Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der Tod kam aus dem All

05.03.2010
War es der Einschlag eines gigantischen Meteoriten oder doch vielleicht verheerende Vulkanausbrüche?

Bis heute diskutieren Forscher darüber, was vor 65 Millionen Jahren zwei Drittel aller Tier- und Pflanzenarten auf der Erde auslöschte und das Zeitalter der Dinosaurier beendete. Eine Gruppe internationaler Wissenschaftler unter Leitung des Geologen Dr. Peter Schulte von der Universität Erlangen-Nürnberg hat neueste Daten analysiert und relevante Studien ausgewertet. Die Ergebnisse belegen, dass der Auslöser eines der größten Massensterben in der Erdgeschichte aus dem All kam. Nachzulesen sind sie in der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins Science (4. März 2010, Vol. 327, Issue 5970).

Für Jahrzehnte war die Ursache für das große Massensterben am Ende der Kreidezeit eine der wichtigsten offenen Fragen in den Geowissenschaften. Vor 30 Jahren fanden Forscher die ersten stichhaltigen Belege für einen Meteoriten. Seit 20 Jahren kennt die Wissenschaft dessen Einschlagstelle: Ein 200 Kilometer großer Krater bei Chicxulub ("Chick-shuh-loob") in Südmexiko. Der Meteorit, der dort einschlug, maß vermutlich rund zehn Kilometer im Durchmesser und raste mit einer Geschwindigkeit von bis zu 20 Kilometern pro Sekunde auf die Erde zu, der mehr als zwanzigfachen Geschwindigkeit einer Gewehrkugel. Der aufgewirbelte Staub und die freigesetzten schwefelhaltigen Gase verdunkelten den Himmel über dem gesamten Planeten und verursachten unter anderem eine jahrelang anhaltende Kälteperiode, der viele Arten zum Opfer fielen.

Die Theorie vom Meteoriteneinschlag hat in der Fachwelt nicht nur Befürworter. Der größte Widerspruch kam vor einigen Jahren von der Universität Princeton, USA. Die amerikanischen Forscher machen extrem starken Vulkanismus in Indien für das Ende der Dinosaurier und der anderen Arten verantwortlich und sagen, dass das Aussterben erst 300.000 Jahre nach dem Einschlag bei Chicxulub einsetzte.

Die neuen Untersuchungen des internationalen Forscherteams unter Erlanger Leitung widerlegen diese Behauptungen. "Die Vulkanausbrüche in Indien begannen schon 500.000 Jahre bevor das weltweite Massensterben einsetzte - ohne dass sich gravierende Auswirkungen auf die globale Artenvielfalt zeigten", sagen Peter Schulte und seine Forscherkollegen. Die mehr als 40 Wissenschaftler aus Europa, den USA, Mexiko, Kanada und Japan konnten unter anderem nachweisen, dass erst am Übergang von der Kreidezeit zum Tertiär zahlreiche Pflanzen- und Tierarten schlagartig ausstarben und zwar genau zeitgleich mit dem Meteoriteneinschlag.

Die zeitliche Lücke von 300.000 Jahren zwischen dem Einschlag des Meteoriten und dem Massensterben habe es nicht gegeben, meinen die Forscher. "Die Gegner der Meteoriten-Theorie stützen sich bei ihren Behauptungen hauptsächlich auf wenige Gesteinsablagerungen rund um den Krater, die angeblich diese Lücke zeigen", sagt Peter Schulte. "Bei einem Meteoriteneinschlag dieser Größe wird eine Energie freigesetzt, die millionenfach höher ist als die der größten jemals getesteten Atombombe. Der Einschlag löste gewaltige Erdbeben, riesige Rutschungen und Tsunamis aus, die vor allem im heutigen Golf von Mexiko zu chaotischen Gesteinsabfolgen führten. Somit sind die Gesteinsschichten direkt im Bereich von Chicxulub sicherlich am wenigsten geeignet, um die genaue Reihenfolge der Ereignisse vor 65 Millionen Jahren aufzuklären." Weitaus besser eignen sich Gesteinsabfolgen in größerer Entfernung vom Krater. In ihrer Studie zeigen die Forscher, dass der Meteorit sogar in mehreren tausend Kilometern Entfernung eine Art Fingerabdruck in Form von winzigen Bruchstücken typischer Gesteine der Einschlagstelle in Südmexiko hinterlassen hat.

Darüber hinaus passe auch der Ablauf des Artensterbens genau zu den globalen ökologischen Folgen des Meteoriteneinschlags, erklärt Peter Schulte. Plötzlich einsetzende jahrelange Dunkelheit und Kälte wirkten sich gleichermaßen auf Land- und Meeresbewohner aus. Dies war katastrophal für die Pflanzen und Tiere, die ohne Licht nicht überleben können und somit besonders verheerend für Organismen mit einem hohen Nahrungsbedarf.

Weitere Informationen

Dr. Peter Schulte
Tel.: 09131/85-22514
schulte@geol.uni-erlangen.de

Sandra Kurze | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-erlangen.de/infocenter/meldungen/aktuelles/chicxulub.zip

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Seltene Erden in norwegischen Fjorden?
06.08.2020 | Jacobs University Bremen gGmbH

nachricht Auf Spurensuche in Grönland
06.08.2020 | Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Projektabschluss ScanCut: Filigranere Steckverbinder dank Laserschneiden

Eine entscheidende Ergänzung zum Stanzen von Kontakten erarbeiteten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT. Die Aachener haben im Rahmen des EFRE-Forschungsprojekts ScanCut zusammen mit Industriepartnern aus Nordrhein-Westfalen ein hybrides Fertigungsverfahren zum Laserschneiden von dünnwandigen Metallbändern entwickelt, wodurch auch winzige Details von Kontaktteilen umweltfreundlich, hochpräzise und effizient gefertigt werden können.

Sie sind unscheinbar und winzig, trotzdem steht und fällt der Einsatz eines modernen Fahrzeugs mit ihnen: Die Rede ist von mehreren Tausend Steckverbindern im...

Im Focus: ScanCut project completed: laser cutting enables more intricate plug connector designs

Scientists at the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT have come up with a striking new addition to contact stamping technologies in the ERDF research project ScanCut. In collaboration with industry partners from North Rhine-Westphalia, the Aachen-based team of researchers developed a hybrid manufacturing process for the laser cutting of thin-walled metal strips. This new process makes it possible to fabricate even the tiniest details of contact parts in an eco-friendly, high-precision and efficient manner.

Plug connectors are tiny and, at first glance, unremarkable – yet modern vehicles would be unable to function without them. Several thousand plug connectors...

Im Focus: Elektrogesponnene Vliese mit gerichteten Fasern für die Sehnen- und Bänderrekostruktion

Sportunfälle und der demografische Wandel sorgen für eine gesteigerte Nachfrage an neuen Möglichkeiten zur Regeneration von Bändern und Sehnen. Eine Kooperation aus italienischen und deutschen Wissenschaftler*innen forschen gemeinsam an neuen Materialien, um dieser Nachfrage gerecht zu werden.

Dem Team ist es gelungen elektrogesponnene Vliese mit hochgerichteten Fasern zu generieren, die eine geeignete Basis für Ersatzmaterialien für Sehnen und...

Im Focus: New Strategy Against Osteoporosis

An international research team has found a new approach that may be able to reduce bone loss in osteoporosis and maintain bone health.

Osteoporosis is the most common age-related bone disease which affects hundreds of millions of individuals worldwide. It is estimated that one in three women...

Im Focus: Neue Strategie gegen Osteoporose

Ein internationales Forschungsteam hat einen neuen Ansatzpunkt gefunden, über den man möglicherweise den Knochenabbau bei Osteoporose verringern und die Knochengesundheit erhalten kann.

Die Osteoporose ist die häufigste altersbedingte Knochenkrankheit. Weltweit sind hunderte Millionen Menschen davon betroffen. Es wird geschätzt, dass eine von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Innovationstage 2020 – digital

06.08.2020 | Veranstaltungen

Innovationen der Luftfracht: 5. Air Cargo Conference real und digital

04.08.2020 | Veranstaltungen

T-Shirts aus Holz, Möbel aus Popcorn – wie nachwachsende Rohstoffe fossile Ressourcen ersetzen können

30.07.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Der Türsteher im Gehirn

06.08.2020 | Biowissenschaften Chemie

Kognitive Energiesysteme: Neues Kompetenzzentrum sucht Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft

06.08.2020 | Energie und Elektrotechnik

Projektabschluss ScanCut: Filigranere Steckverbinder dank Laserschneiden

06.08.2020 | Verfahrenstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics