Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stühle rücken im Meer

01.09.2015

Die Artenvielfalt im Meer wird sich zukünftig erhöhen – allerdings nur in einigen Regionen. Andere Lebensräume hingegen werden ihre Artenvielfalt verlieren. Schuld daran ist die Erwärmung der Meere: Durch sie werden sich einige Arten ausbreiten, so dass bislang ökologisch einzigartige Regionen sich immer mehr ähneln werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine internationale Studie, an der auch Paläobiologen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) beteiligt waren, und die jetzt in der Zeitschrift Nature Climate Change* veröffentlicht wurde. Die Wissenschaftler haben zudem Meeresregionen identifiziert, in denen Naturschutz besonders erfolgversprechend ist.

Daten von rund 13.000 Meeresarten ausgewertet


Prof. Dr. Wolfgang Kießling leitet an der FAU den Lehrstuhl für Paläoumwelt. (Bild: FAU/Georg Pöhlein)

Die neue Studie basiert auf Ergebnissen einer vorangegangenen Studie von Prof. Dr. Wolfgang Kießling, Lehrstuhl für Paläontologie der FAU, die in der Zeitschrift Nature erschienen ist.* Damals hatte das internationale Team ein Modell erstellt, mit dem sich vorhersagen lässt, in welchem Tempo und in welche Richtung sich Klimazonen zukünftig verschieben werden – und in welche Regionen Tierarten deswegen abwandern werden.

In der neuen Studie haben die Forscher das Modell nun erweitert und die Temperaturtoleranzen von Meeresbewohnern berücksichtigt, um zu berechnen, welche konkreten Auswirkungen diese Veränderungen in den Meeren bei derzeitigen Klimaperspektiven bis zum Ende des 21. Jahrhundert haben werden.

Für ihre Simulation nutzten die Wissenschaftler Daten von rund 13.000 Arten an Meeresbewohnern – von Weichtieren über Fische bis hin zu Säugetieren. Damit untersuchten sie zehn Mal mehr Arten als vergleichbare Studien. Durch den großen Datensatz liefert die Studie umfangreichere Informationen darüber, wie Gemeinschaften zusammengesetzt sind, und zeigt globale Muster auf, wie diese Zusammensetzung sich in der Zukunft wahrscheinlich verändert.

Das Modell wurde mit zwei unterschiedlichen Szenarien simuliert, die einmal eher konservative Annahmen zur treibhausgasinduzierten Klimaerwärmung machen, einmal aber auch das schlimmste Szenario annehmen, nach dem sich der Energieeintrag auf der Erde bis zum Jahr 2100 um 8,5 Watt pro Quadratmeter gegenüber dem Referenzwert von 1850 erhöht.

Meeresregionen gleichen sich bezüglich ihrer Bewohner an

Die Wissenschaftler konnten ein wiederkehrendes Muster ausmachen. Demnach erhöht sich in vielen Meeresregionen die Artenvielfalt: Viele Arten wandern in eine Region ein, weniger sterben aus. „Eine schnell voranschreitende Klimaerwärmung wird es vielen Arten erleichtern, sich in neuen Gebieten auszubreiten.

Fehlen dann noch ihre gewöhnlichen Rivalen oder Jäger, kann es dazu kommen, dass die neu angesiedelten Arten die heimischen Arten verdrängen“, erklärt Kießling. Durch diese Entwicklung bestehe die Gefahr, so der Wissenschaftler, dass heutige ökologisch einzigartige Gemeinschaften sich bis zum Ende des Jahrhunderts in ihrer Artenzusammensetzung immer ähnlicher werden. Beim schlimmsten Szenario ist auch von einem massiven Verlust der Artenvielfalt in Äquatornähe zu rechnen.

Naturschutz besonders auf bestimmte Regionen konzentrieren

Die in der Studie vorhergesagten Veränderungen der maritimen Artenvielfalt stellen den Naturschutz vor eine große Herausforderung, da proaktiv und über Hoheitsgrenzen hinweg gehandelt werden muss. Daher schlagen die Wissenschaftler in ihrer Studie bestimmte Regionen vor, in denen Naturschutz einen besonders großen Effekt haben könnte: Regionen in denen große vorhergesagte Veränderungen in der Artenvielfalt einhergehen mit einem großen Einfluss durch den Menschen.

Zu diesen Regionen gehören unter anderem das Mittelmeer, die Karibik, die Philippinnen, Taiwan und China. Ebenfalls vielversprechend für den Artenschutz sind der Nordwestatlantik, Russland, Alaska, Kanada und die Antarktis, wo vor allem eine sehr große Veränderung in der Artenvielfalt erwartet wird. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass – obwohl die globalen Effekte mit dem momentanen Tempo des Klimawandels gewaltig sind – diese Effekte zumindest eingeschränkt werden könnten, wenn die Erderwärmung reduziert würde“, sagt Kießling.

*doi: http://dx.doi.org/10.1038/nclimate2769
*Pressemeldung zu vorheriger Studie: www.fau.de/2014/02/news/wissenschaft/dem-klima-hinterher 

Weitere Informationen für die Medien:
Prof. Dr. Wolfgang Kießling
Tel.: 09131/85-22690
wolfgang.kießling@fau.de

Dr. Susanne Langer | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.fau.de/

Weitere Berichte zu: Klimaerwärmung Klimazonen Meeresregionen Naturschutz Regionen Stühle Szenario

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Biber verändern das Gesicht der Arktis
16.07.2018 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Drohnen zählen Tiere in Afrika
11.07.2018 | Schweizerischer Nationalfonds SNF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics