Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Riesenkrabbenspinne in historischem Bernsteinstück in Berlin entdeckt

16.05.2011
Ein Wissenschaftlerteam aus Deutschland und England (Berlin, Manchester, Hamburg, Frankfurt) untersuchte eine 49 Millionen Jahren alte, in Bernstein konservierte Spinne mit den neuesten computertomografischen Methoden.

Das Stück, das sich seit 150 Jahren im Museum für Naturkunde Berlin befindet, ist so nachgedunkelt, dass die Spinne kaum noch sichtbar ist. Es ist der älteste Vertreter der heute noch lebenden Riesenkrabbenspinnen, die den Vogelspinnen ähneln.


Eusparassus crassipes, eine fossile Riesenkrabbenspinne, konserviert in 49 Millionen Jahre altem Bernstein, unter dem Mikroskop (Foto: Jason Dunlop, MfN)

Die im internationalen Fachjournal "Naturwissenschaften" veröffentlichten Ergebnisse werfen einen ersten Blick auf diese uralte Spinnengattung und beweisen, wie wichtig Museumssammlungen für heutige und zukünftige Forschungen sind.

Über 1000 Arten fossiler Spinnen wurden bisher beschrieben, viele davon sind Inklusen, d.h. in Bernstein erhalten. Die Besten stammen aus 49 Millionen Jahre altem Baltischem Bernstein. Einige der Erstbeschreibungen stammen aus der Sammlung von Georg Karl Berendt (1790-1850), der die Stücke bereits vor 150 Jahren mit einfachen mikroskopischen Methoden untersuchte. Die Sammlung befindet sich im Berliner Museum für Naturkunde. Im Laufe der Zeit oxidieren die Bernsteinstücke und verändern ihre Farbe. Sie werden dunkler und bekommen oberflächliche Risse, was eine Untersuchung der Inklusen erschwert.

Berendt’s Bernsteinsammlung enthält das älteste bekannte Stück mit der Inkluse einer Riesenkrabbenspinne (Sparassidae). Der Fund ist außergewöhnlich, da diese Spinnen starke, schnelle Tiere sind, die sich gewöhnlich nicht von Baumharz einfangen lassen. Ein Internationales Team aus Spinnenexperten, darunter Jason Dunlop vom Museum für Naturkunde Berlin sowie Experten für moderne Computertomografie untersuchten das Berendt`sche Bernsteinstück.

Das Ergebnis war überraschend. Die 3D-Aufnahmen in ausgezeichneter Qualität erlaubten dem Wissenschaftlerteam einen Blick auf feinste Details der fossilen Spinne, die den der heutigen Spinnen aufs Haar glichen. Die Wissenschaftler konnten nachweisen, dass es sich um eine Riesenkrabbenspinne (Eusparassus) handelt, die heute noch in tropischen Gegenden, Südeuropa und Zentralasien leben - und in Nordeuropa vor 49 Millionen Jahren beheimatet waren. Die Computertomografie, die in der Paläontologie noch immer keine Routine darstellt, erbrachte hochauflösende, drehbare 3D-Modelle, die das ehemalige Aussehen, Form, Funktion und Lebensweise einer frühen Spinnentiergruppe rekonstruierte, obwohl das Tier mit normalen optischen Methoden kaum sichtbar war. Sie zeigen auch, wie wichtig es ist, naturwissenschaftliche Sammlungen zu bewahren, denen auch in Zukunft mit modernsten Methoden noch Geheimnisse entrissen werden können.

Veröffentlicht in: Dunlop, J. A., Penney, D., Dalüge, N., Jäger, P., McNeil, A., Bradley, R., Withers, P. J., Preziosi, R. F. Computed tomography recovers data from historical amber: an example from huntsman spiders. – Naturwissenschaften, 2011. DOI 10.1007/s00114-011-0796-x

Kontakt: Dr. Gesine Steiner, Öffentlichkeitsarbeit, Tel. +49(0)30 2093 8917 Fax. +49(0)30 2093 8914, e-mail gesine.steiner@mfn-berlin.de; www.naturkundemuseum-berlin.de

Dr. Gesine Steiner | idw
Weitere Informationen:
http://www.naturkundemuseum-berlin.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Gebirge in Bewegung
14.08.2018 | Technische Universität München

nachricht Künstliche Gletscher als Antwort auf den Klimawandel?
09.08.2018 | Universität Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue interaktive Software: Maschinelles Lernen macht Autodesigns aerodynamischer

Neue Software verwendet erstmals maschinelles Lernen um Strömungsfelder um interaktiv designbare 3D-Objekte zu berechnen. Methode wird auf der renommierten SIGGRAPH-Konferenz vorgestellt

Wollen Ingenieure oder Designer die aerodynamischen Eigenschaften eines neu gestalteten Autos, eines Flugzeugs oder anderer Objekte testen, lassen sie den...

Im Focus: New interactive machine learning tool makes car designs more aerodynamic

Scientists develop first tool to use machine learning methods to compute flow around interactively designable 3D objects. Tool will be presented at this year’s prestigious SIGGRAPH conference.

When engineers or designers want to test the aerodynamic properties of the newly designed shape of a car, airplane, or other object, they would normally model...

Im Focus: Der Roboter als „Tankwart“: TU Graz entwickelt robotergesteuertes Schnellladesystem für E-Fahrzeuge

Eine Weltneuheit präsentieren Forschende der TU Graz gemeinsam mit Industriepartnern: Den Prototypen eines robotergesteuerten CCS-Schnellladesystems für Elektrofahrzeuge, das erstmals auch das serielle Laden von Fahrzeugen in unterschiedlichen Parkpositionen ermöglicht.

Für elektrisch angetriebene Fahrzeuge werden weltweit hohe Wachstumsraten prognostiziert: 2025, so die Prognosen, wird es jährlich bereits 25 Millionen...

Im Focus: Robots as 'pump attendants': TU Graz develops robot-controlled rapid charging system for e-vehicles

Researchers from TU Graz and their industry partners have unveiled a world first: the prototype of a robot-controlled, high-speed combined charging system (CCS) for electric vehicles that enables series charging of cars in various parking positions.

Global demand for electric vehicles is forecast to rise sharply: by 2025, the number of new vehicle registrations is expected to reach 25 million per year....

Im Focus: Der „TRiC” bei der Aktinfaltung

Damit Proteine ihre Aufgaben in Zellen wahrnehmen können, müssen sie richtig gefaltet sein. Molekulare Assistenten, sogenannte Chaperone, unterstützen Proteine dabei, sich in ihre funktionsfähige, dreidimensionale Struktur zu falten. Während die meisten Proteine sich bis zu einem bestimmten Grad ohne Hilfe falten können, haben Forscher am Max-Planck-Institut für Biochemie nun gezeigt, dass Aktin komplett von den Chaperonen abhängig ist. Aktin ist das am häufigsten vorkommende Protein in höher entwickelten Zellen. Das Chaperon TRiC wendet einen bislang noch nicht beschriebenen Mechanismus für die Proteinfaltung an. Die Studie wurde im Fachfachjournal Cell publiziert.

Bei Aktin handelt es sich um das am häufigsten vorkommende Protein in höher entwickelten Zellen, das bei Prozessen wie Zellstabilisation, Zellteilung und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Das Architekturmodell in Zeiten der Digitalen Transformation

14.08.2018 | Veranstaltungen

EEA-ESEM Konferenz findet an der Uni Köln statt

13.08.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung in der chemischen Industrie

09.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Alles zur Kryotechnik: HDT bietet Seminar zum „Kryostatbau“ in Karlsruhe an

15.08.2018 | Seminare Workshops

Brandschutz im Tanklager – Tagung in Essen

15.08.2018 | Seminare Workshops

Orientieren auf die Schnelle: Neue Erkenntnisse zur Wahrnehmungssteuerung im Gehirn

15.08.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics