Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Monsunklima: beständig unbeständig - Erforschung des Paläomonsuns in Zentralasien

14.10.2015

Paläobotanikerin Dr. Martina Stebich von der Senckenberg Forschungsstation für Quartärpaläontologie in Weimar hat gemeinsam mit deutschen und chinesischen Kollegen die Entwicklung der Vegetation und des Klimas im jüngsten Erdzeitalter, dem Holozän, in Nordost-China untersucht. Anhand von Pollenanalysen konnte sie Änderungen im Ozean-Atmosphäre-System als Hauptantriebskraft für den damaligen Monsun identifizieren. Der Blick in die Vergangenheit hilft bei der Beurteilung des aktuellen Klimawandels in dieser klimatischen Schlüsselregion. Die Studie wurde kürzlich im Fachjournal „Quaternary Science Reviews“ veröffentlicht.

Monsunregen, Überschwemmungen und Springfluten haben in weiten Teilen Asiens in diesem Jahr wieder hunderte Todesopfer gefordert. „Obwohl der Monsun ein regelmäßig wiederkehrendes Klimaphänomen ist, ist die Niederschlagsverteilung und -menge von Jahr zu Jahr sehr unterschiedlich“, erklärt Dr. Martina Stebich von der Senckenberg Forschungsstation für Quartärpaläontologie in Weimar.


Winzige Pollen geben Auskunft über die Klimageschichte.

© Senckenberg

Die Paläobotanikerin hat es sich zur Aufgabe gemacht den Monsun und seine Auswirkungen auf die Vegetation und das Klima in vergangenen Zeitaltern zu untersuchen.

„Anhand von Bohrkernen laminierter, das heißt jahreszeitlich geschichteter Seesedimente aus dem Sihailongwan-Maarsee in Nordost-China konnten wir Veränderungen des Paläomonsuns in einer Größenordnung weniger Jahre bis Jahrzehnte nachweisen“, erklärt Stebich und fährt fort: „Erstmals haben wir quantitative Daten zur Vegetations- und Klimaentwicklung der Untersuchungsregion für das Holozän, die Zeit vor etwa 11.700 Jahren bis heute.“

Da die Waldvegetation des Untersuchungsgebietes bis in die jüngste Vergangenheit vom Menschen weitgehend unbeeinflusst war, zeichnen die Daten aus den Bohrkernen hauptsächlich natürliche Klimaänderungen nach. „Diese Region ist für unsere interdisziplinäre Forschung zum Klimawandel und dessen Auswirkungen auf Ökosysteme und letztlich den Menschen deshalb besonders wichtig“, erläutert die Weimarer Wissenschaftlerin.

Insgesamt 120 Pollen- und Sporenarten sowie 32 weitere Mikrofossilien haben Stebich und ihr deutsch-chinesisches Team in den Bohrkernen des Deutschen Geoforschungszentrum Potsdam und der Chinesischen Akademie der Wissenschaften gefunden und bestimmt. Stebich hierzu: „Die Proben sind sehr reich an Material: Im Durchschnitt sind es 500.000 Pollenkörner pro Kubikzentimeter!“

Die aus den Pollen gewonnenen Daten spiegeln signifikante Vegetations- und Klimaänderungen während der heutigen Warmzeit wider. Die Auswertung ergab, dass im eher warm-trockenen Frühholozän vor allem die Temperaturänderungen die Vegetationsentwicklung in Nordostchina entscheidend beeinflusst haben, während im kühleren und eher feuchteren Spät-Holozän die Einflüsse der Monsun-Regenfälle auf die Vegetation überwiegen.

Hauptursachen für den langfristig natürlichen Wandel des Ostasiatischen Monsunsystems liegen laut der Studie in der Änderung des gekoppelten Ozean-Atmosphäre-Systems und der Stärke der Sommer-Sonnenstrahlung. Diese Information kann aus den Pollen herausgelesen werden, die wiederum Aufschluss über die Vegetation und deren bevorzugte Umweltbedingungen geben.

„Man sieht, dass ein detailliertes Wissen über das vergangene Monsunsystem unerlässlich ist, um globale Klimaprozesse zu verstehen. Zudem ist ein solches Verständnis auch von hohem ökonomischem und gesellschaftlichem Nutzen – beispielsweise zur Vorhersage der künftigen Niederschlagsentwicklung“, fasst Stebich zusammen.

Kontakt
Dr. Martina Stebich
Senckenberg Forschungsstation für Quartärpaläontologie
Tel. 03643 – 49309 3332
mstebich@senckenberg.de

Judith Jördens
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1434
pressestelle@senckenberg.de

Publikation
Martina Stebich, Kira Rehfeld, Frank Schlütz, Pavel E. Tarasov, Jiaqi Liu, Jens Mingram, Holocene vegetation and climate dynamics of NE China based on the pollen record from Sihailongwan Maar Lake, Quaternary Science Reviews, Volume 124, 15 September 2015, Pages 275-289, ISSN 0277-3791, http://dx.doi.org/10.1016/j.quascirev.2015.07.021.


Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können - dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr fast 200 Jahren. Diese integrative „Geobiodiversitätsforschung“ sowie die Vermittlung von Forschung und Wissenschaft sind die Aufgaben Senckenbergs. Drei Naturmuseen in Frankfurt, Görlitz und Dresden zeigen die Vielfalt des Lebens und die Entwicklung der Erde über Jahrmillionen. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie vielen weiteren Partnern gefördert.

Mehr Informationen unter www.senckenberg.de

Weitere Informationen:

Pressemitteilung und Bildmaterial finden Sie auch unter www.senckenberg.de/presse

Judith Jördens | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Gebirge in Bewegung
14.08.2018 | Technische Universität München

nachricht Künstliche Gletscher als Antwort auf den Klimawandel?
09.08.2018 | Universität Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bionik im Leichtbau

17.08.2018 | Verfahrenstechnologie

Klimafolgenforschung in Hannover: Kleine Pflanzen gegen große Wellen

17.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

HAWK-Ingenieurinnen und -Ingenieure entwickeln die leichteste 9to-LKW-Achse ihrer Art

17.08.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics