Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Seit 15 Millionen Jahren herausragend – Schweizer Alpen beeinflussen Europas Klima seit dem Miozän

06.07.2012
Die höchsten Gipfel der Schweiz in den erdgeschichtlich jungen Zentralalpen sind ein alter Hut, wie eine neue Studie zeigt.
Die Hausberge Europas waren demnach schon vor 15 Millionen Jahren mindestens so hoch wie heute. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Biodiversität und Klima Forschungszentrums (BiK-F), der Goethe-Universität Frankfurt und der ETH Zürich haben die Isotopenverhältnisse von Sauerstoff im Gestein der Alpen und dem Alpenvorland verglichen und konnten so die Höhe der Gipfel in der Vergangenheit bestimmen. Die Studie wurde kürzlich in „Earth and Planetary Science Letters“ veröffentlicht.

Obwohl die Alpen zu den am besten erforschten Gebirgen der Welt gehören, ist ihre topographische Geschichte bisher nahezu unbekannt. Aufschluss verspricht eine neue Studie, die zeigt, dass die alpine Topographie, so wie sich heute präsentiert, ihre Wurzeln vor 15 Millionen Jahren hat. Die höchsten Gipfel der Schweiz waren damals zwischen 2850 m und 3350 m hoch. Damit war die Gebirgskette im Durchschnitt sogar noch höher als heute. „Das lässt darauf schließen, dass das Gros des alpinen Höhenprofils vor über 15 Millionen Jahren entstanden ist, als durch die Kollision von Europa und Afrika die Hebungsraten des Gebirges die gleichzeitige Abtragung durch Erosion übertrafen.“, kommentiert Dr. Marion Campani, Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F), Leitautorin der Studie.

Alpen kontrollieren seit 15 Millionen Jahren Niederschlag in Südeuropa
Hohe Bergketten bilden ein natürliches Hindernis für feuchte Luftmassen und beeinflussen so das Klima zu beiden Seiten dieser Barriere. Ihre Höhe ist dabei der entscheidende Faktor. Die neuen Erkenntnisse lassen daher Rückschlüsse auf die Niederschlagsmuster in Südeuropa und Eurasien und damit indirekt auch auf die Entwicklungsbedingungen ganzer Ökosysteme im Mittelmeerraum zu. Im Fall der Alpen bedeutet dies: Seit 15 Millionen Jahren hat das aufragende Gebirge den Transport des vom Atlantik kommenden Niederschlags Richtung Zentraleuropa und Eurasien bestimmt und damit das Klima des östlichen Mittelmeerraums entscheidend geprägt. „Diese Region wurde bereits in der Vergangenheit immer wieder von Trockenheit bedroht und ist ein Schwerpunkt der mit globaler Erwärmung assoziierten Wasserknappheit. Wer das Klima der Vergangenheit verstehen will, um Projektionen für die Zukunft der Region abzuleiten, für den führt an den Alpen kein Weg vorbei.“, so Prof. Dr. Andreas Mulch, BiK-F und Goethe-Universität Frankfurt.

Anhand von geochemischen Regenspuren die frühere Höhe bestimmt
Wie hoch Berge im Laufe ihrer Entwicklung waren, lässt sich anhand von Sauerstoff-Isotopen rekonstruieren. Konserviert im 15 Millionen Jahre alten Gestein, speichern sie Informationen über den Niederschlag dieser Zeit. Das funktioniert, weil das Element in Form unterschiedlich schwerer Isotope vorkommt. Niederschlag, der am Gipfel der Gebirge fällt, hat einen niedrigeren Anteil an schweren Isotopen als solcher in Tieflagen. Also verrät das Verhältnis schwerer zu leichten Isotopen im uralten Regenwasser, in welcher Höhe der Niederschlag zu einer bestimmten Zeit gefallen ist. Erstmalig gelang es nun, 15 Millionen Jahre alten Niederschlag aus dem Alpenvorland, das damals ungefähr auf Höhe des Meeresspiegels lag mit Niederschlag aus den ehemaligen Hochgebieten der Alpen miteinander zu vergleichen. Damit wurde es möglich, die damalige Höhendifferenz des Hochgebirges zum Alpenvorland zu bestimmen. „Außerdem sind Gebirge ab einer gewissen Höhe selbst in der Lage, das Klima und die kontinentalen Niederschlagsmuster zu beeinflussen. Deshalb muss man sich auch die Quelle der feuchten Luftmassen anschauen, um Veränderungen der Zusammensetzung und Menge des Niederschlags an dessen Ursprung in der Isotopen-Analyse mit berücksichtigen zu können.“, so Campani weiter zum Hintergrund des neuen Ansatzes.

Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte:

Prof. Dr. A. Mulch
LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) & Goethe-Universität Frankfurt
Tel. 069 7542 1881
andreas.mulch@senckenberg.de

Dr. Marion Campani
LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F)
Tel. 069 7542 1883
marion.campani@senckenberg.de

oder

Sabine Wendler
LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F),
Pressereferentin
Tel. 069 7542 1838
sabine.wendler@senckenberg.de

Studie:
Campani, M., et al. (2012): Miocence paleotopography of the Central Alps. Earth and Planetary Science Letters, DOI: 10.1016/j.epsl.2012.05.017.
Online unter: http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0012821X12002439

LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum, Frankfurt am Main
Mit dem Ziel, anhand eines breit angelegten Methodenspektrums die komplexen Wechselwirkungen von Biodiversität und Klima zu entschlüsseln, wird das Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK‐F) seit 2008 im Rahmen der hessischen Landes‐ Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich ökonomischer Exzellenz (LOEWE) gefördert. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und die Goethe Universität Frankfurt sowie weitere direkt eingebundene Partner kooperieren eng mit regionalen, nationalen und internationalen Institutionen aus Wissenschaft, Ressourcen‐ und Umweltmanagement, um Projektionen für die Zukunft zu entwickeln und wissenschaftlich gesicherte Empfehlungen für ein nachhaltiges Handeln zu geben.

Sabine Wendler | Senckenberg
Weitere Informationen:
http://www.bik-f.de
http://www.senckenberg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Geowissenschaften: Was unter dem Wald schläft
15.10.2018 | Ruhr-Universität Bochum

nachricht Für Saturnmond-Mission: Einschmelzsonde getestet
12.10.2018 | Technische Universität Braunschweig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Blauer Phosphor – jetzt erstmals vermessen und kartiert

Die Existenz von „Blauem“ Phosphor war bis vor kurzem reine Theorie: Nun konnte ein HZB-Team erstmals Proben aus blauem Phosphor an BESSY II untersuchen und über ihre elektronische Bandstruktur bestätigen, dass es sich dabei tatsächlich um diese exotische Phosphor-Modifikation handelt. Blauer Phosphor ist ein interessanter Kandidat für neue optoelektronische Bauelemente.

Das Element Phosphor tritt in vielerlei Gestalt auf und wechselt mit jeder neuen Modifikation auch den Katalog seiner Eigenschaften. Bisher bekannt waren...

Im Focus: Chemiker der Universitäten Rostock und Yale zeigen erstmals Dreierkette aus gleichgeladenen Ionen

Die Forschungskooperation zwischen der Universität Yale und der Universität Rostock hat neue wissenschaftliche Ergebnisse hervorgebracht. In der renommierten Zeitschrift „Angewandte Chemie“ berichten die Wissenschaftler über eine Dreierkette aus Ionen gleicher Ladung, die durch sogenannte Wasserstoffbrücken zusammengehalten werden. Damit zeigen die Forscher zum ersten Mal eine Dreierkette aus gleichgeladenen Ionen, die sich im Grunde abstoßen.

Die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen den Professoren Mark Johnson, einem weltbekannten Cluster-Forscher, und Ralf Ludwig aus der Physikalischen Chemie der...

Im Focus: Storage & Transport of highly volatile Gases made safer & cheaper by the use of “Kinetic Trapping"

Augsburg chemists present a new technology for compressing, storing and transporting highly volatile gases in porous frameworks/New prospects for gas-powered vehicles

Storage of highly volatile gases has always been a major technological challenge, not least for use in the automotive sector, for, for example, methane or...

Im Focus: Materiezustände durch Licht verändern

Forscherinnen und Forscher der Universität Hamburg stören die kristalline Ordnung

Physikerinnen und Physikern der Universität Hamburg ist es gelungen, mithilfe von Laserpulsen die Ordnung von Quantenmaterie so zu stören, dass ein spezieller...

Im Focus: Disrupting crystalline order to restore superfluidity

When we put water in a freezer, water molecules crystallize and form ice. This change from one phase of matter to another is called a phase transition. While this transition, and countless others that occur in nature, typically takes place at the same fixed conditions, such as the freezing point, one can ask how it can be influenced in a controlled way.

We are all familiar with such control of the freezing transition, as it is an essential ingredient in the art of making a sorbet or a slushy. To make a cold...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

11. Jenaer Lasertagung

16.10.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2018

16.10.2018 | Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz in der Medizin

16.10.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Multiresistente Keime aus Abwasser filtern

16.10.2018 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Pilz schlägt sich mit eigenen Waffen

16.10.2018 | Biowissenschaften Chemie

11. Jenaer Lasertagung

16.10.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics