Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sorgt der Klimawandel für eine verstärkte Salzzufuhr in den Nordatlantik?

23.10.2015

Heidelberger Forscher haben die Dynamik des Mittelmeerausstroms durch die Straße von Gibraltar untersucht – Auswirkungen auf globale Ozeanzirkulation

Im Zuge der globalen Erwärmung wird verstärkt sehr salzhaltiges Mittelmeerwasser durch die Straße von Gibraltar in den Nordatlantik fließen. Davon gehen Wissenschaftler der Universität Heidelberg aus, die in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam die Dynamik des Mittelmeerausstroms untersucht haben.


Foto: André Bahr

Das Forschungsschiff "Joides Resolution", das bei der Analyse der Bohrkerne zum Einsatz kam, im Hafen von Lissabon.

Dieser Prozess könnte, so die Vermutung der Wissenschaftler um Dr. André Bahr vom Institut für Geowissenschaften, der vorhergesagten Abnahme des Salzgehaltes im Atlantik entgegenwirken. Diese sogenannte Aussüßung, die durch eine stärkere Zufuhr von Schmelzwasser aus der Arktis und aus Grönland hervorgerufen wird, hat nach Expertenmeinung erhebliche Auswirkungen auf die globale Ozeanzirkulation und eine befürchtete Abschwächung des Golfstroms. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Geology“.

Um die Dynamik des Mittelmeerausstroms besser verstehen zu können, haben die Wissenschaftler das Verhalten des Ausstroms während unterschiedlicher Klimabedingungen in der geologischen Vergangenheit entschlüsselt.

Untersucht wurden dabei Bohrkerne, die im Rahmen des International Ocean Discovery-Programms auf dem Schelfhang vor Südspanien und Portugal gewonnen und mit Hilfe geochemischer Methoden untersucht wurden. „Die Daten zeigen, dass der Mittelmeerausstrom über die letzten 150.000 Jahre massiven und zum Teil sehr abrupten Schwankungen unterworfen war“, so Dr. Bahr.

Wie der Heidelberger Wissenschaftler erläutert, hängt die Stärke des Ausstroms im Wesentlichen von der Intensität des afrikanischen Monsuns ab. Das ergibt sich aus der Herkunft des Wassers, das in den Atlantik strömt. Es entsteht zum größten Teil im östlichen Mittelmeer, wo trockene und heiße Bedingungen einen hohen Salzgehalt im Oberflächenwasser hervorrufen. Im Winter kühlen diese Wassermassen ab, werden dichter und fließen in größerer Tiefe Richtung Westen, wo sie das Mittelmeer durch die Straße von Gibraltar verlassen.

Wenn allerdings starker Monsun-Niederschlag in Nordostafrika zu einem erhöhten Frischwassereinstrom führt, wird die Bildung dieses dichten, salzigen Wassers unterbunden und somit auch der Mittelmeerausstrom abgeschwächt. Umgekehrt forcieren sehr trockene Verhältnisse im östlichen Mittelmeer, wie sie aktuelle Klimamodelle verstärkt vorhersagen, das Entstehen von salzigem Oberflächenwasser und sorgen somit für einen starken Ausstrom aus dem Mittelmeer.

„Ein Vergleich der von uns gewonnenen Datensätze zur Stärke der Ozeanzirkulation in der jüngeren geologischen Vergangenheit legt tatsächlich nahe, dass ein starker Mittelmeerausstrom und damit eine erhöhte Salzzufuhr in den Atlantik gegen Ende der letzten Warmzeit vor 120.000 Jahren einen stabilisierenden Effekt hatte.

Denn die Zirkulation wird maßgeblich von Kontrasten im Salzgehalt der verschiedenen Wassermassen angetrieben“, betont André Bahr. Nach Ansicht des Geowissenschaftlers sollten daher die tropischen und subtropischen Klimaveränderungen mit ihren Auswirkungen auf die Ozeanographie in den Klimaprognosen stärker berücksichtigt werden. An der Studie haben Forscher aus Deutschland, den Niederlanden, Japan, Spanien, Portugal und Großbritannien mitgewirkt.

Marietta Fuhrmann-Koch | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-heidelberg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Gewaltiger Tsunami traf vor 1.000 Jahren Oman
19.11.2019 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Neue Erkenntnisse zur größten natürlichen Schwefelquelle in der Atmosphäre
18.11.2019 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Eine Fernsteuerung für alles Kleine

Atome, Moleküle oder sogar lebende Zellen lassen sich mit Lichtstrahlen manipulieren. An der TU Wien entwickelte man eine Methode, die solche „optischen Pinzetten“ revolutionieren soll.

Sie erinnern ein bisschen an den „Traktorstrahl“ aus Star Trek: Spezielle Lichtstrahlen werden heute dafür verwendet, Moleküle oder kleine biologische Partikel...

Im Focus: Atome hüpfen nicht gerne Seil

Nanooptische Fallen sind ein vielversprechender Baustein für Quantentechnologien. Forscher aus Österreich und Deutschland haben nun ein wichtiges Hindernis für deren praktischen Einsatz aus dem Weg geräumt. Sie konnten zeigen, dass eine besondere Form von mechanischen Vibrationen gefangene Teilchen in kürzester Zeit aufheizt und aus der Falle stößt.

Mit der Kontrolle einzelner Atome können Quanteneigenschaften erforscht und für technologische Anwendungen nutzbar gemacht werden. Seit rund zehn Jahren...

Im Focus: Der direkte Weg zur Phosphorverbindung: Regensburger Chemiker entwickeln Katalysemethode

Wissenschaftler finden effizientere und umweltfreundlichere Methode, um Produkte ohne Zwischenstufen aus weißem Phosphor herzustellen.

Pflanzenschutzmittel, Dünger, Extraktions- oder Schmiermittel – Phosphorverbindungen sind aus vielen Mitteln für den Alltag und die Industrie nicht...

Im Focus: Atoms don't like jumping rope

Nanooptical traps are a promising building block for quantum technologies. Austrian and German scientists have now removed an important obstacle to their practical use. They were able to show that a special form of mechanical vibration heats trapped particles in a very short time and knocks them out of the trap.

By controlling individual atoms, quantum properties can be investigated and made usable for technological applications. For about ten years, physicists have...

Im Focus: Neu entwickeltes Glas ist biegsam

Eine internationale Forschungsgruppe mit Beteiligung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften hat ein Glasmaterial entwickelt, das sich bei Raumtemperatur bruchfrei verformen lässt. Das berichtet das Team aktuell in "Science". Das extrem harte und zugleich leichte Material verspricht ein großes Anwendungspotential – von Smartphone-Displays bis hin zum Maschinenbau.

Gläser sind ein wesentlicher Bestandteil der modernen Welt. Dabei handelt es sich im Alltag meist um sauerstoffhaltige Gläser, wie sie etwa für Fenster und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage 2020: „Mach es einfach!“

18.11.2019 | Veranstaltungen

Humanoide Roboter in Aktion erleben

18.11.2019 | Veranstaltungen

1. Internationale Konferenz zu Agrophotovoltaik im August 2020

15.11.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neuer Weg entdeckt, um Killerzellen «umzuprogrammieren»

19.11.2019 | Biowissenschaften Chemie

Supereffiziente Flügel heben ab

19.11.2019 | Materialwissenschaften

Energiesysteme neu denken - Lastmanagement mit Blockheizkraftwerk

19.11.2019 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics