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Konflikte können Innovationen fördern

18.03.2008
Psychologen der Humboldt-Universität zeigen: Unternehmen profitieren von der konstruktiven Kommunikation von Mitarbeitern in Auseinandersetzungen
Konflikte in Unternehmen:

Bei diesem Stichwort schlagen viele Personalchefs- und Manager die Hände über dem Kopf zusammen. Der Grund: Viele vermuten hinter Konflikten Innovationsbremsen, an die Zeit-, Geld- und Ressourcenverschwendung gekoppelt sind, die dem Unternehmen schaden. Doch weit gefehlt. Bei Innovationen sind Konflikte nicht nur unvermeidlich, sondern auch nützlich - wenn man sie richtig austrägt!

"Unternehmen können den Erfolg ihrer Innovationsbemühungen steigern, wenn sie lernen, mit Konflikten produktiver umzugehen", resümiert Professor Wolfgang Scholl die Ergebnisse seiner Studie, die über zweieinhalb Jahre an der Abteilung für Organisations- und Sozialpsychologie der Humboldt-Universität zu Berlin durchgeführt wurde. Das Projekt "Conflict Emergence and Conflict Management in Developing Innovations at the Interface of Silence and Industry: An Interdisciplinary and Intercultural Approach", oder kurz; "Conflicts in Innovation Processes" wurde von der VolkswagenStiftung finanziert.

Ziel der Analyse war es, die Genese von Innovationen in der Forschung in der wissenschaftlichen Forschung und bei der Umsetzung in neue Produkte oder Verfahren zu analysieren. Besondere Bedeutung kam dabei der Analyse von Innovationsprozessen in zwei Hochtechnologien, nämlich der Gen- und Nanotechnologie, zu. Bei der Gentechnologie musste aufgrund der kontroversen öffentlichen Debatte über den Eingriff in die Lebensprozesse mit mehr Konfliktpotenzial gerechnet werden, als bei der Nanotechnologie, einer der jüngsten und noch weniger etablierten Wissenschaften, die zurzeit besonders gefördert wird. Bei der Häufigkeit von Konflikten und beim Umgang mit ihnen gab es jedoch keine Unterschiede zwischen diesen beiden Bereichen.

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»Nanotechnologie

Dagegen gibt es in der Wirtschaft mehr Konflikte und mehr unproduktive Konflikthandhabung als in der Wissenschaft, weil sie meist stärker hierarchisiert ist - und eine hierarchisierte Machtausübung zur Konfliktlösung ungeeignet bzw. unproduktiv ist. Zwar besteht in beiden Bereichen, der Wirtschaft und Wissenschaft, noch die Tendenz, Konflikte als nicht "sachgemäß" und nicht "rational" anzusehen und als Randerscheinung abzutun oder sogar zunächst zu leugnen. Die Befragung in Unternehmen und wissenschaftlichen Instituten zeigte aber, dass intensive Konflikte einen deutlichen Einfluss auf den Verlauf von Innovationsprojekten hatten.

Wegen unterschiedlicher inhaltlicher Auffassungen beim Vorstoß in wissenschaftliches und technologisches Neuland und den damit verbundenen unterschiedlichen Interessen, erweisen sich Konflikte bei Innovationen als unvermeidlich. Sie sind daher am besten als gemeinsam zu lösendes Problem aufzufassen. "Eine offene, freundliche, den jeweils Anderen respektierende Konfliktaustragung fördert neues Wissen zutage und bringt die Projekte auch im Ablauf voran, und nützt so dem Fortschritt und letztlich dem Erfolg der Projekte", erläutert Prof. Scholl seine Studienergebnisse. Konfliktvermeidung dagegen ist ein schlechtes Ideal, denn ohne Auseinandersetzung wird auch weniger neues und besseres Wissen erzeugt.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Wolfgang Scholl
Tel. (030) 2093-9330
E-Mail: schollwo@cms.hu-berlin.de

Christine Schniedermann | idw
Weitere Informationen:
http://www.psychologie.hu-berlin.de/orgpsy/index.htm

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