Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie steht es um die Tugenden der Europäer?

15.12.2005


Sozialwissenschaftliches Großprojekt wird weiter gefördert

... mehr zu:
»DFG »ESS »Erhebung »Tugend

Wie steht es um die Tugenden der Europäer? Dies ist eine der Fragen, mit der sich das sozialwissenschaftliche Forschungsprojekt European Social Survey (ESS) beschäftigt hat. Anhand von insgesamt sechs Fragen haben Forscher untersucht, was einen guten Bürger ausmacht. Während sich in fast allen untersuchten west- und osteuropäischen Ländern die Tugend der Teilnahme an Wahlen großer Akzeptanz erfreut, wird politisches und soziales Engagement nur von einer Minderheit der Europäer als Bürgerpflicht betrachtet.

Deutschland, eigentlich als Musterland der Vereine bekannt, liegt bei der Einschätzung der Tugendhaftigkeit der Aktivität in Vereinen, Verbänden und Organisationen sogar deutlich unter dem europäischen Durchschnittswert. Zu den unumstrittenen Tugenden eines guten Bürgers gehört dagegen die Gesetzestreue. Solidarität mit Menschen, denen es schlechter geht, wird vor allem in skandinavischen und südeuropäischen Ländern als wichtige Tugend geschätzt, Deutschland liegt hier im Mittelfeld. In exsozialistischen Ländern, insbesondere in der Tschechischen Republik und Ungarn, werden dagegen Tiefstwerte erreicht - obwohl die Tugend der Solidarität doch einen der sozialistischen Grundwerte darstellt, die die kommunistischen Regimes ihren Bürgern vermittelt wollten. Als wichtigste Eigenschaft eines guten Bürgers wird in allen untersuchten europäischen Ländern die Fähigkeit, sich unabhängig von anderen eine eigene Meinung zu bilden, eingeschätzt. In Westeuropa rangiert diese Tugend dabei noch etwas höher als in Osteuropa. Der Generationenvergleich zeigt vor allem eine Lücke zwischen der deutlich tugendhafteren Vorkriegs- und der deutlich weniger tugendhaften Wende- beziehungsweise Nachwendegeneration. Insgesamt ist ein Verlust der Tugend in Europa unbestreitbar.


Neues Kapitel der vergleichenden Umfrageforschung

Mit dem ESS wurde ein neues und erfreuliches Kapitel der vergleichenden Umfrageforschung in Europa aufgeschlagen. Die Vorbereitungen für dieses sozialwissenschaftliche Großprojekt begannen bereits Mitte der 1990-er Jahre. Die ersten Erhebungen von Umfragedaten fanden nach einer bis dahin beispiellosen gemeinsamen Anstrengung der Europäischen Kommission, der European Science Foundation und der nationalen Forschungsförderungseinrichtungen der beteiligten Länder (in Deutschland der Deutschen Forschungsgemeinschaft - DFG) 2002 statt. Die zweite Welle der europaweiten Umfragen erfolgte 2004. Seit September 2005 sind die Daten aus dieser Erhebungen über eine eigene Homepage für die weltweite Gemeinschaft der interessierten Sozialforscher kostenlos zugänglich. Die nächsten Umfragen für das Projekt werden ab Sommer 2006 stattfinden.
Wichtigstes langfristiges Ziel der Studie ist es, die Interaktion zwischen den sich wandelnden politischen und ökonomischen Institutionen und den Einstellungen, Überzeugungen und Verhaltensmustern der Bevölkerungen der jeweiligen Länder zu beschreiben und zu erklären. Dabei wird besonderer Wert auf durchgängig hohe Qualitätsstandards gelegt.

Über 20 Länder beteiligt

Insgesamt beteiligten sich an den bisher durchgeführten Erhebungen jeweils weit über 20 Länder. Ziel ist es, in Zukunft vor allem die Zahl der osteuropäischen Teilnehmerländer weiter auszubauen. Die zentrale Koordination des Projekts liegt bei einem in London ansässigen Projektteam unter Leitung von Prof. Roger Jowell (City University London). Die wissenschaftliche Begleitung ist Aufgabe des Scientific Advisory Board unter Leitung von Prof. Max Kaase (International University Bremen). Zum Koordinationsteam der deutschen Teilstudie des ESS gehören Prof. Oscar W. Gabriel (Universität Stuttgart), Prof. Jan W. van Deth (Universität Mannheim), Prof. Heiner Meulemann (Universität Köln) und Prof. Edeltraud Roller (Universität Mainz). Die Geschäftsführung liegt bei Katja Neller (Universität Stuttgart).

Descartes-Preis zuerkannt

Anfang Dezember 2005 erhielt der ESS den renommierten Descartes-Preis für Forschung. Der Descartes-Preis gehört zu den angesehensten wissenschaftlichen Auszeichnungen in Europa. Er wird an Wissenschaftler vergeben, die im Rahmen europäischer Verbundforschungsprojekte hervorragende Ergebnisse und außergewöhnliche Leistungen der Spitzenforschung erzielt haben. Der ESS ist das erste sozialwissenschaftliche Projekt überhaupt, das mit diesem Preis ausgezeichnet wurde. Neben dem ESS erhielten vier weitere Wissenschaftlerteams aus den Bereichen Klima- und Umweltforschung, Genetik und Physik das Preisgeld in Höhe von jeweils 200.000 Euro.

Durch die Aufnahme in das Langfristförderprogramm der DFG konnte die Teilnahme Deutschlands am ESS nun langfristig gesichert werden. Bis 2015 unterstützt die DFG das deutsche Teilprojekt des ESS mit einer Summe von insgesamt rund 3,2 Millionen Euro.

Kontakt:
Nationale Studie Deutschland: Prof. Dr. Oscar W. Gabriel und Katja Neller, Universität Stuttgart, Institut für Sozialwissenschaften, Politische Systeme und Politische Soziologie (Politikwissenschaft I), Breitscheidstr. 2, 70174 Stuttgart, Tel. 0711/121-3430 oder 0711/121-3427, Fax 0711/121-2333, e-mail: oscar.gabriel@sowi.uni-stuttgart.de, katja.neller@sowi.uni-stuttgart.de

Ursula Zitzler | idw
Weitere Informationen:
http://www.europeansocialsurvey.org
http://www.europeansocialsurvey.de
http://www.uni-stuttgart.de/

Weitere Berichte zu: DFG ESS Erhebung Tugend

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Auch ländliche Kreise wachsen
13.06.2019 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

nachricht Arbeiten von zu Hause aus oder von unterwegs: Jeder vierte Betrieb ermöglicht mobiles Arbeiten
11.06.2019 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erfolgreiche Praxiserprobung: Bidirektionale Sensorik optimiert das Laserauftragschweißen

Die Qualität generativ gefertigter Bauteile steht und fällt nicht nur mit dem Fertigungsverfahren, sondern auch mit der Inline-Prozessregelung. Die Prozessregelung sorgt für einen sicheren Beschichtungsprozess, denn Abweichungen von der Soll-Geometrie werden sofort erkannt. Wie gut das mit einer bidirektionalen Sensorik bereits beim Laserauftragschweißen im Zusammenspiel mit einer kommerziellen Optik gelingt, demonstriert das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT auf der LASER World of PHOTONICS 2019 auf dem Messestand A2.431.

Das Fraunhofer ILT entwickelt optische Sensorik seit rund 10 Jahren gezielt für die Fertigungsmesstechnik. Dabei hat sich insbesondere die Sensorik mit der...

Im Focus: Successfully Tested in Praxis: Bidirectional Sensor Technology Optimizes Laser Material Deposition

The quality of additively manufactured components depends not only on the manufacturing process, but also on the inline process control. The process control ensures a reliable coating process because it detects deviations from the target geometry immediately. At LASER World of PHOTONICS 2019, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be demonstrating how well bi-directional sensor technology can already be used for Laser Material Deposition (LMD) in combination with commercial optics at booth A2.431.

Fraunhofer ILT has been developing optical sensor technology specifically for production measurement technology for around 10 years. In particular, its »bd-1«...

Im Focus: Additive Fertigung zur Herstellung von Triebwerkskomponenten für die Luftfahrt

Globalisierung und Klimawandel sind zwei der großen Herausforderungen für die Luftfahrt. Der »European Flightpath 2050 – Europe’s Vision for Aviation« der Europäischen Kommission für Forschung und Innovation sieht für Europa eine Vorreiterrolle bei der Vereinbarkeit einer angemessenen Mobilität der Fluggäste, Sicherheit und Umweltschutz vor. Dazu müssen sich Design, Fertigung und Systemintegration weiterentwickeln. Einen vielversprechenden Ansatz bietet eine wissenschaftliche Kooperation in Aachen.

Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT und der Lehrstuhl für Digital Additive Production DAP der RWTH Aachen entwickeln zurzeit eine...

Im Focus: Die verborgene Struktur des Periodensystems

Die bekannte Darstellung der chemischen Elemente ist nur ein Beispiel, wie sich Objekte ordnen und klassifizieren lassen.

Das Periodensystem der Elemente, das die meisten Chemiebücher abbilden, ist ein Spezialfall. Denn bei dieser tabellarischen Übersicht der chemischen Elemente,...

Im Focus: The hidden structure of the periodic system

The well-known representation of chemical elements is just one example of how objects can be arranged and classified

The periodic table of elements that most chemistry books depict is only one special case. This tabular overview of the chemical elements, which goes back to...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Rittal und Innovo Cloud sind auf Supercomputing-Konferenz in Frankfurt vertreten

18.06.2019 | Veranstaltungen

Teilautonome Roboter für die Dekontamination - den Stand der Forschung bei Live-Vorführungen am 25.6. erleben

18.06.2019 | Veranstaltungen

KI meets Training

18.06.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Universität Jena mit innovativer Lasertechnik auf Photonik-Messe in München vertreten

19.06.2019 | Messenachrichten

Meilenstein für starke Zusammenarbeit: Neuer Standort für Rittal und Eplan in Italien

19.06.2019 | Unternehmensmeldung

Katalyse: Hohe Reaktionsraten auch ohne Edelmetalle

19.06.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics