Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Einblicke in globalen Kohlenstoffkreislauf

19.07.2012
Forscher analysieren künstliche Algenblüte im Südpolarmeer

Ein internationales Wissenschaftsteam, dem auch der Wiener Meeresbiologe und Wittgenstein-Preisträger Gerhard J. Herndl http://www.microbial-oceanography.eu , angehört, hat in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Nature einen wertvollen Beitrag zum besseren Verständnis des globalen Kohlenstoffkreislaufs geliefert.

Veröffentlicht werden darin Ergebnisse eines Ozean-Eisendüngungsexperimentes (EIFEX) im Südpolarmeer.

"Wir haben mit der Eisendüngung künstlich große Mengen von Pflanzenbiomasse erzeugt, um herauszufinden, welche Folgen dies für den Kohlenstoffkreislauf hat", so Herndl, der derzeit im Nordpolarmeer forscht, gegenüber pressetext. Für das Gesamtverständnis des globalen Kohlenstoffkreislaufs - und damit verbunden dem Verständnis von Klimaänderungen - sind diese Ergebnisse sehr wichtig, betont der Wissenschaftler.

Algenblüte im Polarmeer

"Wir haben im Frühjahr 2004 vom Bord des deutschen Forschungsschiffes Polarstern aus, einen Teil eines stabilen Ozeanwirbels im Südpolarmeer mit gelöstem Eisen gedüngt und damit in den durchmischten oberen Wasserschichten bis zu einer Tiefe von 100 Metern eine Algenblüte angeregt", erklärt der Forscher.

"In diesen Gewässern ist die Verfügbarkeit von Eisen sehr stark begrenzt, daher führte die Düngung zum starken Wachstum von vorwiegend einzelligen Kieselalgen - so genannten Diatomeen." Die Algenblüte führte zur Aufnahme von CO2, das die Algen zum Wachsen brauchen. Der Chlorophyllgehalt - das ist die Meßeinheit der Pflanzenbiomasse - war mit 286 Milligramm pro Quadratmeter der höchste, der jemals in den bisherigen zwölf Eisendüngungsexperimenten auftrat.

Tiefsee ist Kohlenstoff-Speicher

Nach dem Absterben verklebten die Kieselalgen zu größeren Aggregaten, die schnell in die Tiefe sanken. Das zuvor aufgenommene CO2 blieb als organischer Kohlenstoff in den abgestorbenen Algen gebunden und sank mit diesen ab. Mehr als 50 Prozent der Planktonblüte sank dabei sogar mehr als 1.000 Meter tief.

Das lasse den Schluß zu, dass ein Teil des Kohlenstoffs der Algenblüte über mehr als hundert Jahre im tiefen Ozean und am Meeresgrund gespeichert werden kann. "Grund dafür ist, dass die Abbauprozesse in der Tiefsee - dort herrschen ganzjährig Temperaturen von zwei Grad oder weniger - sehr langsam sind", erklärt Herndl.

Eisen wichtig im Klimasystem

Als Baustein vieler Enzyme - beispielsweise für die Photosynthese - ist Eisen ein essentielles Element für die biologische Produktion im Meer und damit für die CO2-Aufnahme aus der Atmosphäre. Ein Eisendüngungsexperiment stellt den natürlichen Vorgang - wie er etwa während der vergangenen Eiszeiten vorhanden war - unter messbaren Bedingungen nach.

"Solche kontrollierten Eisendüngungsexperimente im Ozean bieten die Möglichkeit, theoretische Ansätze und auf Laboruntersuchungen basierende Aus- und Vorhersagen zu überprüfen." Dies trage zu einem besseren Verständnis der Prozesse im Meer bei, die wiederum zur Beurteilung des Klimawandels wichtig sind, führt der Experte abschließend aus.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://www.univie.ac.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Hochwasserrisiko kann deutlich gesenkt werden
18.10.2018 | Jade Hochschule - Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth

nachricht Geowissenschaften: Was unter dem Wald schläft
15.10.2018 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Auf dem Weg zu maßgeschneiderten Naturstoffen

Biotechnologen entschlüsseln Struktur und Funktion von Docking Domänen bei der Biosynthese von Peptid-Wirkstoffen

Mikroorganismen bauen Naturstoffe oft wie am Fließband zusammen. Dabei spielen bestimmte Enzyme, die nicht-ribosomalen Peptid Synthetasen (NRPS), eine...

Im Focus: Größter Galaxien-Proto-Superhaufen entdeckt

Astronomen enttarnen mit dem ESO Very Large Telescope einen kosmischen Titanen, der im frühen Universum lauert

Ein Team von Astronomen unter der Leitung von Olga Cucciati vom Istituto Nazionale di Astrofisica (INAF) Bologna hat mit dem VIMOS-Instrument am Very Large...

Im Focus: Auf Wiedersehen, Silizium? Auf dem Weg zu neuen Materalien für die Elektronik

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz haben zusammen mit Wissenschaftlern aus Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgarien) und Madrid (Spanien) ein neues, metall-organisches Material entwickelt, welches ähnliche Eigenschaften wie kristallines Silizium aufweist. Das mit einfachen Mitteln bei Raumtemperatur herstellbare Material könnte in Zukunft als Ersatz für konventionelle nicht-organische Materialien dienen, die in der Optoelektronik genutzt werden.

Bei der Herstellung von elektronischen Komponenten wie Solarzellen, LEDs oder Computerchips wird heutzutage vorrangig Silizium eingesetzt. Für diese...

Im Focus: Goodbye, silicon? On the way to new electronic materials with metal-organic networks

Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) in Mainz (Germany) together with scientists from Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgaria) and Madrid (Spain) have now developed and characterized a novel, metal-organic material which displays electrical properties mimicking those of highly crystalline silicon. The material which can easily be fabricated at room temperature could serve as a replacement for expensive conventional inorganic materials used in optoelectronics.

Silicon, a so called semiconductor, is currently widely employed for the development of components such as solar cells, LEDs or computer chips. High purity...

Im Focus: Blauer Phosphor – jetzt erstmals vermessen und kartiert

Die Existenz von „Blauem“ Phosphor war bis vor kurzem reine Theorie: Nun konnte ein HZB-Team erstmals Proben aus blauem Phosphor an BESSY II untersuchen und über ihre elektronische Bandstruktur bestätigen, dass es sich dabei tatsächlich um diese exotische Phosphor-Modifikation handelt. Blauer Phosphor ist ein interessanter Kandidat für neue optoelektronische Bauelemente.

Das Element Phosphor tritt in vielerlei Gestalt auf und wechselt mit jeder neuen Modifikation auch den Katalog seiner Eigenschaften. Bisher bekannt waren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Natürlich intelligent

19.10.2018 | Veranstaltungen

Rettungsdienst und Feuerwehr - Beschaffung von Rettungsdienstfahrzeugen, -Geräten und -Material

18.10.2018 | Veranstaltungen

11. Jenaer Lasertagung

16.10.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Ultraleichte und belastbare HighEnd-Kunststoffe ermöglichen den energieeffizienten Verkehr

19.10.2018 | Materialwissenschaften

IMMUNOQUANT: Bessere Krebstherapien als Ziel

19.10.2018 | Biowissenschaften Chemie

Raum für Bildung: Physik völlig schwerelos

19.10.2018 | Bildung Wissenschaft

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics