Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Computerbasierte Lern- und Spielumgebung gegen Mobbing und Gewalt an Schulen

18.05.2006


Im Rahmen eines deutsch-britisch-portugiesisch-italienischen EU-Projekts werden am Augsburger Multimedia-Lehrstuhl intuitive Interaktionsmöglichkeiten mittels Sprache und Gestik untersucht.

... mehr zu:
»Augsburg »Charakter »Gestik »Mobbing

Mobbing und Gewalt unter Schulkindern sind nicht nur ein deutsches Phänomen, sondern lösen auch in anderen europäischen Ländern zunehmende Besorgnis aus. Forscher aus Deutschland, Großbritannien, Portugal und Italien haben sich nun gemeinsam das Ziel gesetzt, durch die Entwicklung einer computerbasierten Lern- und Spielumgebung Kindern das Problem des Mobbings bewusst zu machen und ihnen Strategien an die Hand zu geben, um mit solchen Situationen fertig zu werden. Das Informatikerteam von Prof. Dr. Elisabeth André am Lehrstuhl für Multimedia und Anwendungen der Universität Augsburg untersucht innerhalb des Projekts intuitive Interaktionsmöglichkeiten mittels Sprache und Gestik.

INTERAKTIVES ROLLENSPIEL MIT CHARAKTEREN EINER VIRTUELLEN SCHULKLASSE


In dem von der Europäischen Union geförderten Projekt e-Circus (Education Through Characters With Emotional-Intelligence And Roleplaying Capabilities That Understand Social Interaction) soll emotionales und soziales Lernen durch interaktives Rollenspiel unterstützt werden. Dazu wird eine virtuelle Schulklasse mit künstlichen Charakteren simuliert, die je nach Lernszenario, das üblicherweise ein geschulter Lehrer auswählt, unterschiedliche Rollen einnehmen können. Da gibt es den Täter, der die Attacken anzettelt und dabei oft von Gleichgesinnten unterstützt wird. Virtuelle Zuschauer beobachten das Geschehen, ohne etwas dagegen zu unternehmen, und machen sich sogar noch über das Opfer lustig. Es kann jedoch auch vorkommen, dass sich ein virtueller Mitschüler heldenhaft auf die Seite des Opfers stellt. Innerhalb dieses virtuellen Klassenverbands hat das Kind die Möglichkeit, das Problem des Mobbings aus unterschiedlichen Perspektiven zu erleben und Problemlösungsstrategien in einer sicheren Umgebung auszuprobieren.

UNIVERSITÄT AUGSBURG FÜR INTUITIVE INTERAKTION VERANTWORTLICH

Das Team der Augsburger Informatik ist innerhalb des Projekts für die Entwicklung natürlicher Formen der Interaktion mit dem Computer verantwortlich, die es dem Kind erlauben, sowohl als Beobachter als auch als Akteur am Geschehen teilzunehmen. So kann das Kind dem virtuellen Opfer beispielsweise Ratschläge geben oder Trost spenden und so den weiteren Ablauf einer Geschichte aktiv beeinflussen. Dabei ist das Verhalten der Charaktere nicht von vornherein festgelegt, sondern wird dynamisch in Echtzeit generiert. Damit ergeben sich immer wieder neue Situationen im virtuellen Klassenraum. So wird der Ratschlag des Kindes nicht zwangsläufig angenommen. Ebenso wenig ist sicher, ob die Befolgung des Ratschlags tatsächlich zum Erfolg führt. Die Herausforderung für das Computersystem besteht darin, aus der Vielzahl an Varianten nur die Fortsetzungen der Geschichte zuzulassen, die tatsächlich zum pädagogischen Ziel beitragen.

WEG VON MAUS UND TASTATUR

Neben der Simulation von Mobbing durch körperliche Gewalt interessiert die Augsburger Forscher, wie sich psychisches Mobbing, das sich beispielsweise durch Ausgrenzung aus der Klassengemeinschaft oder Lästern hinter dem Rücken äußert, in einer virtuellen Welt realisieren lässt. Dazu werden die virtuellen Charaktere mit einem kommunikativen Verhalten ausgestattet, das auf der Analyse typischer Gesprächsmuster von Kindern beruht. Auf Maus und Tastatur will das Forscherteam bei der Interaktion völlig verzichten. Stattdessen soll den virtuellen Charakteren mit Hilfe von Methoden des maschinellen Lernens beigebracht werden, spontan geäußerte Sprache und Gestik von Kindern zu verstehen.

TEST DER SOFTWARE AN MEHREREN HUNDERT DEUTSCHEN UND BRITISCHEN SCHÜLERN

Das Computerspiel wird von Psychologen und Pädagogen als möglicher Baustein eines pädagogischen Gesamtkonzepts in deutschen und in britischen Schulen getestet. Nach einer gründlichen Evaluation des Beitrags zum emotionalen und sozialen Lernen wird die Software Schulen kostenlos in deutscher und englischer Sprache zur Verfügung stehen. Neben der Übertragung in mehrere Sprachen soll auch das Erscheinungsbild und Verhaltensweisen der künstlichen Charaktere an kulturspezifische Eigenheiten angepasst werden. So werden britische Schülerinnen und Schüler im virtuellen Klassenraum im Gegensatz zu deutschen mit Charakteren in Schuluniform interagieren.

INTERDISZIPLINÄRES PROJEKT MIT SPEZIALISTEN AUS VIER EUROPÄISCHEN LÄNDERN

An dem von der Europäischen Union geförderten interdisziplinären Forschungsvorhaben wirken Informatiker, Psychologen, Pädagogen und Mediengestalter aus vier europäischen Ländern mit. Neben drei bayerischen Universitäten (Augsburg - Professorin Elisabeth André, Bamberg - Professor Harald Schaub und Würzburg - Prof. Dr. Wolfgang Schneider) sind Universitäten, Forschungsinstitute und Softwarefirmen aus Großbritannien, Portugal und Italien an dem Großprojekt beteiligt. Koordiniert wird das Projekt von der Heriot-Watt University in Edinburgh (Prof. Dr. Ruth Aylett).

KONTAKT UND WEITERE INFORMATIONEN:

Prof. Dr. Elisabeth André
Lehrstuhl für Multimedia-Konzepte und Anwendungen
Institut für Informatik
Universität Augsburg
Eichleitnerstraße 30
D-86159 Augsburg Germany
Telefon: 0821/598-2341, Fax: 0821/598-2349
andre@informatik.uni-augsburg.de

Klaus P. Prem | idw
Weitere Informationen:
http://mm-werkstatt.informatik.uni-augsburg.de/project_details.php?id=29
http://www.e-circus.org

Weitere Berichte zu: Augsburg Charakter Gestik Mobbing

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Digitale Entziehungskur für „digital natives“
07.01.2019 | Technische Universität Chemnitz

nachricht Fotos aus sozialen Medien zeigen soziokulturellen Wert von Landschaften
12.10.2018 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Diamanten den Eigenschaften zweidimensionaler Magnete auf der Spur

Physikern der Universität Basel ist es erstmals gelungen, die magnetischen Eigenschaften von atomar dünnen Van-der-Waals-Materialien auf der Nanometerskala zu messen. Mittels Diamant-Quantensensoren konnten sie die Stärke von Magnetfeldern an einzelnen Atomlagen aus Chromtriiodid ermitteln. Zudem haben sie eine Erklärung für die ungewöhnlichen magnetischen Eigenschaften des Materials gefunden. Die Zeitschrift «Science» hat die Ergebnisse veröffentlicht.

Der Einsatz von zweidimensionalen Van-der-Waals-Materialien verspricht Innovationen in zahlreichen Bereichen. Wissenschaftler weltweit untersuchen immer neue...

Im Focus: Unprecedented insight into two-dimensional magnets using diamond quantum sensors

For the first time, physicists at the University of Basel have succeeded in measuring the magnetic properties of atomically thin van der Waals materials on the nanoscale. They used diamond quantum sensors to determine the strength of the magnetization of individual atomic layers of the material chromium triiodide. In addition, they found a long-sought explanation for the unusual magnetic properties of the material. The journal Science has published the findings.

The use of atomically thin, two-dimensional van der Waals materials promises innovations in numerous fields in science and technology. Scientists around the...

Im Focus: Volle Fahrt voraus für SmartEEs auf der Automotive Interiors Expo 2019

Flexible, organische und gedruckte Elektronik erobert den Alltag. Die Wachstumsprognosen verheißen wachsende Märkte und Chancen für die Industrie. In Europa beschäftigen sich Top-Einrichtungen und Unternehmen mit der Forschung und Weiterentwicklung dieser Technologien für die Märkte und Anwendungen von Morgen. Der Zugang seitens der KMUs ist dennoch schwer. Das europäische Projekt SmartEEs - Smart Emerging Electronics Servicing arbeitet an der Etablierung eines europäischen Innovationsnetzwerks, das sowohl den Zugang zu Kompetenzen als auch die Unterstützung der Unternehmen bei der Übernahme von Innovationen und das Voranschreiten bis zur Kommerzialisierung unterstützt.

Sie umgibt uns und begleitet uns fast unbewusst durch den Alltag – gedruckte Elektronik. Sie beginnt bei smarten Labels oder RFID-Tags in der Kleidung,...

Im Focus: Full speed ahead for SmartEEs at Automotive Interiors Expo 2019

Flexible, organic and printed electronics conquer everyday life. The forecasts for growth promise increasing markets and opportunities for the industry. In Europe, top institutions and companies are engaged in research and further development of these technologies for tomorrow's markets and applications. However, access by SMEs is difficult. The European project SmartEEs - Smart Emerging Electronics Servicing works on the establishment of a European innovation network, which supports both the access to competences as well as the support of the enterprises with the assumption of innovations and the progress up to the commercialization.

It surrounds us and almost unconsciously accompanies us through everyday life - printed electronics. It starts with smart labels or RFID tags in clothing, we...

Im Focus: Neuer LED-Leuchtstoff spart Energie

Das menschliche Auge ist für Grün besonders empfindlich, für Blau und Rot hingegen weniger. Chemiker um Hubert Huppertz von der Universität Innsbruck haben nun einen neuen roten Leuchtstoff entwickelt, dessen Licht vom Auge gut wahrgenommen wird. Damit lässt sich die Lichtausbeute von weißen LEDs um rund ein Sechstel steigern, was die Energieeffizienz von Beleuchtungssystemen deutlich verbessern kann.

Leuchtdioden oder LEDs können nur Licht einer bestimmten Farbe erzeugen. Mit unterschiedlichen Verfahren zur Farbmischung lässt sich aber auch weißes Licht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2019 in Berlin: Am 30. Mai 5 km laufen und Gutes tun

26.04.2019 | Veranstaltungen

Wie sieht das Essen der Zukunft aus?

25.04.2019 | Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz: Lernen von der Natur

17.04.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Diabetes Kongress 2019 in Berlin: Am 30. Mai 5 km laufen und Gutes tun

26.04.2019 | Veranstaltungsnachrichten

Mit Diamanten den Eigenschaften zweidimensionaler Magnete auf der Spur

26.04.2019 | Physik Astronomie

Multitasking in Perfektion: Nervenzelle arbeitet wie 1400 einzelne Zellen

26.04.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics