Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Was war zuerst: Ei oder Fötus?

17.08.2012
Was gab es zuerst auf dem Land: Tiere, die Eier legen, oder Lebewesen, die ihre Jungen lebend gebären? Paläontologen gehen davon aus, dass bei den Landtieren die Reproduktion durch Eier weit früher vorkam als durch Föten im Mutterleib.

Der Fossilbericht zeigt jedoch genau das Gegenteil. Der Paläontologe Prof. Dr. Martin Sander von der Universität Bonn weist in der aktuellen Ausgabe des renommierten Fachmagazins „Science“ nun einen Weg aus diesem Paradoxon.


Der Keichousaurus aus Yichang (China) ist mit 235 Millionen Jahren einer der ältesten Belege für lebend gebärende Meeresreptilien. Das Tier enthält auf seiner rechten Seite drei Embryonen, die mit den roten Pfeilen gekennzeichnet sind.
(c) Foto: Nicole Klein/Uni Bonn

In der Wissenschaft herrscht die Meinung vor, dass Eier legende Landtiere in der Erdgeschichte deutlich vor den lebend gebärenden aufgetaucht sein müssen. „Der Erfolg der Landtiere beruht auf ihrer besonderen Reproduktion durch Eierlegen“, sagt Prof. Dr. Martin Sander vom Steinmann-Institut für Geologie, Mineralogie und Paläontologie der Universität Bonn. „Damit konnten auch trockene Lebensräume besiedelt werden, die Amphibien nicht offenstehen.“ Auch Meeressaurier stammen wie die Wale und Robben von Landtieren ab und waren ursprünglich Eierleger, wie etwa Meeresschildkröten.

Allerdings sind die Fossilien von lebendgebärenden Reptilien wesentlich älter als die ältesten Eierfunde. So stellten im März 2012 südamerikanische und französische Forscher um Graciela Pineiro in „Historical Biology“ den bislang ältesten Fund eines schwangeren Muttertiers des primitiven Meeresreptils Mesosaurus aus Südamerika vor, das auf rund 280 Millionen Jahre datiert wird. Zum Vergleich: Die fossile Überlieferung von Eiern setzt erst mit den kalkigen Eierschalen der Dinosaurier vor frühestens 220 Millionen Jahren ein.

Der Paläontologe Prof. Sander von der Universität Bonn weist nun in der aktuellen Ausgabe von „Science“ einen Weg, wie sich dieses Paradoxon auflösen lässt: „Eier legende Lebewesen kamen früher vor als lebend gebärende, aber ihre Eier fossilisieren schlechter als schwangere Muttertiere.“ Das ursprüngliche Landtier-Ei habe eine weiche, ledrige Schale gehabt, das im Lauf der Jahrmillionen nicht erhalten wurde. Besser erhaltbare kalkige Schalen kamen erst später hinzu. Damit gibt es kein Zeugnis von den frühen Eierlegern mehr.

Dagegen seien die lebend gebärenden Meeressaurier besonders gut überliefert. Von Meeresreptilien wie den bekannten Fischsauriern aus Holzmaden in Süddeutschland oder den Plesiosauriern (Paddelechsen) sind in den Fossillagerstätten nicht nur einzelne Knochen erhalten, sondern ganze Skelette – und die braucht man, um schwangere Muttertiere nachzuweisen. Prof. Sanders Fazit: „Der Fossilbericht ist in Sachen Reproduktion bei Landtieren sehr unausgewogen – nicht alle Lebewesen wurden auch in gleichem Maße erhalten.“

Publikation: Reproduction in Early Amniotes, Science, DOI: 10.1126/science.1224301

Kontakt:

Prof. Dr. Martin Sander
Steinmann-Institut für Geologie, Mineralogie und Paläontologie
E-Mail: martin.sander@uni-bonn.de

Johannes Seiler | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Biber verändern das Gesicht der Arktis
16.07.2018 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Drohnen zählen Tiere in Afrika
11.07.2018 | Schweizerischer Nationalfonds SNF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics