Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weltweit größte Pflanzenvielfalt - Über 100 verschiedene Pflanzengattungen in Messel bestimmt

27.07.2012
Wissenschaftler des Senckenberg Forschungsinstitutes in Frankfurt haben die umfangreiche Frucht- und Samensammlung aus der Grube Messel untersucht. Sie fanden dabei 140 verschiedene Pflanzengattungen, von denen 65 bisher unbekannt waren.
Die Ergebnisse werden heute in den „Abhandlungen der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung“ veröffentlicht. Sie belegen, dass Messel weltweit eine der artenreichsten Floren im Paläogen – der Zeitspanne von etwa 65 bis 23 Millionen Jahren vor heute – hatte.

Urpferdchen, Halbaffe Ida und Prachtkäfer – die spektakulären Funde aus der Fossilienfundstelle Grube Messel in der Nähe Darmstadts sind weltweit bekannt. Doch auch die Pflanzenfossilien aus Messel sind in ihrer Vielfalt einzigartig. Eine Übersicht über den Reichtum der urzeitlichen Pflanzenwelt geben Wissenschaftler des Senckenberg Forschungsinstitutes in Frankfurt, der Universität London und des Florida Museum of Natural History nun in einer über 250seitigen Monographie.

Insgesamt beschrieb das internationale Team 140 Pflanzengattungen aus den Sammlungen Senckenbergs und des Hessischen Landesmuseums in Darmstadt. Die Samen und Früchte, wie auch viele Blätter, Blüten und Pollenkörner, wurden bei den Ausgrabungen beider Institutionen in den letzten Jahrzehnten geborgen, bisher aber nicht umfassend untersucht. „Wir haben sehr viele Überreste von Blütenpflanzen und einige Nadelhölzer gefunden“, erläutert Dr. habil. Volker Wilde, Sektionsleiter der Paläobotanik am Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt. „Über 60 Pflanzentypen konnten wir keiner bekannten Familie zuordnen – sie sind echte Neuentdeckungen.“

Zehn der jetzt beschriebenen Familien von Blütenpflanzen waren bisher in Messel nicht bekannt, drei Gattungen wurden sogar das erste Mal für das Paläogen beschrieben. Die Monographie zeigt, dass Messel weltweit eine der reichhaltigsten Pflanzenfundstellen dieser Zeit darstellt.

„Beeindruckt hat uns aber nicht nur die große Anzahl unterschiedlicher Pflanzenfamilien, sondern auch die Vielfalt der Verbreitungsstrategien, die diese bereits damals entwickelt hatten“, ergänzt Wilde. Einige bildeten Flügel an ihren Samen aus und vertrauten auf den Wind, andere setzten auf die Verbreitung durch Tiere und weitere entwickelten mit Hochdruck explodierende Kapseln, die ihre Samen im weiten Umkreis verstreuten.

„Aus der beschrieben Flora können wir auch Rückschlüsse auf die Nahrung der Tiere vor 47 Millionen Jahren ziehen“, erklärt der Frankfurter Botaniker. „Früchte und Samen im Darminhalt von Wirbeltieren weisen darauf hin, dass sie ein wichtiger Bestandteil ihres Speiseplans waren. Angebohrte Samen zeigen außerdem, dass sich auch die aus Messel bekannten Rüsselkäfer von bestimmten Pflanzen ernährten.“

Die Pflanzenwelt eignet sich zudem hervorragend für die Rekonstruktion von Klima- und Umweltbedingungen. Durch die Auswertung von inzwischen etwa 30.000 Pflanzenresten schließen die Wissenschaftler auf ein tropisch-warmes Klima mit leichten saisonalen Schwankungen. Die Arbeit der Paläobotaniker bestätigt damit die vorherigen Studien zum Paläoklima zur Zeit des Messel-Sees.
„Wir gehen davon aus, dass der Messel-See von einem mehr oder weniger tropischen Regenwald mit verschiedenen Stockwerken umgeben war, ähnlich wie in Gebieten mit einem vergleichbaren Klima zur heutigen Zeit. Auch einen hohen Anteil an Lianen und einige Sumpfpflanzen konnten wir ermitteln – eine echte Dschungelatmosphäre und das fast vor unserer Haustür“, resümiert Wilde.

Kontakt
Priv.-Doz. Dr. habil. Volker Wilde
Sektion Paläobotanik
Tel: 069 / 97075-1160
volker.wilde@senckenberg.de

Judith Jördens
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1434
judith.joerdens@senckenberg.de

Publikation
Abhandlungen der SGN, 570
Margaret E. Collinson, Steven R. Manchester & Volker Wilde:
Fossil Fruits and Seeds of the Middle Eocene Messel biota, Germany
2012, 251 pp, 2 figs, 3 tabs, 76 plates, ISBN 978–3–510–61400–4
www.schweizerbart.de/9783510614004

Die Erforschung von Lebensformen in ihrer Vielfalt und ihren Ökosystemen, Klimaforschung und Geologie, die Suche nach vergangenem Leben und letztlich das Verständnis des gesamten Systems Erde-Leben – dafür arbeitet die SENCKENBERG Gesellschaft für Naturforschung. Ausstellungen und Museen sind die Schaufenster der Naturforschung, durch die Senckenberg aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse mit den Menschen teilt und Einblick in vergangene Zeitalter sowie die Vielfalt der Natur vermittelt.

Judith Jördens | Senckenberg
Weitere Informationen:
http://www.senckenberg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Geowissenschaften: Was unter dem Wald schläft
15.10.2018 | Ruhr-Universität Bochum

nachricht Für Saturnmond-Mission: Einschmelzsonde getestet
12.10.2018 | Technische Universität Braunschweig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Auf Wiedersehen, Silizium? Auf dem Weg zu neuen Materalien für die Elektronik

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz haben zusammen mit Wissenschaftlern aus Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgarien) und Madrid (Spanien) ein neues, metall-organisches Material entwickelt, welches ähnliche Eigenschaften wie kristallines Silizium aufweist. Das mit einfachen Mitteln bei Raumtemperatur herstellbare Material könnte in Zukunft als Ersatz für konventionelle nicht-organische Materialien dienen, die in der Optoelektronik genutzt werden.

Bei der Herstellung von elektronischen Komponenten wie Solarzellen, LEDs oder Computerchips wird heutzutage vorrangig Silizium eingesetzt. Für diese...

Im Focus: Goodbye, silicon? On the way to new electronic materials with metal-organic networks

Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) in Mainz (Germany) together with scientists from Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgaria) and Madrid (Spain) have now developed and characterized a novel, metal-organic material which displays electrical properties mimicking those of highly crystalline silicon. The material which can easily be fabricated at room temperature could serve as a replacement for expensive conventional inorganic materials used in optoelectronics.

Silicon, a so called semiconductor, is currently widely employed for the development of components such as solar cells, LEDs or computer chips. High purity...

Im Focus: Blauer Phosphor – jetzt erstmals vermessen und kartiert

Die Existenz von „Blauem“ Phosphor war bis vor kurzem reine Theorie: Nun konnte ein HZB-Team erstmals Proben aus blauem Phosphor an BESSY II untersuchen und über ihre elektronische Bandstruktur bestätigen, dass es sich dabei tatsächlich um diese exotische Phosphor-Modifikation handelt. Blauer Phosphor ist ein interessanter Kandidat für neue optoelektronische Bauelemente.

Das Element Phosphor tritt in vielerlei Gestalt auf und wechselt mit jeder neuen Modifikation auch den Katalog seiner Eigenschaften. Bisher bekannt waren...

Im Focus: Chemiker der Universitäten Rostock und Yale zeigen erstmals Dreierkette aus gleichgeladenen Ionen

Die Forschungskooperation zwischen der Universität Yale und der Universität Rostock hat neue wissenschaftliche Ergebnisse hervorgebracht. In der renommierten Zeitschrift „Angewandte Chemie“ berichten die Wissenschaftler über eine Dreierkette aus Ionen gleicher Ladung, die durch sogenannte Wasserstoffbrücken zusammengehalten werden. Damit zeigen die Forscher zum ersten Mal eine Dreierkette aus gleichgeladenen Ionen, die sich im Grunde abstoßen.

Die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen den Professoren Mark Johnson, einem weltbekannten Cluster-Forscher, und Ralf Ludwig aus der Physikalischen Chemie der...

Im Focus: Storage & Transport of highly volatile Gases made safer & cheaper by the use of “Kinetic Trapping"

Augsburg chemists present a new technology for compressing, storing and transporting highly volatile gases in porous frameworks/New prospects for gas-powered vehicles

Storage of highly volatile gases has always been a major technological challenge, not least for use in the automotive sector, for, for example, methane or...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

11. Jenaer Lasertagung

16.10.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2018

16.10.2018 | Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz in der Medizin

16.10.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Sinneswahrnehmung ist keine Einbahnstraße

17.10.2018 | Biowissenschaften Chemie

Space Farming dank Pflanzenhormon Strigolacton

17.10.2018 | Agrar- Forstwissenschaften

Oberflächen mit flexiblen und handlichen Plasmaquellen aktivieren

17.10.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics