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Mannheim: Pilotprojekt "Stalking", eine Kooperation von Polizei und ZI

09.12.2005


Stalking stellt in Deutschland ein erhebliches und ernstzunehmendes Problem dar. Bezüglich der Beratung der Betroffenen und Einschätzung der individuellen Gefährdungsrisikos besteht ein erheblicher Handlungsbedarf. Beratungsstellen sind oft gegenüber dem Problem "Stalking" nicht ausreichend sensibilisiert und vernetzt. Ausgehend von dieser Sachlage führt das Polizeipräsidium Mannheim in Kooperation mit dem Zentralinstitut ein Pilotprojekt durch.



Eine erste epidemiologische Untersuchung aus dem Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim von 2004 zeigt, dass mehr als 10 % der Bevölkerung mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von Stalking werden. Die Stalkingopfer zeigen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung eine signifikant schlechtere psychische Befindlichkeit und suchen auch häufig Ärzte, Therapeuten und die Polizei auf.



Bezüglich der Beratung der Betroffenen und Einschätzung der individuellen Gefährdungsrisikos besteht jedoch ein erheblicher Handlungsbedarf. Beratungsstellen sind oft gegenüber dem Problem "Stalking" nicht ausreichend sensibilisiert und vernetzt. Profunde Kenntnisse über die Stalkingproblematik sind zwingend notwendig, Interventionstechniken sollten immer aus einem umfassenden Ansatz bestehen, der kompetente Beratung und Informationen über den Umgang mit dem Stalker, Risikoeinschätzung bezüglich gewalttätigen Verhaltens, juristische Schritte und therapeutische Maßnahmen umfasst. Ein koordiniertes Vorgehen, das Polizei, Rechtsanwälte und Gerichte vor Ort mit einbezieht, ist für ein erfolgreiches Management Voraussetzung.

Ausgehend von dieser Sachlage führt das Polizeipräsidium Mannheim in Kooperation mit dem Zentralinstitut ein Pilotprojekt durch.

Folgende Maßnahmen umfasst das Projekt:

1. Aufklärung und Sensibilisierung innerhalb der Polizei
2. Standardisierte Befragung der Betroffenen durch die Polizei mit anschließender individuellen Gefährdungseinchätzung und Beratung
3. Vernetzung mit den Beratungsstellen vor Ort (Frauen- und Kinderschutzhaus Heckertstift, Fraueninformationszentrum, Frauen- und Mädchennotruf e.V., Weisser Ring, Frauenhaus Mannheim e.V.), die eine kostenlose Beratung von Betroffenen garantieren
4. Vernetzung mit der Justiz
5. Erarbeitung eine Informationsflyers
6. Weitere Aufklärung/Sensibilisierung der Öffentlichkeit
7. Wissenschaftliche Begleitung durch das Zentralinstitut (Projektleiter Prof. Dr. Harald Dreßing)

Zu 2. : Basierend auf den Ergebnissen der ersten epidemiologischen Studie zu Stalking in Deutschland zu Opfer- und Tätermerkmalen und Stalkingmethoden wurde gemeinsam mit der Kriminalprävention ein vierseitiger Fragebogen entwickelt. Anhand dessen kann der beratende Polizist standardisiert Informationen, z.B. zu Motiv und Stalkingmerkmalen, erfragen und die individuelle Gefährdung des Opfers einschätzen sowie weitere Maßnahmen empfehlen.

Die anonyme Analyse dieser Daten soll weitere Erkenntnisse über Opfer- und Tätermerkmale und deren Beziehung mit dem Ziel ermöglichen, in Zukunft noch gezielter Interventionsmaßnahmen oder gar Präventionsmaßnahmen erarbeiten zu können.

Begriffsdefiniton: Der Begriff Stalking wurde in den 1990-er Jahren in den USA für ein komplexes menschliches Verhaltensmuster geprägt. Wörtlich übersetzt bedeutet Stalking "auf die Pirsch gehen", in der psychiatrischen Terminologie charak-terisiert man damit ein Verhaltensmuster, bei dem ein Täter einen anderen Menschen ausspioniert, verfolgt, belästigt, bedroht, unter Umständen auch körperlich attackiert und in seltenen Fällen sogar tötet. Durch diese Verhal-tensweisen fühlt sich das Opfer des Stalkers, das als Stalkee bezeichnet wird, in Angst versetzt.

Kontakt:
Dr. med. Marina Martini, M.Sc.
Referat Öffentlichkeitsarbeit
Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim J 5, 68159 Mannheim
Fon: 0621/1703-1301, -1302
Fax: 0621/1703-1305
E-Mail: martini@zi-mannheim.de

Dr. med Marina Martini | idw
Weitere Informationen:
http://www.zi-mannheim.de
http://www.zi-mannheim.de/forensik.html

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