Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Methanhydrate in Auflösung?

10.08.2012
Mit dem Tauchboot JAGO zu Gasquellen vor der Küste Spitzbergens
Westlich von Spitzbergen perlt Methan aus dem Meeresboden. Sind diese Gasaustritte ein Anzeichen dafür, dass sich Methanhydrate im Meeresboden aufgrund steigender Temperaturen auflösen? Und was wären die Folgen? Eine Expedition mit dem deutschen Forschungsschiff MARIA S. MERIAN und dem Tauchboot JAGO unter Fahrtleitung des GEOMAR | Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel soll helfen, diese Fragen zu beantworten. Sie startet am 13. August in Reykjavik.

Die Durchschnittstemperaturen der Atmosphäre steigen, die der Meere auch. Nicht nur Organismen reagieren darauf empfindlich. Vor allem an den Übergängen von den flachen Schelfmeeren zur Tiefsee, an den Kontinentalhängen, lagern riesige Mengen von Methanhydraten im Meeresboden. Diese spezielle, eisähnliche Verbindung von Wasser mit Methangas bildet sich nur bei niedrigen Temperaturen und unter hohem Druck. Wenn die Wassertemperaturen direkt über dem Meeresboden steigen, könnten sich Teile des Methanhydrats auflösen und das bisher gebundene Methan freisetzen. „Mit diesem Szenario sind zwei Befürchtungen verbunden:

Ein bewährtes Team für die Meeresforschung: das Forschungsschiff MARIA S. MERIAN und Deutschlands einziges Forschungstauchboot JAGO. In den kommenden Wochen untersuchen Wissenschaftler aus Kiel mit ihnen Gasaustrittstellen vor der Westküste Spitzbergens.

Foto: JAGO-Team, GEOMAR

Erstens, dass große Mengen des starken Treibhausgases in die Atmosphäre gelangen, und zweitens, dass die Kontinentalhänge instabil werden“, erklärt der Geophysiker Professor Christian Berndt vom GEOMAR | Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Er leitet eine Expedition mit dem deutschen Forschungsschiff MARIA S. MERIAN, die ab Montag in den Gewässern vor der Westküste Spitzbergens untersucht, ob sich dort wirklich die ersten Methanhydrate im Meeresboden auflösen und welche Folgen das haben könnte.

Die Forschungsfahrt baut auf Untersuchungen Kieler Meeresforscher auf, die bereits 2008 in dem Seegebiet gearbeitet haben. Damals fanden sie mehr als 250 Stellen, an denen Gas aus dem Meeresboden austritt. „Diese Stellen liegen genau an der Grenze des Bereichs, in dem die Hydrate eigentlich stabil sind“, erklärt Professor Berndt, „die Vermutung liegt also nahe, dass die Hydrate sich vom Rand her aufzulösen beginnen“.

Während der aktuellen Fahrt wollen die Kieler Forscher zusammen mit Kollegen aus Bremen, aus der Schweiz, aus Großbritannien und aus Norwegen herausfinden, ob die beobachteten Gasaustritte wirklich ein Beleg für sich auflösende Gashydrate sind und ob in diesem Fall die Erwärmung des Meeresbodens die Ursache ist.

Mit Hilfe von Echoloten suchen die Forscher dazu nach weiteren Gasquellen, um die Gesamtmenge des austretenden Gases zu bestimmen. Mit Deutschlands einzigem Forschungstauchboot JAGO werden sie sich dann ein genaueres Bild von den Austrittsstellen in bis zu 400 Metern Wassertiefe machen. „Für uns ist zum Beispiel interessant, ob sich spezielle Mikroorganismen rund um die Gasquellen angesiedelt haben, die das Methan abbauen können, bevor es durch das Wasser in die Atmosphäre gelangt“, erklärt Professor Tina Treude vom GEOMAR, die die mikrobiologischen Arbeiten während der Expedition leitet.

Parallel werden Geophysiker unter Leitung von Professor Sebastian Krastel vom GEOMAR mit akustischen und seismischen Methoden nach Anzeichen für Instabilitäten in den Hängen unter den Gasaustrittsstellen suchen. „Die Methanhydrate wirken an diesen Hängen wie bindender Zement. Sollten sie sich auflösen, besteht die Möglichkeit, dass Teile der Hänge abrutschen“, erklärt Professor Krastel, der sich am GEOMAR mit marinen Naturgefahren befasst.

„Insgesamt ist das Programm der Fahrt sehr umfangreich. Jetzt hoffen wir, dass das Wetter mitspielt, damit wir alle geplanten Untersuchungen durchführen können“, sagt Fahrtleiter Christian Berndt kurz vor der Abreise nach Island.
Expedition auf einen Blick:
FS MARIA S. MERIAN Reise: MSM21/4
Fahrtleiter: Prof. Dr. Christian Berndt (GEOMAR)
Fahrtdauer: 13.08.2012-11.09.2012
Starthafen: Reykjavik
Arbeitsgebiet: Westlich Spitzbergen
Zielhafen: Emden

Andreas Villwock | idw
Weitere Informationen:
http://www.geomar.de/
http://www.geomar.de/forschen/expeditionen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Biber verändern das Gesicht der Arktis
16.07.2018 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Drohnen zählen Tiere in Afrika
11.07.2018 | Schweizerischer Nationalfonds SNF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics