Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie die EU ihre Beziehung zum östlichen Nachbarn pflegt

30.03.2005


Europäisches Stiftungstrio fördert Forschungsprojekt zur EU-Außenpolitik an der Universität Jena



Ein europäisches Stiftungstrio hat jetzt die ersten Projekte innerhalb eines neuen europaweiten Forschungs- und Ausbildungsprogramms zur Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) bewilligt. Unter den zwölf europäischen durch die VolkswagenStiftung geförderten Projekten ist auch das des Politikwissenschaftlers Holger Moroff von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Der Mitarbeiter am Lehrstuhl für Internationale Beziehungen und Außenpolitik von Prof. Dr. Helmut Hubel will anhand der Beziehungen der Europäischen Union (EU) zu Russland herausarbeiten, wie sich die EU als außenpolitischer Akteur darstellt. Für die nächsten zwei Jahre stehen dafür bis zu 67.200 Euro zur Verfügung.

... mehr zu:
»Außenpolitik »Russland »Stockholm


"Ziel meiner Forschungen ist es herauszufinden, inwieweit die EU in außenpolitischen Fragen mit einer gemeinsamen Stimme spricht und ob sich die Mitgliedsstaaten an die vorgegebenen Linien halten, die u. a. in größeren Vertragswerken, wie dem Partnerschafts- und Kooperationsabkommen der EU mit Russland, vorgegeben sind", sagt Holger Moroff. So unterstütze die EU beispielsweise einheitlich Russlands Bestrebungen, Mitglied der Welthandelsorganisation (WTO) zu werden. "Hier versteht sie sich als Anwalt Russlands und versucht, gute Konditionen herauszuhandeln. Doch längst ist nicht für alle Bereiche klar, wie die EU sich positioniert und wie sie ihre Interessen durchzusetzen gedenkt", zeigt der Jenaer Politologe den Forschungsbedarf auf.

Eine zentrale Frage, die er beantworten will, lautet: Wie werden die Aufgaben zwischen den Institutionen der EU verteilt und wie viel Gewicht haben einzelne Mitgliedsstaaten? So pflegt Deutschland aufgrund der besonderen historischen Umstände enge Beziehungen zu Russland und bringt als größter Investor und Wirtschaftspartner Russlands natürlich einiges Gewicht auf die gemeinsame außenpolitische Waagschale. Im ersten Schritt seiner Forschungen wird der Nachwuchswissenschaftler von der Uni Jena die existierenden Vertrags- und Verhandlungsstrukturen zwischen EU und Russland analysieren. Im Mittelpunkt stehen neben Außenwirtschaftsfragen auch die Menschenrechtsproblematik und die Migrationspolitik. "Russland hat ja für seine Exklave Kaliningrad ein besonderes Visumsreglement mit der EU ausgehandelt", illustriert Moroff. Von besonderer Bedeutung ist für ihn auch, ob die EU ihre Politik gegenüber den neuen östlichen Nachbarländern Ukraine, Moldawien und Weißrussland in Kooperation mit oder in Konkurrenz zu Russland betreibt.

Im Rahmen seines Projektes sind drei Auslandsaufenthalte geplant: beim Center for European Policy Studies in Brüssel (CEPS), im EU-Institute for Security Studies (EUISS) in Paris und im Moskauer Carnegie-Center, einem unabhängigen Forschungsinstitut, das die russische Außenpolitik analysiert. "Da die geförderten Nachwuchsforscher aus Universitäten und Forschungsinstituten in ganz Europa kommen, wird die Universität Jena Teil eines Exzellenzverbundes zur außenpolitischen Europaforschung", weist Prof. Dr. Helmut Hubel auf die Besonderheit des neuen GASP-Förderprogramms hin. Die beteiligten Forscher arbeiten u. a. an der London School of Economics and Political Science, dem Institut d’Études Politiques de Paris, der Akademie der Wissenschaften in Moskau, bei der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, im Instituto Affari Internazionali in Rom sowie der Universität Stockholm.

Das GASP-Programm ist von den Partnerstiftungen Compagnia di San Paolo (Turin), Riksbankens Jubiläumsfond (Stockholm) und der VolkswagenStiftung erstmals aufgelegt worden. Mit ihm sollen in den nächsten Jahren junge europäische Wissenschaftler und Führungskräfte gefördert werden, die politisch unabhängig und über die Grenzen der eigenen nationalen Perspektive hinaus, neue Denk- und Herangehensweisen für die Außen- und Sicherheitspolitik Europas entwickeln und mit diesen die öffentliche Debatte zu beeinflussen suchen. Der Titel des Jenaer Projektes lautet: "The EU as an international actor in its Eastern neighbourhood -The Russian case".

Kontakt:
Holger Moroff
Institut für Politikwissenschaft der Universität Jena
Carl-Zeiß-Str. 3, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 945493 oder 945910
E-Mail: holger.moroff@web.de

Stefanie Hahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de/

Weitere Berichte zu: Außenpolitik Russland Stockholm

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Mit stochastischer Spieltheorie zu mehr Kooperation
05.07.2018 | Institute of Science and Technology Austria

nachricht Deutschland wächst – aber nicht überall
24.04.2018 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

VDI sieht urbane Produktion und Logistik als integrale Teile der Stadt der Zukunft

19.07.2018 | Architektur Bauwesen

Infrarotsensor als neue Methode für die Wirkstoffentwicklung

19.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics