Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Türken stabilisieren Wohngebiete

27.09.2000


"Leben in benachteiligten Wohngebieten" heißt eine Studie, die sich mit den Lebensbedingungen in vier Kölner Wohngebieten, Bilderstöckchen, Kalk-Nord, Kalk-Süd und Kölnberg, beschäftigt. Alle vier Wohngebiete weisen überdurchschnittliche Quoten von Sozialhilfeempfängern auf, sie sind in Bilderstöckchen relativ am niedrigsten, in Kölnberg relativ am höchsten. Die Soziologen Professor Dr. Jürgen Friedrichs und Dr. Jörg Blasius vom Forschungsinstitut für Soziologie der Universität zu Köln haben in diesen Gebieten 431 deutsche und zusätzlich in Kalk-Nord und Kölnberg 230 türkische Bewohner befragt. Die Ergebnisse sind bemerkenswert.

Verhaltensweisen in armen Vierteln

Was den Bewohnern nicht gefällt sind Lärm und Verkehr (32 Prozent), Schmutz bzw. Dreck (29 Prozent, in Kölnberg sogar 42 Prozent), Gefahr und Kriminalität (23 Prozent, in Kölnberg 36 Prozent) und "Ausländer" (28 Prozent) - letzteres sagen vor allem die Bewohner von Kalk-Nord. Was ihnen gefällt, sind vor allem die zentrale Lage (39 Prozent) sowie - bis auf Kölnberg - die gute Erreichbarkeit (36 Prozent) und die Nachbarn (23 Prozent). Die türkischen Befragten hingegen nennen vor allem als positives Merkmal "Nachbarn".

Gefragt wurde auch nach den sozialen Normen im Gebiet, z.B. ob es vorkommt, dass ein Nachbar Kinder beschimpft, eine Frau sexuell belästigt wird, eine Ausländerin beschimpft wird, ein 15jähriges Mädchen schwanger wird, jemand im Wohnviertel betrunken ist, ob jemand trotz Sozialhilfe eine Putzstelle annimmt. Diese Verhaltensweisen kommen nach Aussagen der befragten in allen Wohngebieten vor, wenngleich in unterschiedlichem Maße. Erstaunlich ist, dass die deutschen Befragten solche Verhaltensweisen weniger stark verurteilen als die türkischen. Die Urteile der türkischen Bewohner sind auch einheitlicher. Fazit: Die türkischen Bewohner stabilisieren ein Wohngebiet.

Je "ärmer" das Wohngebiet ist, desto eher werden solche abweichenden Verhaltensmuster auch akzeptiert. Fazit: Das Wohngebiet hat einen Einfluss auf das Verhalten der Bewohner, wenn die Bewohner einen großen Teil ihrer viel Zeit im Gebiet verbringen und wenn sie wenige Bekannte haben.

Die Kölner Sozialwissenschaftler fanden ferner heraus, dass je größer die Benachteiligung eines Bewohners ist, desto stärker beschränken sich seine Aktivitäten auf das Wohngebiet. Je größer die Benachteiligung ist, desto eher leben die Personen in Wohnungen, die von den Interviewern als "schmutzig" oder "beschädigt" eingestuft wurden. Je schlechter der Zustand der Wohnung war, desto seltener erhielt die befragte Person Besuch oder besuchte andere. Die Benachteiligung wird sich also nochmals erschwerend auf die sozialen Kontakte aus.

Verantwortlich: Dr. Wolfgang Mathias
Für Rückfragen steht Ihnen Professor Dr. Jürgen Friedrichs unter der Telefonnummer 0221 470 2409, der Fax-Nummer 0221 470 5180 und der Email-Adresse friedrichs@wiso.uni-koeln.de zur Verfügung.

... mehr zu:
»Wohngebiet

Unsere Presseinformationen finden Sie auch im World Wide Web http://www.uni-koeln.de/organe/presse/pi/index.html.

Gabriele Rutzen | idw

Weitere Berichte zu: Wohngebiet

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Fotos aus sozialen Medien zeigen soziokulturellen Wert von Landschaften
12.10.2018 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Der ängstliche Nao - Wenn Menschen emotional auf Roboter reagieren
14.08.2018 | Universität Duisburg-Essen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Blauer Phosphor – jetzt erstmals vermessen und kartiert

Die Existenz von „Blauem“ Phosphor war bis vor kurzem reine Theorie: Nun konnte ein HZB-Team erstmals Proben aus blauem Phosphor an BESSY II untersuchen und über ihre elektronische Bandstruktur bestätigen, dass es sich dabei tatsächlich um diese exotische Phosphor-Modifikation handelt. Blauer Phosphor ist ein interessanter Kandidat für neue optoelektronische Bauelemente.

Das Element Phosphor tritt in vielerlei Gestalt auf und wechselt mit jeder neuen Modifikation auch den Katalog seiner Eigenschaften. Bisher bekannt waren...

Im Focus: Chemiker der Universitäten Rostock und Yale zeigen erstmals Dreierkette aus gleichgeladenen Ionen

Die Forschungskooperation zwischen der Universität Yale und der Universität Rostock hat neue wissenschaftliche Ergebnisse hervorgebracht. In der renommierten Zeitschrift „Angewandte Chemie“ berichten die Wissenschaftler über eine Dreierkette aus Ionen gleicher Ladung, die durch sogenannte Wasserstoffbrücken zusammengehalten werden. Damit zeigen die Forscher zum ersten Mal eine Dreierkette aus gleichgeladenen Ionen, die sich im Grunde abstoßen.

Die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen den Professoren Mark Johnson, einem weltbekannten Cluster-Forscher, und Ralf Ludwig aus der Physikalischen Chemie der...

Im Focus: Storage & Transport of highly volatile Gases made safer & cheaper by the use of “Kinetic Trapping"

Augsburg chemists present a new technology for compressing, storing and transporting highly volatile gases in porous frameworks/New prospects for gas-powered vehicles

Storage of highly volatile gases has always been a major technological challenge, not least for use in the automotive sector, for, for example, methane or...

Im Focus: Materiezustände durch Licht verändern

Forscherinnen und Forscher der Universität Hamburg stören die kristalline Ordnung

Physikerinnen und Physikern der Universität Hamburg ist es gelungen, mithilfe von Laserpulsen die Ordnung von Quantenmaterie so zu stören, dass ein spezieller...

Im Focus: Disrupting crystalline order to restore superfluidity

When we put water in a freezer, water molecules crystallize and form ice. This change from one phase of matter to another is called a phase transition. While this transition, and countless others that occur in nature, typically takes place at the same fixed conditions, such as the freezing point, one can ask how it can be influenced in a controlled way.

We are all familiar with such control of the freezing transition, as it is an essential ingredient in the art of making a sorbet or a slushy. To make a cold...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Neurowoche 2018: 7000 Experten für Gehirn und Nerven tagen in Berlin

15.10.2018 | Veranstaltungen

Berlin5GWeek: Private Industrienetze und temporäre 5G-Inseln

15.10.2018 | Veranstaltungen

PV Days in Halle zeigen neue Chancen für die Photovoltaik

11.10.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Smart Glasses Guide: Neues Tool zur Auswahl von Datenbrillen und Anwendungen

15.10.2018 | Informationstechnologie

Neurowoche 2018: 7000 Experten für Gehirn und Nerven tagen in Berlin

15.10.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Grauer Star: Neues Verfahren bei der Katarakt-Operation

15.10.2018 | Medizintechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics