Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Interkulturelle und geschlechtergerechte Pädagogik für Kinder im Alter von 6 bis 16 Jahren

07.04.2008
Expertise der Augsburger Erziehungswissenschaftlerin Leonie Herwartz-Emden für den NRW-Landtag jetzt im Internet verfügbar.
Wie können für Kinder und Jugendliche unabhängig von ihrer sozialen, kulturellen und ethnischen Herkunft und unabhängig von ihrer Geschlechtszugehörigkeit adäquate Bildungschancen realisiert werden? Dieser Frage ist die Augsburger Erziehungswissenschaftlerin und Geschäftsführende Direktorin des Zentralinstituts für Didaktische Forschung und Lehre (ZDFL) der Universität Augsburg, Prof. Dr. Leonie Herwartz-Emden, im Rahmen einer Expertise nachgegangen, die vom Düsseldorfer Landtag jetzt im Internet veröffentlicht wurde.

Bei dieser Expertise mit dem Titel "Interkulturelle und geschlechtergerechte Pädagogik für Kinder im Alter von 6 bis 16 Jahren" handelt es sich um ein Gutachten, das Herwartz-Emden als renommierte Expertin für interkulturelle Forschung sowie für Migrations- und Geschlechterforschung auf Einladung der Enquetekommission "Chancen für Kinder" des Landtags Nordrhein-Westfalen erstellt hat. Verena Schurt, Wiebke Waburg, Mandy Ruhland, Anja Kersting und Michaela Wölfe waren als Mitarbeiterinnen an dieser Studie beteiligt, für deren Bearbeitung das Augsburger "Zentralinstitut für Didaktische Forschung und Lehre" (ZDFL) mit seinem Forschungsschwerpunkt "Heterogenität und Bildungserfolg" (siehe http://idw-online.de/pages/de/news192438) beste Voraussetzungen bot.

Anforderungen und Steuerungsmöglichkeiten

Vor dem Hintergrund der wachsenden Zahl von Migrantinnen und Migranten in Deutschland, der zunehmenden kulturellen Heterogenität der Gesellschaft und der Ungleichheiten in Geschlechterverhältnissen diskutieren die Autorinnen zum einen, welche Anforderungen interkulturelle und geschlechtergerechte Pädagogik erfüllen muss, um den bestehenden herkunftsbedingten, schicht- und/oder geschlechtsspezifischen Benachteiligungen von Kindern und Heranwachsenden im Bildungswesen der Bundesrepublik möglichst früh und umfassend entgegenzuwirken; zum anderen gehen sie der Frage nach, welche Steuerungs- und Handlungsmöglichkeiten sich von politischer Seite eröffnen. Besondere Aufmerksamkeit widmen sie dabei der Vermittlung von Theorie und Praxis.

Schule und Familie als Sozialisationskontexte

Nach einem einleitenden Beitrag zu Bildungsprozessen und Erziehungsbedürfnissen als Grundlagen pädagogischer Konzepte widmet sich das zweite Kapitel zwei zentralen Kontexten von Entwicklung und Sozialisation, Migration und Bildung: der Familie und der Schule.

Bildungssituation von Migrantenfamilien

Die Darstellung der Familie als Sozialisationskontext erfolgt aus unterschiedlichen Perspektiven: Es wird zum einen ein Überblick über aktuelle Daten zum sozioökonomischen Hintergrund und der Bildungssituation von Migrantenfamilien gegeben, zum zweiten werden unter Rückgriff auf empirische Ergebnisse Strukturen und Merkmale der Migrantenfamilie herausgearbeitet, und drittens beleuchten die Autorinnen anhand der Resultate ihrer eigenen DFG-geförderten SOKKE-Studie (siehe http://idw-online.de/pages/de/news236172) die Situation von Kindern mit Migrationshintergrund am Übergang zur Grundschule.

Der Beitrag der Schule zu Disparitäten

Mit Blick auf den Kontext Schule verfolgen Herwartz-Emden und ihre Mitarbeiterinnen das Ziel, über die derzeitige Datenlage zur schulischen Situation von Schülerinnen und Schülern in Deutschland bzw. in Nordrhein-Westfalen und über entsprechende Forschungsbefunde hinaus die verschiedenen Erklärungsansätze zu Ursachen von Bildungsungleichheit nachzuzeichnen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Fragen, welchen Beitrag die Schule als Institution und die an ihr interagierenden Akteure zu Disparitäten im Bildungssystem leisten und welche Handlungsanforderungen sich daraus für die schulische Praxis und für die Bildungspolitik ergeben.

Grundlagen interkultureller und geschlechtergerechter Pädagogik

Das dritte Kapitel dreht sich um die Grundlagen interkultureller und geschlechtergerechter Pädagogik. Es gibt zunächst einen theoretisch fundierten Überblick über die Kategorien 'Geschlecht' und 'Ethnizität', die als interdependente Kategorien ebenso betrachtet werden wie als fundamentale Kategorien sozialer Ungleichheit in Verbindung mit 'Klasse/Schicht'. Dieser Überblick ist die Grundlage für die nachfolgende Illustration konkreter Ansätze und Konzepte. Die Autorinnen richten hier ihr besonderes Augenmerk auf die Inhalte und Problemfelder der interkulturellen und geschlechtergerechten Pädagogik und formulieren darauf aufbauend Interventionsmöglichkeiten und Anforderungen.

Mindestanforderungen und Handlungsempfehlungen

Das vierte Kapitel formuliert schließlich Mindestanforderungen und Handlungsempfehlungen an die bzw. zur interkulturellen und geschlechtergerechten Pädagogik, die sich sowohl auf die konzeptionelle als auch auf die theoretische, auf die individuelle und auf die schulische Ebene beziehen. Eine Zusammenfassung der Ausführungen zu den Sozialisationskontexten Schule bzw. Familie liefert die Basis für theoretisch abgeleitete und empirisch begründete Handlungsempfehlungen. Unter dem Gesichtspunkt Schule beziehen sich diese Empfehlungen auf eine individuelle und eine interpersonelle Ebene sowie auf die Kontextfaktoren. Unter dem Gesichtspunkt Familie werden zum einen allgemeine Empfehlungen für Familien mit Migrationshintergrund an der Schnittstelle von Elternhaus und Bildungseinrichtung herausgearbeitet; zum anderen werden pädagogische Interventionen postuliert, die darauf abzielen, sowohl die individuelle Erziehungskompetenz als auch die kulturelle und sprachliche Kompetenz von Müttern und Vätern zu stärken.

Die Ergebnisse ihrer von der Enquetekommission "Chancen für Kinder" in Auftrag gegebenen Studie hat Herwartz-Emden Anfang Januar 2008 in einer Sitzung des Düsseldorfer Landtags vorgestellt und mit den Kommissionsmitgliedern diskutiert. Seit März ist das Gutachten unter http://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/GB_I/I.1/EK/14_EK2/Gutachten/ExpertiseHerwartz-Emden.pdf im Internet verfügbar.

_____________________________________

Kontakt:

Prof. Dr. Leonie Herwartz-Emden
Zentralinstitut für Didaktische Forschung und Lehre (ZDFL)
Universität Augsburg
86135 Augsburg
Telefon 0821/598-5597
leonie.herwartz-emden@phil.uni-augsburg.de

Klaus P. Prem | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-augsburg.de/institute/ZdFL/
http://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/GB_I/I.1/EK/14_EK2/Gutachten/ExpertiseHerwartz-Emden.pdf

Weitere Berichte zu: Handlungsempfehlung Pädagogik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Ohne Berufsausbildung fünfmal so hohe Arbeitslosenquote
15.10.2019 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

nachricht Mittelstädte wachsen nicht nur im Süden
15.10.2019 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: A new look at 'strange metals'

For years, a new synthesis method has been developed at TU Wien (Vienna) to unlock the secrets of "strange metals". Now a breakthrough has been achieved. The results have been published in "Science".

Superconductors allow electrical current to flow without any resistance - but only below a certain critical temperature. Many materials have to be cooled down...

Im Focus: DKMS-Studie zum Erfolg von Stammzelltransplantationen

Den möglichen Einfluss von Killerzell-Immunoglobulin-ähnlichen Rezeptoren (KIR) auf den Erfolg von Stammzelltransplantationen hat jetzt ein interdisziplinäres Forscherteam der DKMS untersucht. Das Ergebnis: Bei 2222 Patient-Spender-Paaren mit bestimmten KIR-HLA-Kombinationen konnten die Wissenschaftler keine signifikanten Auswirkungen feststellen. Jetzt wollen die Forscher weitere KIR-HLA-Kombinationen in den Blick nehmen – denn dieser Forschungsansatz könnte künftig Leben retten.

Die DKMS ist bekannt als Stammzellspenderdatei, die zum Ziel hat, Blutkrebspatienten eine zweite Chance auf Leben zu ermöglichen. Auch auf der...

Im Focus: Gendefekt bei Zellbaustein Aktin sorgt für massive Entwicklungsstörungen

Europäische Union fördert Forschungsprojekt „PredActin“ mit 1,2 Millionen Euro

Aktin ist ein wichtiges Strukturprotein in unserem Körper. Als Hauptbestandteil des Zellgerüstes sorgt es etwa dafür, dass unsere Zellen eine stabile Form...

Im Focus: Programmable nests for cells

KIT researchers develop novel composites of DNA, silica particles, and carbon nanotubes -- Properties can be tailored to various applications

Using DNA, smallest silica particles, and carbon nanotubes, researchers of Karlsruhe Institute of Technology (KIT) developed novel programmable materials....

Im Focus: Miniatur-Doppelverglasung: Wärmeisolierendes und gleichzeitig wärmeleitendes Material entwickelt

Styropor oder Kupfer – beide Materialien weisen stark unterschiedliche Eigenschaften auf, was ihre Fähigkeit betrifft, Wärme zu leiten. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz und der Universität Bayreuth haben nun gemeinsam ein neuartiges, extrem dünnes und transparentes Material entwickelt und charakterisiert, welches richtungsabhängig unterschiedliche Wärmeleiteigenschaften aufweist. Während es in einer Richtung extrem gut Wärme leiten kann, zeigt es in der anderen Richtung gute Wärmeisolation.

Wärmeisolation und Wärmeleitung spielen in unserem Alltag eine entscheidende Rolle – angefangen von Computerprozessoren, bei denen es wichtig ist, Wärme...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Tagung befasst sich mit der Zukunft der Mobilität

22.01.2020 | Veranstaltungen

ENERGIE – Wende. Wandel. Wissen.

22.01.2020 | Veranstaltungen

KIT im Rathaus: Städte und Wetterextreme

21.01.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Darmentzündung: Immunzellen schützen Nervenzellen nach Infektion

22.01.2020 | Biowissenschaften Chemie

Neutronenquelle ermöglicht Blick in Dino-Eier

22.01.2020 | Geowissenschaften

Algorithmen und Sensoren für eine nachhaltige und zukunftsfähige Landwirtschaft

22.01.2020 | Agrar- Forstwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics