Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wissenschaftlicher Taucheinsatz im Toten Meer: Der Salzsee ist in Gefahr

05.12.2014

Das Tote Meer ist nicht nur besonders salzig, es wird auch immer weniger: Der Wasserspiegel ist in den vergangenen 30 Jahren um 28 Meter gesunken – und das hat Konsequenzen für Mensch und Umwelt.

Wissenschaftliche Taucher von der TU Bergakademie Freiberg waren gemeinsam mit Forschern des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) sowie Mitarbeitern des Unternehmens EvoLogics vor Ort, um Frischwasserzutritte am Seeboden zu finden, die helfen können, das System besser zu verstehen.


Uferbereich des Toten Meeres in der Nähe von En Gedi mit dem Judäischen Gebirge im Hintergrund (israelische Seite; Teil des Westjordanlandes)

TU Bergakademie Freiberg / Mandy Hoyer


Uferbereich auf der Israelischen Seite des Toten Meeres nahe En Gedi. Man sieht die verschiedenartig geformten Salzkrusten und Salz-Ton-Wechsellagerungen sowie die dramatische Seespiegelabsenkung

TU Bergakademie Freiberg / Mandy Hoyer

Das Ökosystem und die es verändernden Prozesse besser zu verstehen – das war das Ziel des Forschungseinsatzes in Israel. Prof. Broder J. Merkel, Dr. Thomas Pohl und M.Sc. Mandy Hoyer vom Scientific Diving Center (SDC) der TU Bergakademie Freiberg hatten es bei Ihrem Einsatz im Toten Meer nicht leicht. Wüstenklima, die angespannte politische Situation sowie die extremen Bedingungen im und um das Wasser machten die Arbeit vor Ort zu einer Herausforderung.

„Die hohe Dichte des Wassers und der damit verbundene Auftrieb sowie die Aggressivität der Sole stellten zusätzliche Herausforderungen für das Arbeiten unter Wasser dar“, erklärt Prof. Broder J. Merkel. Das Wasser weist Salzgehalte von durchschnittlich 28 Prozent auf – fast zehnmal höher als die der Weltmeere. Ohne ein Zusatzgewicht von etwa 60 Kilogramm (größtenteils in Form von Bleigewichten) pro erwachsenen Taucher ist der Tauchgang nicht möglich.

Das Scientific Diving Center der TUBAF bildet Wissenschaftler für wissenschaftliche Einsätze unter Wasser aus; allerdings sei laut Prof. Merkel ein Taucheinsatz unter solch extremen Bedingungen wie im Toten Meer eher die Ausnahme.

Vor Ort wollten die Freiberger Forscher zusammen mit Wissenschaftlern des UFZ und der Firma EvoLogics erkunden, welche Folgen die Absenkung des Wasserspiegels des Toten Meeres auf die Region und insbesondere das Grundwasser in der Region hat. Dies ist auch Ziel des Helmholtz-Verbundprojektes DESERVE (www.deserve-vi.net), in dem Hydrogeologen des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung seit mehreren Jahren die hydrogeochemische und isotopische Zusammensetzung der Grundwässer in Zusammenarbeit mit Mikrobiologen vom IGB Berlin untersuchen. Seit 2012 existiert die Zusammenarbeit der Taucher vom SDC mit den Kollegen vom UFZ.

Das Tote Meer ist, entgegen seinem Namen, kein Meer, sondern ein abflussloser See. In der Region herrscht Wüstenklima und so verdunstet permanent Wasser von der Seeoberfläche und der Wasserspiegel sinkt, wenn er nicht durch Zuflüsse ausgeglichen wird. Diese natürlichen Zuflüsse werden durch menschliches Zutun verändert: Wasser aus dem Jordan, dem Hauptzufluss zum Toten Meer, wird abgeleitet und für Bewässerungsmaßnahmen in der Landwirtschaft sowie für Industrie und private Haushalte genutzt.

Das Wasser aus dem Toten Meer selbst wird verdampft, um aus den Rückständen Kalium, Brom, Magnesium und Jod sowie als heilend angepriesene Salze zu gewinnen. All das führt in Summe dazu, dass der Seespiegel dramatisch sinkt. Im Vergleich zu 1980 liegt der Wasserspiegel nun nicht mehr nur 400 Meter unter dem Meeresspiegel, sondern heute bei -428 Meter. In den letzten beiden Jahren sank er um ca. drei Meter; Prognosen gehen davon aus, dass das Tote Meer in 50 Jahren verschwunden sein könnte, wenn die Übernutzung der Wasserressourcen weiterhin in diesem Tempo voranschreitet.

Und das hat weitreichende Konsequenzen für Mensch und Umwelt in der Region. Denn das Wasser des Toten Meeres ist hydraulisch mit dem umliegenden Grundwasser verbunden. Sinkt der Seespiegel, wird automatisch auch der Grundwasserspiegel abgesenkt – die ohnehin schon knappe Ressource Wasser wird noch rarer. Eine weitere Konsequenz sind massive Einbrüche an der Erdoberfläche.

Die wissenschaftlichen Taucher der TU waren nun auf der Suche nach Frischwasserzutritten, die unter Wasser im Küstenbereich in das Tote Meer fließen. Diese kann man aufgrund von Temperatur- und Dichteunterschieden schon an der Seeoberfläche erkennen. Die Wissenschaftler wollen die einströmenden Wässer sowohl quantitativ als auch qualitativ charakterisieren, um zu verstehen, wie der fallende Wasserspiegel das System verändert.

Die genommenen Wasserproben werden nun in Freiberg, Leipzig und Bremen auf Haupt- und Spurenelemente, anorganischen und organischen Kohlenstoffgehalt, Wasserstoff-, Sauerstoff- und Schwefelisotope sowie die DNA von Mikroorganismen untersucht. Denn das Tote Meer ist zwar kein Lebensraum für Fische, aber dennoch keineswegs tot; insbesondere im Bereich der Frischwasserzutritte gibt es Mikroorganismen. Es bleibt also spannend, welche Erkenntnisse die Ergebnisse bringen werden.


Weitere Informationen:

http://tu-freiberg.de/presse/wissenschaftlicher-taucheinsatz-im-toten-meer

Madlen Domaschke | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Asteroid in eiserner Rüstung
28.02.2020 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

nachricht Schaufenster Bioökonomie: Tropische Wolkenforschung für genauere Klimaprognosen
28.02.2020 | Universität Hohenheim

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wiegende Halme auf der Handwerksmesse München

Talente-Sonderschau: Architekturstudenten der HTWK Leipzig zeigen filigrane Skulptur aus Strohhalmen – dahinter steckt eine Konstruktionsidee für organisch gekrümmte Fassaden

Swaying Straws (Wiegende Halme) heißt die Skulptur, die die zwei Architekturstudenten Fabian Eidner und Theodor Reinhardt von der Hochschule für Technik,...

Im Focus: Wissenschaftler beleuchten aktuellen Stand der Anwendung des Maschinenlernens bei Forschung an aktiven Materialien

Verfahren des Maschinenlernens haben durch die Verfügbarkeit von enormen Datenmengen in den vergangenen Jahren einen großen Zuwachs an Anwendungen in vielen Gebieten erfahren: vom Klassifizieren von Objekten, über die Analyse von Zeitreihen bis hin zur Kontrolle von Computerspielen und Fahrzeugen. In einem aktuellen Review in der Zeitschrift „Nature Machine Intelligence“ beleuchten Autoren der Universitäten Leipzig und Göteborg den aktuellen Stand der Anwendung und Anwendungsmöglichkeiten des Maschinenlernens im Bereich der Forschung an aktiven Materialien.

Als aktive Materialien bezeichnet man Systeme, die durch die Umwandlung von Energie angetrieben werden. Bestes Beispiel für aktive Materialien sind biologische...

Im Focus: Computersimulationen stellen bildlich dar, wie DNA erkannt wird, um Zellen in Stammzellen umzuwandeln

Forscher des Hubrecht-Instituts (KNAW - Niederlande) und des Max-Planck-Instituts in Münster haben entdeckt, wie ein essentielles Protein bei der Umwandlung von normalen adulten humanen Zellen in Stammzellen zur Aktivierung der genomischen DNA beiträgt. Ihre Ergebnisse werden im „Biophysical Journal“ veröffentlicht.

Die Identität einer Zelle wird dadurch bestimmt, ob die DNA zu einem beliebigen Zeitpunkt „gelesen“ oder „nicht gelesen“ wird. Die Signalisierung in der Zelle,...

Im Focus: Bayreuther Hochdruck-Forscher entdecken vielversprechendes Material für Informationstechnologien

Forscher der Universität Bayreuth haben ein ungewöhnliches Material entdeckt: Bei einer Abkühlung auf zwei Grad Celsius ändern sich seine Kristallstruktur und seine elektronischen Eigenschaften abrupt und signifikant. In diesem neuen Zustand lassen sich die Abstände zwischen Eisenatomen mithilfe von Lichtstrahlen gezielt verändern. Daraus ergeben sich hochinteressante Anwendungsmöglichkeiten im Bereich der Informationstechnologien. In der Zeitschrift „Angewandte Chemie – International Edition“ stellen die Wissenschaftler ihre Entdeckung vor. Die neuen Erkenntnisse sind aus einer engen Zusammenarbeit mit Partnereinrichtungen in Augsburg, Dresden, Hamburg und Moskau hervorgegangen.

Bei dem ungewöhnlichen Material handelt es sich um ein Eisenoxid mit der Zusammensetzung Fe₅O₆. In einem Hochdrucklabor des Bayerischen Geoinstituts (BGI),...

Im Focus: Von China an den Südpol: Mit vereinten Kräften dem Rätsel der Neutrinomassen auf der Spur

Studie von Mainzer Physikern zeigt: Experimente der nächsten Generation versprechen Antworten auf eine der aktuellsten Fragen der Neutrinophysik

Eine der spannendsten Herausforderungen der modernen Physik ist die Ordnung oder Hierarchie der Neutrinomassen. Eine aktuelle Studie, an der Physiker des...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Hate Speech bis KI: Online-Forscher_innen aus aller Welt treffen sich zur General Online Research an der HTW Berlin

28.02.2020 | Veranstaltungen

CLIMATE2020 – Weltweite Online-Klimakonferenz vom 23. bis 30. März 2020

26.02.2020 | Veranstaltungen

Automatisierung im Dienst des Menschen

25.02.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Asteroid in eiserner Rüstung

28.02.2020 | Geowissenschaften

Hate Speech bis KI: Online-Forscher_innen aus aller Welt treffen sich zur General Online Research an der HTW Berlin

28.02.2020 | Veranstaltungsnachrichten

UV-Licht gegen störenden Unterwasserbewuchs – Innovatives Antifouling-System des IOW jetzt reif für Serienproduktion

28.02.2020 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics