Schau Dir in die Augen, Fliege – Weltweit größte fossile Augenfliege entdeckt

Neuentdeckung: Bisher größte bekannte fossile Augenfliege Metanephrocerus belgardeae. © S. Bruce Archibald

Augenfliegen sind skurrile Geschöpfe: Ihr großer Kopf macht beinahe ein Drittel des Körpers aus und besteht fast komplett aus Augen. Mit diesen enormen Facettenaugen machen sich die Fliegen auf die Suche nach Zikaden und Schnaken, die ihnen als mobile Aufzuchtsstationen für ihre Larven dienen.

Weltweit gibt es über 1400 beschriebene Arten der großäugigen Zweiflügler. Forscher gehen aber davon aus, dass es noch einmal so viele, bisher unbeschriebene Arten gibt.
„Doch fossile Formen der Augenfliegen werden nur sehr selten gefunden“, erklärt Dr. Christian Kehlmaier von den Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen in Dresden. Umso mehr freut sich der Biologe, dass er in letzter Zeit gleich drei neue, längst ausgestorbene Arten beschreiben und benennen konnte.

„Fossilien ermöglichen einen spannenden Einblick in die stammesgeschichtliche Entwicklung einer Tiergruppe. Und das Tollste an den neuen Funden: Unter ihnen ist eine der ältesten und die bislang größte fossile Augenfliege der Welt!“, ergänzt Kehlmaier.

Das gemeinsam mit seinen Kollegen S.B. Archibald und R.W. Mathewes von der Simon Fraser Universität beschriebene Insekt Metanephrocerus belgardeae hat eine Flügellänge von 9,3 Millimetern und stammt mit etwa 50 Millionen Jahren aus der erdgeschichtlichen Zeit des Unteren Eozäns.

Benannt wurde die Fliege nach Azure Rain Belgarde, einer Schülerin der Paschal Sherman Indian School in Collville, Washington, die das Fossil während einer Schulexkursion zu den Lagerstätten der Kleinstadt Republic gefunden hatte.

„Anhand des charakteristischen Musters der dunkel gefärbten Flügel konnten wir Metanephrocerus belgardeae deutlich von anderen Arten abgrenzen.“, erläutert der Dresdner Wissenschaftler. „Meistens sind für Artbestimmungen – auch bei fossilen Tieren – aber aufwendigere Methoden notwendig.“

So auch bei den zwei neuen Arten Metanephrocerus groehni und Metanephrocerus hoffeinsorum, die – eingeschlossen in baltische Bernsteine aus dem Mittleren Eozän – mithilfe von Mikrocomputertomographie von Kehlmaier und seinen Kollegen J.H. Skevington von den Canadian National Collection of Insects, Arachnids and Nematodes in Ottawa und M. Dierick von der Universität Gent untersucht wurden. 

Durch diese modernste Methode konnten die Wissenschaftler sogar Genitalstrukturen sichtbar machen, die normalerweise von außen nicht erkennbar sind und bei frischem Material nur durch Präparation der Genitalkapsel einsehbar werden.

„Das sind schon ganz besondere Details, die wir an den etwa 40 bis 50 Millionen Jahren alten Tieren zeigen konnten“, sagt Kehlmaier und ergänzt: „Die Lebensweise und das Aussehen der Augenfliegen haben sich vor zirka 70 Millionen Jahren entwickelt. Die nun neu beschriebenen fossilen Arten lassen vermuten, dass schon relativ kurz nach der Etablierung der großäugigen Tiere ein reichhaltiges Artenspektrum existiert haben muss, das dem heutigen in keiner Weise nachsteht.“

Kontakt
Herr Dr. Christian Kehlmaier
Senckenberg Naturhistorische Sammlungen Dresden
Tel.: 0351- 795841 4301
Christian.Kehlmaier@senckenberg.de

Judith Jördens
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1434
pressestelle@senckenberg.de

Publikationen
S.B. Archibald, C. Kehlmaier & R.W. Mathewes: Early Eocene big headed flies (Diptera: Pipunculidae) from the Okanagan Highlands, western North America . The Canadian Entomologist, available on CJO2014. doi:10.4039/tce.2013.79.

KEHLMAIER C., DIERICK M. & SKEVINGTON J.H. 2014. Micro-CT studies of amber inclusions reveal internal genitalic features of big-headed flies, enabling a systematic placement of Metanephrocerus Aczél, 1948 (Insecta: Diptera: Pipunculidae). Arthropod Systematics & Phylogeny 72 (1): 23-36

http://www.senckenberg.de/presse

Media Contact

Judith Jördens Senckenberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften

Die Geowissenschaften befassen sich grundlegend mit der Erde und spielen eine tragende Rolle für die Energieversorgung wie die allg. Rohstoffversorgung.

Zu den Geowissenschaften gesellen sich Fächer wie Geologie, Geographie, Geoinformatik, Paläontologie, Mineralogie, Petrographie, Kristallographie, Geophysik, Geodäsie, Glaziologie, Kartographie, Photogrammetrie, Meteorologie und Seismologie, Frühwarnsysteme, Erdbebenforschung und Polarforschung.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Ideen für die Zukunft

TU Berlin präsentiert sich vom 22. bis 26. April 2024 mit neun Projekten auf der Hannover Messe 2024. Die HANNOVER MESSE gilt als die Weltleitmesse der Industrie. Ihr diesjähriger Schwerpunkt…

Peptide auf interstellarem Eis

Dass einfache Peptide auf kosmischen Staubkörnern entstehen können, wurde vom Forschungsteam um Dr. Serge Krasnokutski vom Astrophysikalischen Labor des Max-Planck-Instituts für Astronomie an der Universität Jena bereits gezeigt. Bisher ging…

Wasserstoff-Produktion in der heimischen Garage

Forschungsteam der Frankfurt UAS entwickelt Prototyp für Privathaushalte: Förderzusage vom Land Hessen für 2. Projektphase. Wasserstoff als Energieträger der Zukunft ist nicht frei verfügbar, sondern muss aufwendig hergestellt werden. Das…

Partner & Förderer