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Unruhen in Frankreich, No go-areas in Deutschland: Phänomene innergesellschaftlicher Gewalt

03.05.2007
Einerseits wächst die Weltgemeinschaft zunehmend zusammen, andererseits zersplittern ursprünglich nationale Gemeinschaften und innere Konflikte brechen auf.

Im Zeitalter der europäischen und der globalen Gesellschaft zeigen Ausschreitungen wie die in Paris 2005 und 2006 oder Diskussionen über No go-areas in Deutschland eine Ausbildung von "Gesellschaften in der Gesellschaft", die ein brisantes Konfliktpotential bergen: das der vom "globalen Diskurs" Ausgegrenzten. Prof. Dr. Susanne Hartwig (Lehrstuhl für Romanische Literaturen und Kulturen) und PD Dr. Isabella von Treskow (Universität Potsdam/Institut für Romanistik) wollen diese Phänomene im Rahmen der Tagung "Bruders Hüter/Bruders Mörder: Intellektuelle zwischen Analyse und Imagination innergesellschaftlicher Gewalt" näher beleuchten. Umrahmt wird die Tagung von einer Filmreihe im ScharfrichterKino, die am 4. Mai mit "Hotel Ruanda" startet.

Die Organisatoren wollen unter dem Motto "Bruders Hüter/Bruders Mörder" ausgewiesene Vertreter kultur- und sozialwissenschaftlicher Disziplinen zur wissenschaftlichen Auseinandersetzung zusammenführen. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage nach der Funktion von Intellektuellen in innergesellschaftlichen Konflikten - im lokalen Rahmen wie innerhalb der "Weltgesellschaft". Diese Funktion lässt sich anhand von Stellungnahmen zu innergesellschaftlichen Gewaltkonflikten ab Mitte des 20. Jahrhunderts in Europa, Lateinamerika, Asien und Afrika skizzieren: Welche Positionen haben Intellektuelle bezogen? Auf welche Positionen beziehen sie sich? Welche Kommunikationsmittel nutzen sie? Wie wird Gewalt von Intellektuellen legitimiert bzw. delegitimiert?

Zudem stehen Intellektuelle angesichts einer Zunahme 'mediatisierter Ereignisse' vor dem Problem, dass ihre Stellungnahmen zu gesellschaftlichen Konflikten selbst zum Teil des Konfliktes werden: Mediatisierte Ereignisse sind Geschehnisse, die zwar vermutlich auch ohne die Berichterstattung geschehen wären, wegen dieser aber einen spezifischen, mediengerechten Charakter erhalten. Die Repräsentation eines innergesellschaftlichen Konfliktes läuft dementsprechend Gefahr, selbst zur Fortschreibung des Konfliktes beizutragen (wie das stigmatisierende Stichwort "neue Unterschicht" in Deutschland zeigt, das ein Problem zugleich benennt und fortschreibt).

In Frankreich wurden gegen französische Intellektuelle schwere Vorwürfe erhoben, sie hätten angesichts der banlieue-Revolte 2005 versagt. Auch die prekäre Rolle jugoslawischer Intellektueller im Zusammenhang mit dem jugoslawischen Bürgerkrieg ist ein noch offenes Thema. Wie aktuell das Thema in Deutschland ist, zeigt die derzeitige Diskussion um die RAF und insbesondere die Stellungnahmen von Intellektuellen.

Die Einzelvorträge und die Gruppendiskussionen sollen möglichst breit gefächert beschreiben, wie innergesellschaftliche Gewalt in unterschiedlichen Kulturräumen dargestellt wird, wie Intellektuelle in Prozesse der Entscheidungsfindung eingreifen, wie sie sich in den entsprechenden Debatten situieren und welcher Art ihre Konstruktion von ,Feindschaft' ist. Um einen zeitlich möglichst homogenen Rahmen zu schaffen, beschränken sich die Beiträge auf Konflikte des letzten Drittels des 20. und der ersten Jahre des 21. Jahrhunderts. Was die Kulturräume betrifft, wird bewusst Heterogenität angestrebt: Die Beiträge beziehen sich auf Europa, Lateinamerika und Afrika.

Ein weiteres Anliegen des konsequent interdisziplinären Designs der Tagung ist, auch darüber zu reflektieren, wie Kulturwissenschaft aus ihrer leider oft noch anzutreffenden Existenz als "Bindestrich-Disziplin" herausgeholt werden kann. "Es geht ja gerade nicht darum, in fachfremden Gebieten zu dilettieren, sondern aus der eigenen Disziplin heraus Expertenwissen und theoretisches Werkzeug zur Verfügung zu stellen, um sich umfassenden Fragestellungen auf komplexe Weise zu nähern", erläutert Prof. Dr. Hartwig die Zielsetzung der Tagung. Entsprechend heterogen ist die Gruppe der Teilnehmer/innen zusammengesetzt: Anglistische, germanistische und romanistische Literaturwissenschaft, Kulturwissenschaften, Soziologie und Geschichtswissenschaft.

Thoralf Dietz | idw
Weitere Informationen:
http://www.phil.uni-passau.de/roman_litw

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