Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klimaschwankungen im tropischen Atlantik gemeinsam erforschen

09.11.2016

Seit einem Monat ist das deutsche Forschungsschiff METEOR unter Fahrtleitung des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel im südlichen tropischen Atlantik im Einsatz. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an Bord wollen herausfinden, wie sich die Strömungen und die Eigenschaften des Meerwassers in den südwestafrikanischen Küstengewässern verändern und wie diese Änderungen das Klima beeinflussen. Die Fahrt dient darüber hinaus auch der Ausbildung von Wissenschaftlern aus den südwestafrikanischen Ländern. Während eines Empfangs im Hafen von Luanda betonten angolanische Regierungsvertreter die Bedeutung der Forschung für die Entwicklung ihres Landes.

Wie verändern sich die Wassertemperaturen vor der Westküste des südlichen Afrikas? Dehnen sich Sauerstoffminimumzonen dort aus? 27 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an Bord des deutschen Forschungsschiffs METEOR versuchen derzeit Antworten auf diese Fragen zu finden.


Das Forschungsschiff METEOR im Hafen von Luanda.

Foto: SvN

Die Forschungen zielen nicht nur auf das allgemeine Verständnis der Ozeane und des Klimas, sondern haben ganz konkret auch Bedeutung für Wirtschaft und Gesellschaft der Staaten Angola, Namibia und Südafrika. Bestehende Kooperationen zwischen deutschen und angolanischen Forschungsinstituten wurde durch den Besuch der METEOR im Hafen der angolanischen Hauptstadt Luanda weiter gestärkt.

„In den letzten Jahren wurde unser marines Ökosystem von den Folgen des El Niño mit einem Ansteigen der globalen Temperatur konfrontiert, welches Einfluss auf die Verteilung und Masse der Hauptfischressourcen und die Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Arten innerhalb des Ökosystems hatte“, sagte Angolas Fischereiministerin Victoria de Barros während eines Empfangs für Vertreter der angolanischen Regierung und Gäste an Bord der METEOR.

Sie betonte, dass der Klimawandel eine enorme Herausforderung für die sozio-ökonomische Entwicklung ihres Landes sei. Die Ministerin äußerte sich zufrieden über die bestehende Partnerschaft mit deutschen Meeresforschungsinstitutionen und dankte der deutschen Regierung für die Unterstützung bei der Erforschung des angolanischen marinen Ökosystems.

Nach weiteren Willkommensreden von Kapitän Rainer Hammacher und des deutschen Botschafters Rainer Müller, erklärte Fahrtleiter Prof. Dr. Peter Brandt gemeinsam mit Paulo Coelho vom angolanischen Fischereiinstitut INIP den Gästen die Arbeit an Bord. Die zentralen Forschungsthemen der aktuellen Fahrt stießen auf großes Interesse und im Konferenzraum der METEOR entstand eine rege Diskussion.

Brandt wies auf die langfristige Erwärmung des Meerwassers von etwa 1Grad Celsius seit den 1950er Jahren hin, die besonders die kalte Jahreszeit betreffe, aber auch auf die zwischenjährliche Klimavariabilität, die durch das unregelmäßige Auftreten von Benguela-Niños bestimmt werde.

„Ein weiterer Punkt, der in Zukunft für Angola an Bedeutung gewinnen könnte, ist die Reduzierung des Sauerstoffgehalts in der Sauerstoffminimumzone vor Angola. Ein derartiger Sauerstoffentzug wurde für die letzten 50 Jahre diagnostiziert. Das Sauerstoffminimum in etwa 400m Tiefe verstärkte sich in dieser Zeit und sauerstoffarme Gebiete dehnten sich zur Oberfläche hin aus, was mit einer Reduzierung des Lebensraums für viele Lebewesen einhergeht und möglicherweise auch zu einer Reduzierung der Biodiversität führen könnte“, sagte der GEOMAR-Wissenschaftler.

Die aktuelle Fahrt führte die METEOR vom brasilianische Hafen Recife entlang des 11° südlicher Breite von West nach Ost quer über den Atlantik bis in den Hafen von Luanda. Das Team an Bord besteht aus Forschenden des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel, des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung Warnemünde, der Universität Hamburg und des Max-Planck-Instituts für Meteorologie Hamburg. Hinzu kommen Kollegen aus Angola, Namibia, Südafrika und Norwegen.

Vor der Küste Angolas hat das deutsch-afrikanische Expeditionsteam fest am Meeresboden verankerte Beobachtungsstationen aufgenommen und wieder ausgelegt. Die ausgelegten Messinstrumente sollen die Strömungsverhältnisse in den Auftriebsgebieten vor der südwestafrikanischen Küste aufzeichnen. „Vor Angola erreicht kaltes, nährstoffreiches Wasser aus der Tiefe die Oberfläche, deswegen wird die Region Auftriebsgebiet genannt. Die Nährstoffe sind entscheidend für das Planktonwachstum und damit letztendlich auch für die Fischbestände der Region“, erklärt der Fahrtleiter, „außerdem haben die damit verbundenen Veränderungen der Meeresoberflächentemperatur großen Einfluss auf das regionale und globale Klima.“

Die Expedition setzt ähnliche Messungen fort, die während vorangegangener METEOR-Expeditionen entlang 11 Grad südlicher Breite durchgeführt wurden. Vor Angola betreibt das GEOMAR seit 2013 in Zusammenarbeit mit dem INIP (Instituto Nacional de Investigação Pesqueira Republica de Angola) ein Messprogramm mit Verankerungen, autonomen Messrobotern (Gleitern), kontinuierlichen Schiffsmessungen sowie Messungen vom Schiff während Stationsarbeiten.

„Mit den hier gewonnenen Daten können wir langfristige Veränderungen des Ozeans, aber auch kurzfristige Schwankungen erkennen und ihre Mechanismen und Auswirkungen besser verstehen. Deshalb sind Langzeitbeobachtungen in solchen Schlüsselregionen extrem wichtig. Ohne eine gute Kooperation mit Partnern vor Ort wäre das aber nicht möglich“, sagt Professor Brandt.

Von Luanda aus führt die Forschungsfahrt weiter entlang der südwestafrikanischen Küste bis nach Namibia. Dort endet sie am 12.11. im Hafen von Walvis Bay.

Expedition auf einen Blick:
METEOR-Expedition M131
Forschungsthema: Veränderungen der Wassermassen im Atlantik entlang 11°S und im Auftriebsgebiet vor Südwestafrika
Wissenschaftlicher Fahrtleiter: Prof. Dr. Peter Brandt (GEOMAR)
Start: 07. Oktober 2016, Recife (Brasilien)
Zwischenhafen: 25. Oktober 2016, Luanda (Angola)
Ende: 12. November 2016, Walvis Bay (Namibia)

Hinweis:
Die Expedition wird gefördert vom BMBF-Verbundprojekt SACUS und vom EU-Projekt PREFACE.

Weitere Informationen:

http://www.geomar.de Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
http://www.wissenschaftsjahr.de/2016-17/das-wissenschaftsjahr/die-forschungsflot... Bericht von der Expedition auf der Seite des Wissenschaftsjahres 2016*17 „Meere und Ozeane“
http://www.geomar.de/e340463 Die Expedition M131 auf den Seiten des GEOMAR

Andreas Villwock | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Erdbeben auf Island über Telefonglasfaserkabel registriert
25.03.2020 | Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

nachricht Wie Pflanzen Berge formen
20.03.2020 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Blockierung des Eisentransports könnte Tuberkulose stoppen

Tuberkulose-Bakterien brauchen Eisen zum Überleben. Wird der Eisentransport in den Bakterien gestoppt, so kann sich der Tuberkulose-Erreger nicht weiter vermehren. Nun haben Forscher der Universität Zürich die Struktur des Transportproteins ermittelt, das für die Eisenzufuhr zuständig ist. Dies eröffnet Möglichkeiten zur Entwicklung neuer Medikamente.

Einer der verheerendsten Erreger, der sich im Inneren menschlicher Zellen vermehren kann, ist Mycobacterium tuberculosis – der Bazillus, der Tuberkulose...

Im Focus: Blocking the Iron Transport Could Stop Tuberculosis

The bacteria that cause tuberculosis need iron to survive. Researchers at the University of Zurich have now solved the first detailed structure of the transport protein responsible for the iron supply. When the iron transport into the bacteria is inhibited, the pathogen can no longer grow. This opens novel ways to develop targeted tuberculosis drugs.

One of the most devastating pathogens that lives inside human cells is Mycobacterium tuberculosis, the bacillus that causes tuberculosis. According to the...

Im Focus: Corona-Pandemie: Medizinischer Vollgesichtsschutz aus dem 3D-Drucker

In Vorbereitung auf zu erwartende COVID-19-Patienten wappnet sich das Universitätsklinikum Augsburg mit der Beschaffung von persönlicher Schutzausrüstung für das medizinische Personal. Ein Vollgesichtsschutz entfaltet dabei in manchen Situationen eine bessere Schutzwirkung als eine einfache Schutzbrille, doch genau dieser ist im Moment schwer zu beschaffen. Abhilfe schafft eine Kooperation mit dem Institut für Materials Resource Management (MRM) der Universität Augsburg, das seine Kompetenz und Ausstattung im Bereich des 3D-Drucks einbringt, um diesen Engpass zu beheben.

Das Coronavirus SARS-CoV-2 wird nach heutigem Wissensstand maßgeblich durch Tröpfcheninfektion übertragen. Dabei sind neben Mund und Nase vor allem auch die...

Im Focus: Hannoveraner Physiker entwickelt neue Photonenquelle für abhörsichere Kommunikation

Ein internationales Team unter Beteiligung von Prof. Dr. Michael Kues vom Exzellenzcluster PhoenixD der Leibniz Universität Hannover hat eine neue Methode zur Erzeugung quantenverschränkter Photonen in einem zuvor nicht zugänglichen Spektralbereich des Lichts entwickelt. Die Entdeckung kann die Verschlüsselung von satellitengestützter Kommunikation künftig viel sicherer machen.

Ein 15-köpfiges Forscherteam aus Großbritannien, Deutschland und Japan hat eine neue Methode zur Erzeugung und zum Nachweis quantenverstärkter Photonen bei...

Im Focus: Physicist from Hannover Develops New Photon Source for Tap-proof Communication

An international team with the participation of Prof. Dr. Michael Kues from the Cluster of Excellence PhoenixD at Leibniz University Hannover has developed a new method for generating quantum-entangled photons in a spectral range of light that was previously inaccessible. The discovery can make the encryption of satellite-based communications much more secure in the future.

A 15-member research team from the UK, Germany and Japan has developed a new method for generating and detecting quantum-entangled photons at a wavelength of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Europäischer Rheumatologenkongress EULAR 2020 wird zum Online-Kongress

30.03.2020 | Veranstaltungen

“4th Hybrid Materials and Structures 2020” findet web-basiert statt

26.03.2020 | Veranstaltungen

Wichtigste internationale Konferenz zu Learning Analytics findet statt – komplett online

23.03.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Studie mit bispezifischem Antikörper liefert beeindruckende Behandlungserfolge bei Multiplem Myelom

01.04.2020 | Medizin Gesundheit

Unternehmenswissen - Wie gelingt der Umstieg von Präsenz auf Online?

01.04.2020 | Seminare Workshops

SmartKai – „Einparkhilfe“ zur Vermeidung von Schäden an Schiffen und Hafeninfrastruktur

01.04.2020 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics