecht-Instituts (KNAW - Niederlande) und des Max-Planck-Instituts in Münster haben entdeckt, wie ein essentielles Protein bei der Umwandlung von normalen adulten humanen Zellen in Stammzellen zur Aktivierung der genomischen DNA beiträgt. Ihre Ergebnisse werden im „Biophysical Journal“ veröffentlicht.

Die Identität einer Zelle wird dadurch bestimmt, ob die DNA zu einem beliebigen Zeitpunkt „gelesen“ oder „nicht gelesen“ wird. Die Signalisierung in der Zelle,...

Im Focus: Bayreuther Hochdruck-Forscher entdecken vielversprechendes Material für Informationstechnologien

Forscher der Universität Bayreuth haben ein ungewöhnliches Material entdeckt: Bei einer Abkühlung auf zwei Grad Celsius ändern sich seine Kristallstruktur und seine elektronischen Eigenschaften abrupt und signifikant. In diesem neuen Zustand lassen sich die Abstände zwischen Eisenatomen mithilfe von Lichtstrahlen gezielt verändern. Daraus ergeben sich hochinteressante Anwendungsmöglichkeiten im Bereich der Informationstechnologien. In der Zeitschrift „Angewandte Chemie – International Edition“ stellen die Wissenschaftler ihre Entdeckung vor. Die neuen Erkenntnisse sind aus einer engen Zusammenarbeit mit Partnereinrichtungen in Augsburg, Dresden, Hamburg und Moskau hervorgegangen.

Bei dem ungewöhnlichen Material handelt es sich um ein Eisenoxid mit der Zusammensetzung Fe₅O₆. In einem Hochdrucklabor des Bayerischen Geoinstituts (BGI),...

Im Focus: Von China an den Südpol: Mit vereinten Kräften dem Rätsel der Neutrinomassen auf der Spur

Studie von Mainzer Physikern zeigt: Experimente der nächsten Generation versprechen Antworten auf eine der aktuellsten Fragen der Neutrinophysik

Eine der spannendsten Herausforderungen der modernen Physik ist die Ordnung oder Hierarchie der Neutrinomassen. Eine aktuelle Studie, an der Physiker des...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Hate Speech bis KI: Online-Forscher_innen aus aller Welt treffen sich zur General Online Research an der HTW Berlin

28.02.2020 | Veranstaltungen

CLIMATE2020 – Weltweite Online-Klimakonferenz vom 23. bis 30. März 2020

26.02.2020 | Veranstaltungen

Automatisierung im Dienst des Menschen

25.02.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Asteroid in eiserner Rüstung

28.02.2020 | Geowissenschaften

Hate Speech bis KI: Online-Forscher_innen aus aller Welt treffen sich zur General Online Research an der HTW Berlin

28.02.2020 | Veranstaltungsnachrichten

UV-Licht gegen störenden Unterwasserbewuchs – Innovatives Antifouling-System des IOW jetzt reif für Serienproduktion

28.02.2020 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics