Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Istanbul - Das Erdbebenrisiko einer Megacity

07.09.2012
Bohrarbeiten für ein seismisches Überwachungsnetz am Marmarameer bei Istanbul

Heute beginnen die Bohrarbeiten für ein seismisches Überwachungsnetz am Marmarameer bei Istanbul. Speziell entwickelte Erdbebensensoren in acht Bohrungen im Randgebiet Istanbuls und rund um das östliche Marmarameer sollen die seismische Aktivität der Region hochpräzise überwachen.


Bohrbeginn GONAF
© GFZ

In jeder der jeweils 300 Meter tiefen Bohrungen werden daher mehrere Bohrlochseismometer in verschiedenen Tiefen permanent installiert. Diese erfassen selbst kaum spürbare Erdbeben mit sehr kleiner Magnitude bei gleichzeitig hoher Auflösung und können so Informationen über den mit diesen Beben verbundenen Bruchvorgang liefern.

Um die seismische Gefährdung der Region und die in der Verwerfungszone unterhalb des Marmara-Meeres vor Istanbulablaufenden Prozesse mit dem neuesten Stand der Erdbebenüberwachungstechnologie zu erfassen und zu überwachen, wurde unter Federführung des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ das GONAF-Plattenrandobservatorium (Geophysical Observatory at the North Anatolian Fault) entwickelt.

„Istanbul mit über 13 Millionen Einwohnern liegt in einer extrem durch Erdbeben gefährdeten Region. Man geht hier gegenwärtig von einer erhöhte Wahrscheinlichkeit für ein starkes Erdbeben von einer Magnitude bis zu 7,4 aus,“ erklärt Professor Georg Dresen vom GFZ, einer der Organisatoren des GONAF Projektes. „Die in den Bohrungen gemessenen Daten von kleinen Erdbeben in der Region können wichtige Informationen über die Prozesse vor einem starken Erdbeben liefern.“

Die Daten werden kontinuierlich und in Echtzeit nach Potsdam und Ankara übertragen und ausgewertet. Eine besondere Schwierigkeit dabei ist, dass die zu überwachende Erdbebenzone unter dem Meeresboden des Marmara-Meeres, etwa 20 Kilometer vor Istanbul, verläuft. Daher kann nur eine Überwachung unterhalb der Erdoberfläche in Bohrlöchern wegen des wesentlich niedrigeren Geräuschpegels die notwendige Präzision der Messungen gewährleisten.

„Dazu muss man möglichst nah an die Herdregion herankommen,“ erläutert GFZ-Forscher Professor Marco Bohnhoff, Leiter des Projekts, die technische Herausforderung. „Mit unseren neuen, speziell entwickelten Bohrlochseismometern kann man die Qualität der Erdbebenregistrierungen im Vergleich zu Messungen an der Oberfläche mindestens um den Faktor 10 verbessern und daher eine deutlich höhere Auflösung erzielen.“

Das Projekt beinhaltet eine enge Zusammenarbeit mit dem Türkischen Katastrophenschutz AFAD. Die Bohrarbeiten laufen im Rahmen des Internationalen Wissenschaftlichen Kontinentalbohrprogramms ICDP. Ingenieure und Wissenschaftler des GFZ überwachen die Bau- und Installationsmaßnahmen. Nach erfolgreichem Abschluss und Übergabe der voll instrumentierten Pilot-Bohrung auf der Halbinsel Tuzla vor den Toren Istanbuls schließt sich zunächst eine Testphase an, bevor die verbleibenden sieben Bohrungen niedergebracht werden.

„Eine Erdbebenvorhersage ist nicht Ziel des Projekts,“ stellt Marco Bohnhoff klar. „Erdbebenvorhersagen sind heute noch nicht möglich. Aber die in unserem Projekt gewonnenen Daten der seismischen Aktivität vor, während und nach dem zu erwartenden Starkbeben werden uns bei der Erforschung von Erdbeben einen großen Schritt vorwärtsbringen.“

Franz Ossing | Helmholtz-Zentrum
Weitere Informationen:
http://www.gfz-potsdam.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Biber verändern das Gesicht der Arktis
16.07.2018 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Drohnen zählen Tiere in Afrika
11.07.2018 | Schweizerischer Nationalfonds SNF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Im Focus: Magnetische Wirbel: Erstmals zwei magnetische Skyrmionenphasen in einem Material entdeckt

Erstmals entdeckte ein Forscherteam in einem Material zwei unabhängige Phasen mit magnetischen Wirbeln, sogenannten Skyrmionen. Die Physiker der Technischen Universitäten München und Dresden sowie von der Universität zu Köln können damit die Eigenschaften dieser für Grundlagenforschung und Anwendungen gleichermaßen interessanten Magnetstrukturen noch eingehender erforschen.

Strudel kennt jeder aus der Badewanne: Wenn das Wasser abgelassen wird, bilden sie sich kreisförmig um den Abfluss. Solche Wirbel sind im Allgemeinen sehr...

Im Focus: Neue Steuerung der Zellteilung entdeckt

Wenn eine Zelle sich teilt, werden sämtliche ihrer Bestandteile gleichmässig auf die Tochterzellen verteilt. UZH-Forschende haben nun ein Enzym identifiziert, das sicherstellt, dass auch Zellbestandteile ohne Membran korrekt aufgeteilt werden. Ihre Entdeckung eröffnet neue Möglichkeiten für die Behandlung von Krebs, neurodegenerative Krankheiten, Alterungsprozessen und Virusinfektionen.

Man kennt es aus der Küche: Werden Aceto balsamico und Olivenöl miteinander vermischt, trennen sich die beiden Flüssigkeiten. Runde Essigtropfen formen sich,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

Materialien für eine Nachhaltige Wasserwirtschaft – MachWas-Konferenz in Frankfurt am Main

11.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Mister Raney bekommt Konkurrenz - Ein neuer Katalysator auf Nickel-Basis nutzt Nano-Strukturen

16.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

16.07.2018 | Physik Astronomie

Rostocker Forscher testen neue Generation von Offshore-Windenergie-Anlagen

16.07.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics