Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wirtschaftlichkeit des Zwei-Grad-Ziels hängt von Technologien ab

15.03.2010
Die Nutzung erneuerbarer Energie, das Abscheiden und Einlagern von Kohlendioxid aus industriellen Abgasen sowie Steigerungen der Energie-Effizienz sind entscheidende Technologien, um den Anstieg der globalen Mitteltemperatur auf zwei Grad Celsius zu begrenzen.

In einer Sonderausgabe des Wissenschaftsmagazins "The Energy Journal" berichtet ein Forscherteam vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und vier weiteren europäischen Institutionen, dass die Konzentration der Treibhausgase in der Erdatmosphäre zu geringen Kosten bei entsprechend niedrigen Werten gehalten werden kann. Die Kosten und die Abhängigkeit von einzelnen Technologien nehmen jedoch mit der Wahrscheinlichkeit zu, mit der man das Zwei-Grad-Ziel erreichen will.

"Wir sind zunächst von einer idealisierten Welt ausgegangen, in der alle vorhandenen und neu entwickelten Technologien frei verfügbar sind", sagt Ottmar Edenhofer. "Wir haben jedoch auch Szenarien untersucht, in denen einige Technologien nicht oder nur begrenzt verfügbar sind", fügt der Chefökonom des PIK hinzu. Wie die Wissenschaftler nun in einem Artikel der Sonderausgabe der Zeitschrift "The Energy Journal" berichten, sind dann jedoch die Kosten für die Vermeidung des Klimawandels deutlich höher und sehr hochgesteckte Klimaschutzziele können nicht erreicht werden.

Im Rahmen des EU-geförderten Projekts "Adaptation and mitigation strategies: supporting European climate policy" (Anpassungs- und Vermeidungsstrategien zur Unterstützung europäischer Klimaschutzpolitik, ADAM) haben die Forscher technologische Möglichkeiten untersucht, den Anstieg der Treibhausgaskonzentration in der Erdatmosphäre auf drei unterschiedliche Werte zu begrenzen. Diese Werte entsprechen Kohlendioxid-Konzentrationen von 550, 450 und 400 ppm (Teile pro Million) und Wahrscheinlichkeiten von ungefähr 15, 50 und 75 Prozent, das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen. Die Wissenschaftler nutzten fünf hoch entwickelte Computermodelle, die die Bereiche Energie, Umwelt und Wirtschaft abbilden, um die technologischen Szenarien zu entwickeln und verglichen die Ergebnisse systematisch.

"Die Modelle zeigen, dass es unterschiedliche technologische Entwicklungspfade gibt, das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen", sagt Brigitte Knopf, die wissenschaftliche Koordinatorin des ADAM Modellvergleichs. Alle Modelle zeigten, dass die Treibhausgaskonzentration zu geringen Kosten bei 400 ppm gehalten werden kann. Dabei entstünden, aufsummiert bis zum Ende des Jahrhunderts, Verluste von nicht mehr als 2,5 Prozent des globalen Bruttosozialprodukts, berichten die Forscher. Dazu sei es jedoch notwendig, ein Portfolio von Technologien einsetzen zu können. "Es gibt nicht den einen Königsweg zur Lösung des Klimaproblems", sagt Knopf, "aber die Modelle stimmen in der Bedeutung der unterschiedlichen Technologien überein."

Ohne das Abscheiden und Einlagern von Kohlendioxid (Carbon Capture and Storage, CCS) oder die intensive Nutzung erneuerbarer Energie wird die Stabilisierung der Treibhausgaskonzentration erheblich höhere Kosten verursachen. Ambitionierte Klimaschutzziele wären womöglich nicht zu halten. In den Simulationen mit einem der Modelle war dazu auch der Einsatz von Biomasse zur Produktion von Strom und Wärme unverzichtbar, bei zwei anderen Modellen verdoppelten sich die Kosten, wenn die Nutzung der Biomasse auf ein nachhaltig verfügbares Potenzial beschränkt wurde.

Dagegen spielt die Kernenergie für die Vermeidung des Klimawandels eine untergeordnete Rolle, da auf den Ausbau von Kernenergie fast kostenneutral verzichtet werden kann. Darüber hinaus zeigen die Modelle, dass ein globaler Ausstieg aus der Kernenergie die Kosten der Vermeidung kaum erhöhen würde.

"Unsere Modellanalyse allein kann jedoch nicht alle wirtschaftlichen und politischen Fragen beantworten oder aufzeigen, wie mit den Risiken einiger der Technologien umzugehen ist", sagt Brigitte Knopf. So sei bislang beispielsweise unklar, ob CCS überhaupt technisch machbar und sicher ist oder in welchem Maße die intensive Nutzung von Biomasse als Energieträger in Konkurrenz zu Nahrungsmittelproduktion und Naturschutz treten würde. Die Studie zeigt jedoch eindeutig, dass es bei der Begrenzung der Kosten für die Vermeidung des Klimawandels - einer wichtigen Voraussetzung für ein globales Klimaschutzabkommen - darauf ankommt, einen ganzen Fächer entsprechender Technologien weiter zu entwickeln.

Artikel: Ottmar Edenhofer, Brigitte Knopf, Terry Barker, Lavinia Baumstark, Elie Bellevrat, Bertrand Chateau, Patrick Criqui, Morna Isaac, Alban Kitous, Socrates Kypreos, Marian Leimbach, Kai Lessmann, Bertrand Magne, Serban Scrieciu, Hal Turton, Detlef P. van Vuuren (2009) The Economics of Low Stabilization: Model Comparison of Mitigation Strategies and Costs. The Energy Journal, Volume 31, Special Issue, http://www.iaee.org/en/publications/journal.aspx

Weitere Informationen:

Projekt-Homepage am PIK:
http://www.pik-potsdam.de/project-adam
Internationale Projekt-Homepage
http://www.adamproject.eu/
Für weitere Informationen und Interviews wenden Sie sich bitte an die PIK-Pressestelle:
Tel.: +49 331 288 25 07
E-Mail: presse@pik-potsdam.de

Patrick Eickemeier | idw
Weitere Informationen:
http://www.pik-potsdam.de
http://www.pik-potsdam.de/project-adam

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Gebirge in Bewegung
14.08.2018 | Technische Universität München

nachricht Künstliche Gletscher als Antwort auf den Klimawandel?
09.08.2018 | Universität Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Mischung macht‘s: Jülicher Forscher entwickeln schnellladefähige Festkörperbatterie

Mit Festkörperbatterien sind aktuell große Hoffnungen verbunden. Sie enthalten keine flüssigen Teile, die auslaufen oder in Brand geraten könnten. Aus diesem Grund sind sie unempfindlich gegenüber Hitze und gelten als noch deutlich sicherer, zuverlässiger und langlebiger als herkömmliche Lithium-Ionen-Batterien. Jülicher Wissenschaftler haben nun ein neues Konzept vorgestellt, das zehnmal größere Ströme beim Laden und Entladen erlaubt als in der Fachliteratur bislang beschrieben. Die Verbesserung erzielten sie durch eine „clevere“ Materialwahl. Alle Komponenten wurden aus Phosphatverbindungen gefertigt, die chemisch und mechanisch sehr gut zusammenpassen.

Die geringe Stromstärke gilt als einer der Knackpunkte bei der Entwicklung von Festkörperbatterien. Sie führt dazu, dass die Batterien relativ viel Zeit zum...

Im Focus: It’s All in the Mix: Jülich Researchers are Developing Fast-Charging Solid-State Batteries

There are currently great hopes for solid-state batteries. They contain no liquid parts that could leak or catch fire. For this reason, they do not require cooling and are considered to be much safer, more reliable, and longer lasting than traditional lithium-ion batteries. Jülich scientists have now introduced a new concept that allows currents up to ten times greater during charging and discharging than previously described in the literature. The improvement was achieved by a “clever” choice of materials with a focus on consistently good compatibility. All components were made from phosphate compounds, which are well matched both chemically and mechanically.

The low current is considered one of the biggest hurdles in the development of solid-state batteries. It is the reason why the batteries take a relatively long...

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Dialog an Deck, Science Slam und Pong-Battle

21.08.2018 | Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Zukünftige Informationstechnologien: Wärmetransport auf der Nanoskala unter die Lupe genommen

21.08.2018 | Physik Astronomie

Bedeutung des „Ozeanwetters“ für Ökosysteme

21.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

Auf dem Weg zur personalisierten Medizin

21.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics