Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Regen über Afrika

13.12.2010
Aktuelle Forschungsergebnisse zeichnen neues Bild vom afrikanischen Regengürtel

Ein internationales Team um MARUM-Wissenschaftler James Collins rekonstruierte die Ausdehnung und Lage des Regengürtels über dem afrikanischen Kontinent während der letzten 23 000 Jahre.


Heutige Verteilung der Niederschlagsmengen über dem tropischen Afrika. Die roten Punkte markieren die acht Probennahmelokationen.
Bild: MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften, Universität Bremen

Entgegen der vorherrschenden Theorie zeigen ihre Ergebnisse, dass sich das afrikanische Regenband nicht wie der übrige Teil des globalen, weltumspannenden Regengürtels verhält. Die Studie von Collins und seinen Kollegen erschien am 12. Dezember in der Online-Ausgabe der Zeitschrift Nature Geoscience.

Zusammen mit Kollegen aus Norwegen, den Niederlanden und China haben Bremer Meeresforscher um den Geologen James Collins die Ausbreitung der Pflanzenwelt in den äquatornahen Gebieten des afrikanischen Kontinents während der letzten 23 000 Jahre rekonstruiert. Dies erlaubte den Wissenschaftlern Rückschlüsse auf die Niederschlagsmenge und die Lage des afrikanischen Regengürtels.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich das afrikanische Regenband in der Vergangenheit mehrmals ausdehnte und wieder zusammenzog, wobei die Bewegungen auf der Nord- und Südhalbkugel symmetrisch abliefen.“ berichtet Collins. Bislang gingen Forscher davon aus, dass sich das afrikanische Regenband in der Vergangenheit im Ganzen nach Norden bzw. Süden verschob, ohne dabei seine Breite zu verändern.

Die aktuellen Forschungsergebnisse sollen nun dabei helfen, Klimamodelle zu verbessern, um genauere Prognosen für die Zukunft zu ermöglichen. „Über die Dynamik des heutigen Regenbandes über Afrika wissen wir nur wenig und immer wieder tauchen Unstimmigkeiten zwischen den wissenschaftlich gewonnenen Klimadaten und den theoretischen Klimamodellen auf.“ erklärt Geologe Collins. Der gebürtige Brite führte die Untersuchungen im Rahmen seiner Doktorarbeit am MARUM, dem Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen, durch. Er untersuchte Meeresablagerungen, die vor der Westküste Afrikas gewonnen wurden. Sie enthalten Pflanzenreste, die mit dem Wind westwärts auf das Meer hinaus getragen und am Meeresgrund abgelagert wurden.

„Durch Bestimmung des Verhältnisses von schwerem zu leichtem Kohlenstoff in den Pflanzenresten können wir Rückschlüsse auf die Niederschlagsmenge machen.“ erklärt MARUM-Wissenschaftler Dr. Enno Schefuß die moderne Methode. Dabei verfolgten sie einen neuen Ansatz: Erstmalig untersuchten sie vergleichbare Proben nördlich und südlich des Äquators. Die acht Standorte, an denen Proben gewonnen wurden, liegen entlang der afrikanischen Küste und decken die gesamte Breite des Regengürtels ab. „Nur im Vergleich der Ergebnisse für beide Erdhabkugeln konnten wir gleichzeitige Veränderungen in der Ausdehnung nach Norden und Süden erkennen.“ sagt der ebenfalls an der Studie beteiligte MARUM-Wissenschaftler Dr. Stefan Mulitza.

Der afrikanische Regengürtel ist Teil des globalen Regenbandes, das sich entlang der Äquatorregionen um den ganzen Erdball spannt. Er ist ein wesentlicher Bestandteil des globalen Wasserkreislaufs sowie der atmosphärischen Zirkulation. Der afrikanische Regengürtel liegt wie ein großes Niederschlagsband über dem Kontinent und pendelt im Wechsel der Jahreszeiten zwischen dem südlichen und dem nördlichen 20. Breitengrad. Er folgt dabei der Sonne, die im Juni am nördlichen Wendekreis im Zenit steht, im Dezember am südlichen Wendekreis. Dieses wandernde Regenband bestimmt die regionale Niederschlagsmenge und somit die regionale Vegetation.

Weitere Informationen / Interviewanfragen / Bildmaterial:
Jana Stone
MARUM-Öffentlichkeitsarbeit
Tel. 0421 – 218-65541
Email: jstone@marum.de
MARUM entschlüsselt mit modernsten Methoden und eingebunden in internationale Projekte die Rolle des Ozeans im System Erde – insbesondere im Hinblick auf den globalen Wandel. Es erfasst die Wechselwirkungen zwischen geologischen und biologischen Prozessen im Meer und liefert Beiträge für eine nachhaltige Nutzung der Ozeane.

Das MARUM umfasst das DFG-Forschungszentrum und den Exzellenzcluster "Der Ozean im System Erde".

Albert Gerdes | idw
Weitere Informationen:
http://www.marum.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Tiefseebergbau: Forschung zu Risiken und ökologischen Folgen geht weiter
21.09.2018 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Warnung vor Hybris bei CO2-Entzug
20.09.2018 | Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Magnetismus entsteht: Elektronen stärker verbunden als gedacht

Wieso sind manche Metalle magnetisch? Diese einfache Frage ist wissenschaftlich gar nicht so leicht fundiert zu beantworten. Das zeigt eine aktuelle Arbeit von Wissenschaftlern des Forschungszentrums Jülich und der Universität Halle. Den Forschern ist es zum ersten Mal gelungen, in einem magnetischen Material, in diesem Fall Kobalt, die Wechselwirkung zwischen einzelnen Elektronen sichtbar zu machen, die letztlich zur Ausbildung der magnetischen Eigenschaften führt. Damit sind erstmals genaue Einblicke in den elektronischen Ursprung des Magnetismus möglich, die vorher nur auf theoretischem Weg zugänglich waren.

Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher ein spezielles Elektronenmikroskop, das das Forschungszentrum Jülich am Elettra-Speicherring im italienischen Triest...

Im Focus: Erstmals gemessen: Wie lange dauert ein Quantensprung?

Mit Hilfe ausgeklügelter Experimente und Berechnungen der TU Wien ist es erstmals gelungen, die Dauer des berühmten photoelektrischen Effekts zu messen.

Es war eines der entscheidenden Experimente für die Quantenphysik: Wenn Licht auf bestimmte Materialien fällt, werden Elektronen aus der Oberfläche...

Im Focus: Scientists present new observations to understand the phase transition in quantum chromodynamics

The building blocks of matter in our universe were formed in the first 10 microseconds of its existence, according to the currently accepted scientific picture. After the Big Bang about 13.7 billion years ago, matter consisted mainly of quarks and gluons, two types of elementary particles whose interactions are governed by quantum chromodynamics (QCD), the theory of strong interaction. In the early universe, these particles moved (nearly) freely in a quark-gluon plasma.

This is a joint press release of University Muenster and Heidelberg as well as the GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt.

Then, in a phase transition, they combined and formed hadrons, among them the building blocks of atomic nuclei, protons and neutrons. In the current issue of...

Im Focus: Der Truck der Zukunft

Lastkraftwagen (Lkw) sind für den Gütertransport auch in den kommenden Jahrzehnten unverzichtbar. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität München (TUM) und ihre Partner haben ein Konzept für den Truck der Zukunft erarbeitet. Dazu zählen die europaweite Zulassung für Lang-Lkw, der Diesel-Hybrid-Antrieb und eine multifunktionale Fahrerkabine.

Laut der Prognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird der Lkw-Güterverkehr bis 2030 im Vergleich zu 2010 um 39 Prozent steigen....

Im Focus: Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

Feuert man Lichtpulse aus einer extrem starken Laseranlage auf Materialproben, reißt das elektrische Feld des Lichts die Elektronen von den Atomkernen ab. Für Sekundenbruchteile entsteht ein Plasma. Dabei koppeln die Elektronen mit dem Laserlicht und erreichen beinahe Lichtgeschwindigkeit. Beim Herausfliegen aus der Materialprobe ziehen sie die Atomrümpfe (Ionen) hinter sich her. Um diesen komplexen Beschleunigungsprozess experimentell untersuchen zu können, haben Forscher aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) eine neuartige Diagnostik für innovative laserbasierte Teilchenbeschleuniger entwickelt. Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review X“.

„Unser Ziel ist ein ultrakompakter Beschleuniger für die Ionentherapie, also die Krebsbestrahlung mit geladenen Teilchen“, so der Physiker Dr. Thomas Kluge vom...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungen

Forum Additive Fertigung: So gelingt der Einstieg in den 3D-Druck

21.09.2018 | Veranstaltungen

12. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

20.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Tiefseebergbau: Forschung zu Risiken und ökologischen Folgen geht weiter

21.09.2018 | Geowissenschaften

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Optimierungspotenziale bei Kaminöfen

21.09.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics